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Keiner findet die Idee der Spitalschliessungen gut

Toggenburger Parteien und Politiker können den Vorschlag nicht nachvollziehen, das Spital Wattwil zu schliessen. Kritisiert wird auch die Kommunikation zwei Tage vor der Einweihung des Neubautraktes.
Martin Knoepfel
Es mutet für viele absurd an: Dieser Bettentrakt wird am Samstag eingeweiht. (Bild: Martin Knoepfel)

Es mutet für viele absurd an: Dieser Bettentrakt wird am Samstag eingeweiht. (Bild: Martin Knoepfel)

Die Kritik von Toggenburger Politikern und Parteien ist deutlich. Die Idee, das Spital Wattwil zu schliessen, wird je nach Temperament als «nicht nachvollziehbar» oder als «Schildbürgerstreich» bezeichnet. Auch Ausdrücke wie «Ohrfeige» oder «Sackgasse», in die die Politik des Regierungsrats geführt habe, fallen. Zudem weisen Parteien und Kantonsräte und auch die Standortgemeinde Wattwil darauf hin, dass das Volk erst im Jahr 2014 die Spitalkredite mit klarer Mehrheit gutgeheissen hat. Gefordert wird die Respektierung der Abstimmung. Das zeigt eine Umfrage des «Toggenburger Tagblatts».

«Primat der Ökonomie hinterfragen»

Von einem «Affront des Verwaltungsrates» und von einem «Schildbürgerstreich» spricht ein hörbar wütender Hansheiri Keller, Präsident der SP Toggenburg. Er fordert, den Verwaltungsrat unverzüglich abzusetzen. Hansheiri Keller kann keinen Sinn darin sehen, dass man erst 80 Millionen ins Spital Wattwil investiert und dann das Aus für die stationären Behandlungen erklärt. Heute zählten nur noch ökonomische Aspekte. Das müsse man hinterfragen, fordert er. Das Defizit von 70 Millionen Franken, das der Verwaltungsrat erwähne, müsse man in Relation setzen zum Kantonshaushalt von fünf Milliarden Franken.

«Die CVP Toggenburg reagiert mit grossem Unverständnis», heisst es in einem Communiqué. Die CVP sieht den Entscheid des Verwaltungsrats der Spitalverbunde als Ohrfeige an die Adresse der Spitalverantwortlichen in Wattwil und ans ganze Toggenburg. Das Umfeld für die Spitäler habe sich verändert, räumt die CVP ein. Sie sieht aber Chancen, Patienten aus anderen Regionen im Spital Wattwil stationär zu behandeln, dies dank der zentralen Lage im Gebiet Linth-Toggenburg-Wil. Die Chancen für eine nachhaltige Entwicklung des Spital- und Gesundheitszentrums Wattwil stünden gut. Genannt wird als möglicher Ausbau die Alkohol-Kurzzeit-Therapie.

Angst um den Standort und Kritik an der Regierung

Die FDP Toggenburg fordere den Erhalt des Spitals Wattwil mit der stationären Grundversorgung. Mit dem Neubau habe das Toggenburg eine zukunftsfähige Infrastruktur, heisst es in einem Communiqué. Die FDP weist zudem auf die Folgen einer Spitalschliessung auf den Standort Toggenburg hin. Moderne und attraktive Angebote in den Bereichen Verkehr, Bildung und der Gesundheit seien nötig, wenn man Fachleute für den Zuzug ins Toggenburg gewinnen wolle. Die FDP erwarte, dass die Regierung bei ihren Entscheiden neben ökonomischen weitere Aspekte berücksichtige, heisst es. Das Grobkonzept des Verwaltungsrats der Spitalverbunde ist für die FDP keine ausreichende Grundlage für die Schliessung des Spitals Wattwil.

Die Spitalstrategie der Regierung habe in eine Sackgasse geführt, kritisiert die SVP Toggenburg. Die Regierung habe sich 2014 für die Besitzstandwahrung und die Betonierung veralteter Strukturen entschieden, heisst es weiter. Das komme den Kanton teuer zu stehen. Kritisiert wird, dass der Regierungsrat unnötige Unsicherheit schaffe, indem er keine Position beziehe zur Strategie, pro Spitalregion einen Standort für die stationäre Versorgung festzulegen. Die Partei fordert, dass auch ländliche Regionen wie das Toggenburg bei der Gesundheitsversorgung nicht abgehängt werden dürften. Die SVP Toggenburg versichert, dass sie aktiv bei neuen Szenarien und Modellen mitarbeiten werde.

Kritik auch von Kantonsräten

«Am 2. Juni wird die Erweiterung des Spitales Wattwil feierlich eingeweiht und zwei Tage zuvor muss man um die Zukunft fürchten? In welchem Film bin ich gelandet? Schmierenkomödie oder Science Fiction?» Das sagt SP-Kantonsrat Martin Sailer (Unterwasser). Er fordert eine sachliche Debatte um das Gesundheitswesen ohne Panik oder Schnellschüsse und lehnt den Radikalabbau und das Aus für die Spitäler, Rorschach, Altstätten, Flawil, Walenstadt und Wattwil ab.

«Nicht nachvollziehbar» nennt Mathias Müller (CVP, Lichtensteig) den Entscheid des Verwaltungsrats der Spitalverbunde. Er ist Mitglied der Arbeitsgruppe Gesundheit der CVP. Mit den vor vier Jahren beschlossenen Investitionen habe man einen strategischen Entscheid getroffen, gibt er zu bedenken. Mathias Müller räumt ein, dass die Kostenentwicklung im Gesundheitswesen die Lage der Spitäler verschärft hat. «Es wird Veränderungen geben. Wie sie aussehen werden, legt der politische Prozess fest.»

In einer Videobotschaft auf Youtube sprach SVP-Kantonsrat Mirco Gerig (Unterwasser) am Donnerstag von dunklen Wolken über dem Spital Wattwil. Er bemängelt zugleich, dass der Regierungsrat keine konkreten Lösungen aufgezeigt habe. Mirco Gerig verspricht, sich dafür einzusetzen, dass die medizinische Grundversorgung der Toggenburger Bevölkerung auch zukünftig gewahrt bleibt.

Die Politik habe gefordert, Verwaltungsrat und Regierung sollten in Bezug auf die Finanzen öffentlich Stellung beziehen, sagt Kilian Looser (FDP, Stein). Die FDP sei immer für eine gesunde Spitalfinanzierung gewesen. Eine hochwertige Gesundheitsversorgung für alle Kantonseinwohner sei aber wichtiger. Wenn der Bürger sage, dass er Defizite tragen wolle, sei das genauso als Entscheid zu respektieren wie der Investitionsentscheid, sagt Kilian Looser, der glaubt, dass die Würfel noch nicht gefallen sind.

Grosses Befremden wegen des Kahlschlags

Von «grossem Befremden» und von einem «Kahlschlag» spricht der Gemeinderat Wattwil. Er erwartet eine differenzierte Strategie als das, was verkündet wurde und nennt die Schliessung des Spitals «nicht akzeptierbar». In einem Communiqué gibt der Gemeinderat zu bedenken, dass die Vorschläge des Verwaltungsrat der Spitalverbunde über das «weit gehende Konzept der Industrie- und Handelskammer» hinausgehen würden. Sogar bei der IHK «ist die stationäre Grundversorgung in Wattwil gesetzt, da sie für eine positive Entwicklung der Region unabdingbar ist», lässt sich Gemeindepräsident Alois Gunzenreiner zitieren. Der Gemeinderat weist wie die FDP auf die Bedeutung des Spitals für die Attraktivität des Standorts hin. Zudem betont er die Bedeutung des Spitals als Arbeitgeber. «Das Spital Wattwil muss bleiben.»

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