Kein Frieden in Zeit des Friedens

Die Meldung der Demission von Pfarrer Alfred Germann «wegen tiefgehender Spannungen im Pastoralteam» der Seelsorgeeinheit Bazenheid-Gähwil-Kirchberg verlangt nach Erklärungen. Der Zeitpunkt der Veröffentlichung erstaunt.

Beat Lanzendorfer
Drucken
Teilen
Die katholische Kirche Bazenheid. (Bild: Martin Knoepfel)

Die katholische Kirche Bazenheid. (Bild: Martin Knoepfel)

Zur Ausgangslage: Am 1. Januar 2013 trat Albin Rutz die Stelle als Pfarrer der Seelsorgeeinheit an. Er fand schnell den Draht zur Bevölkerung, auch zur jüngeren, nicht zuletzt darum, weil er sich offen gegenüber Neuem zeigte. Erste Wolken am Himmel zogen im Sommer desselben Jahres auf, als von Unstimmigkeiten im Seelsorgeteam die Rede war und diese an die Öffentlichkeit gelangten. Über die Gründe schwiegen sich alle aus.

Damals wie heute waren die Beteiligten zu keiner öffentlichen Stellungnahme bereit. Dies alles gipfelte darin, dass Pastoralassistentin Sibylle Spichiger und Pastoralassistent Michael Kontzen kurz vor Allerheiligen 2013 das Ultimatum stellten «entweder er oder wir». Mit «er» war Pfarrer Albin Rutz gemeint. Intern hatte der Kirchberger Pfarreirat daraufhin beschlossen, Albin Rutz von seinen Pflichten zu entbinden. So weit kam es dann allerdings nicht.

Bistum gibt Gegensteuer

Dem Bistum war es ein Anliegen, die Situation zu beruhigen. Bereits eine Woche später, am 7. November 2013, wurde Diakon Franz Kreissl zum Teamkoordinator berufen. Ihm oblag die Aufgabe, die Fronten innerhalb des Pastoralteams der Seelsorgeeinheit aufzuweichen und das Vertrauen der Pfarreiangehörigen zurückzugewinnen. Dies gelang ihm nur bedingt, denn Anfang Jahr war dem Amtsbericht der Katholischen Kirchgemeinde Kirchberg zu entnehmen, dass Sibylle Spichiger und Michael Kontzen das Toggenburg verlassen. Sie hatten sich entschieden, im Rheintal eine neue Herausforderung anzunehmen.

Die schwellenden Querelen waren auch an Alfred Germann nicht spurlos vorbeigegangen. Der mitarbeitende Priester und Pfarreibeauftragte von Kirchberg hat sich aber trotz angekündigter Kündigung entschlossen, im Amt zu bleiben und der Seelsorgeeinheit die Treue zu halten. Dies hat er dem Bistum im März 2014 mitgeteilt.

Schwierige Nachfolgeregelung

Als sich für den Sommer 2014 keine Lösung für die abtretenden Sibylle Spichiger und Michael Kontzen abzeichnete, erklärten sich die übrigen Teammitglieder der Seelsorgeeinheit bereit, die Vakanzen intern zu lösen, bis das personelle Vakuum gefüllt war. Mit der Ankündigung am 27. November «Gähwil erhält mit Bettina Bischof wieder eine Seelsorgerin», die am 1. Februar 2015 ihre Arbeit als Pastoralassistentin aufnimmt, schien das Schiff der Seelsorgeeinheit Kurs in ruhigere Gewässer genommen zu haben. Dies zu den Fakten, die bis am 17. Dezember Bestand hatten.

Dann landete die Meldung der Demission von Pfarrer Alfred Germann als Pfarreibeauftragter der Pfarreien Kirchberg und Gähwil per 30. Juni 2015 auf den Redaktionstischen. Absender: der Kirchberger Kirchenratspräsident Kuno Hinrichs. Im Schreiben wird ausdrücklich darauf hingewiesen, dass «tiefgehende Spannungen im Pastoralteam und daraus resultierende gesundheitliche Gründe» zur Demission führten.

Ein ähnlich abgefasstes Schreiben lag bei den Mitgliedern der Kirchen- und Pfarreiräte gleichentags im Briefkasten. Absender Alfred Germann: «Geschätzte Mitarbeitende: Die andauernden und verstärkten Querelen und Spannungen im Seelsorgeteam, von denen alle irgendwie mitbetroffen sind, haben ein Ausmass angenommen, das ich mit meiner angeschlagenen Gesundheit nicht mehr länger verantworten kann. Aus diesem Grund habe ich schweren Herzens Bischof Markus um meine Demission als Pfarreibeauftragter von Kirchberg und Gähwil gebeten. Mit Datum vom 15. Dezember 2014 hat er mein Gesuch auf den 30. Juni 2015 angenommen. Es ist mir ein ernstes Anliegen, dass meine Mitarbeitenden in den verschiedensten Funktionen diesen Schritt nicht aus der Zeitung erfahren müssen. Ich danke euch allen seit Ende 2008 bis heute sowie den früheren und jetzigen Mitarbeitern des Seelsorgeteams, die mir wohlwollend und kollegial gesinnt waren und die einen aufbauenden Seelsorgedienst erst ermöglichen. Ich wünsche allen ein frohes und gesegnetes Weihnachtsfest und Gottes zuversichtlichen Beistand im neuen Jahr.»

Vom Schreiben konsterniert

Das Schreiben stiess vor allem bei Pfarrer Albin Rutz und Joseph Koch, Kirchenratspräsident der Pfarrei Bazenheid, auf Unverständnis. «Das Verhältnis zwischen Pfarrer Albin Rutz und Pfarrer Alfred Germann war sachlich kollegial, von einem Streit zwischen den beiden habe ich nie etwas mitbekommen. Ich finde es äusserst schade, dass diese Diskussion so kurz vor Weihnachten wieder neu aufgeflammt ist», so Joseph Koch.

Gleich äussert sich Albin Rutz, der die Zeilen von Alfred Germann mit Befremden zur Kenntnis nahm. Pfarrer Alfred Germann und Kuno Hinrichs, Präsident der Kirchenverwaltung der Pfarrei Kirchberg, waren nicht zu einer Stellungnahme bereit. Mehr als ein «kein Kommentar» war ihnen nicht zu entlocken.