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Keine Frau fuhr schneller mit dem Töff um die Welt: Thurgauerin berichtet in Bütschwil von ihrer Rekordfahrt

23'120 Kilometer in 17 Tagen und sieben Stunden. Isa Müller fuhr mit ihrem Töff in Rekordzeit einmal um die Welt und erzählte bei American Bikes von ihrer Monsterreise.
Fränzi Göggel
Ein Strassenschild mitten in Russland. (Bild: PD)

Ein Strassenschild mitten in Russland. (Bild: PD)

Die schnelle Thurgauerin Isa Müller aus Matzingen trat anlässlich des «Love Rides», der grössten Benefizveranstaltung der Schweizer Töffszene, am 6. Mai 2018 mit ihrer BMW S 1000 R zu der Challenge der Weltumrund an.

Drei Gegnerinnen aus drei Nationen starteten zugleich mit ihr aus ihren Heimatländern. Anita Fastl aus Österreich, Tatiana Igushina aus Russland, Faith Ahlers aus Amerika und Isa Müller aus Matzingen verfolgten sich einmal um die Welt. Die Frauen hatten alle dieselbe Strecke und vorgegebene Checkpoints anzufahren.

Isa Müller benötigt in Bütschwil keine grosse Infrastruktur, um den Zuhörern ihre Erlebnisse rüberzubringen. Eine improvisierte Bühne, ein Beamer mit Leinwand und eine grosse Tasche mit ihren Reiseutensilien zum Vorzeigen – das reicht ihr. Bei American Bikes anwesend ist auch Weltumrundungs-Rekordhalter Urs «Grizzly» Pedraita, der Initiator dieser Herausforderung.

Emotionale Reise mit Handybildern und Filmen

Das Publikum in Bütschwil besteht zum grössten Teil aus Töfffahrer. Den Zuhörern gehen die Kinnladen schon zu Beginn von Müllers Referat runter, als sie erwähnt, dass sie, als sie nach den Presseterminen nachmittags um drei Uhr endlich losfahren durfte, in einem Schnurz von Dübendorf bis nach Calais an die Atlantikküste gefahren ist.

Müller erzählt lebendig. Sie lässt Handy-Fotos und Videosequenzen, die sie auf der Rekordreise aufgenommen hat, in den Vortrag einfliessen. Auch wenn sie mit ihrem Bildmaterial keinen Preis gewinnen wird, die Bilder und Filmchen machen deutlich, wie emotional ihre Reise und die Kontakte über die sozialen Medien für Müller waren. Wen wundert es. Sie, die Europa zuvor noch nie verlassen hat, ist plötzlich alleine auf dem Töff unterwegs um die Welt zu rocken.

Partner musste wegen der Zeitverschiebung oft nachts helfen

«Ohne meinen Partner Chrigel hätte ich das nie geschafft», lobt sie ihn und betont, dass er wohl noch weniger geschlafen hat als sie. Nebst seiner Arbeit als selbstständiger Drucker sei er durch die Zeitverschiebung oft in der Nacht am PC und am Telefon gesessen um sie über den Live-Tracker zu informieren und wenn nötig, sie mental wieder aufzubauen.

«Ich cha öi säge.»

Beeat, das Maskottchen, begleitete Isa Müller auf der Monsterreise. (Bild: PD)

Beeat, das Maskottchen, begleitete Isa Müller auf der Monsterreise. (Bild: PD)

Mit diesen Worten beginnt Müller stets ihre wilden Storys: «Am sechsten Tag wollte ich unbedingt bis nach Novosibirsk. Da ich zwei Zeitzonen überfuhr, hatte dieser Tag nur 22 Stunden. Abgekämpft telefonierte ich mit Chrigel. Dieser aber meinte nur: ‹Fahr doch eifach›. Zu gehorchen, das machte mich richtig hässig – aber auch schnell. Ich fuhr an diesem Tag 1300 Kilometer im Dauerregen und saukalt war es auch. Beim Abzweiger nach Magadan erfuhr ich von Chrigel, dass ich noch 270 Kilometer bis zum nächsten Hotel fahren müsse. Es war schon fast dunkel, die Strasse voller Schlaglöcher, das Abblendlicht defekt und der Zusatzscheinwerfer funktionierte nur im Wackelkontakt. Ich war fix und fertig. Von ihm kamen aber genau die drei Worte, die ich nicht hören wollte: ‹Fahr doch eifach›. Ich hätte ihn erwürgen können», erzählt sie unverblümt.

Eine Pause für Töff und Fahrerin am Kluane Lake in Kanada. (Bild: PD)

Eine Pause für Töff und Fahrerin am Kluane Lake in Kanada. (Bild: PD)

Isa Müller lässt die Zuhörer an der oft komplizierteren Zollbürokratie und an den Sprachschwierigkeiten teilnehmen. Sie beschreibt die Benzinprobleme, die Monsteretappe von 1600 Kilometern an einem Tag in Alaska, und sie nimmt das Publikum mit auf Begegnungen mit Bären, Büffeln und Rentieren. Ihre fast unglaublichen Storys, ihre Erzählungen von Bekanntschaften unterwegs und immer wieder als Einwurf das «Fahr doch eifach» machten ihren Vortrag kurzweilig.

Von den dunklen Nächten Russlands

Für Müller, die zehn Monate vor ihrem Start einen schweren Unfall verkraften musste, war die Reise die Herausforderung ihres Lebens. «Nebst zwei Geschwindigkeitsbussen aus Europa und einer Verwarnung in den USA, die ich an den Tree of Shame, den Schandbaum, hängte, fuhr ich taktisch schnell. Russlands Nächte sind durch die Einsamkeit schwarz, nicht einfach nur dunkel. Trotzdem habe ich nie den Mond oder Sterne gesehen, es hat meistens nur geregnet. Da lernte ich beten. Hätte ich gewusst was mich erwartet, ich wäre nicht gefahren. Aber blauäugig, wie ich war, sagte ich für die Challenge zu», beschreibt Isa Müller rückwirkend ihre Gefühle.

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