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Serie

Oberrindal: Den Geist des Treffpunkts hat die Kapelle verloren – ihre Ausstrahlung nicht

Die Kapelle Oberrindal ist ein wichtiges Wahrzeichen des Weilers im unteren Toggenburg – auch wenn sie auf dem Boden Oberuzwils steht.
Timon Kobelt
Die Kapelle Oberrindal wurde 1901 erbaut und ein Jahr später eingeweiht. Heute finden nur noch selten Gottesdienste in ihr statt. (Bild: Timon Kobelt)

Die Kapelle Oberrindal wurde 1901 erbaut und ein Jahr später eingeweiht. Heute finden nur noch selten Gottesdienste in ihr statt. (Bild: Timon Kobelt)

Um Oberrindal ranken sich viele spezielle Geschichten. Etwa die Tatsache, dass die Grenzen von drei Gemeinden durch den Weiler verlaufen: Lütisburg, Jonschwil und Oberuzwil. Eng mit dieser Kuriosität verbunden ist die Geschichte der Kapelle Oberrindal. Diese steht nämlich leicht erhöht über der Flawilerstrasse auf Oberuzwiler Boden, gehört aber seit der Aufhebung der Kapellgenossenschaft Oberrindal im Jahr 2008 zur Kirchgemeinde Lütisburg. Pastoral gehörte die Kapelle vor dem Wechsel nach Lütisburg zur Kirchgemeinde Jonschwil.

Just auf der anderen, südlichen Seite der Flawilerstrasse – fast gegenüber der Kapelle – steht das Haus der Familie Bätschmann. Dieses befindet sich auf Lütisburger Boden. Den Namen Bätschmann verbindet man inOberrindal am stärksten mit der Kapelle. «Manchmal fragte man mich, ob die Kapelle meiner Familie gehört, weil wir so oft dort waren», erzählt Beatrice Jenny, ledige Bätschmann.

Kirchenreinigung war fast 
ein Familienunternehmen

Beatrice Jenny sitzt vor dem Eingang der Kapelle Oberrindal. (Bild: Timon Kobelt)

Beatrice Jenny sitzt vor dem Eingang der Kapelle Oberrindal. (Bild: Timon Kobelt)

Beatrice Jenny lebt mit ihrem Mann Marius in besagtem Haus gegenüber der Kapelle, in dem sie mit acht Geschwistern aufgewachsen ist. Ihr Grossvater Paul und ihr Vater Bernhard Bätschmann waren von 1917 bis 1986 die Messmer der Kapelle. Urgrossvater Josef Anton amtete als erster Präsident der Kapellgenossenschaft, die eigens für den Bau der kleinen Kirche ins Leben gerufen worden war.

«Mein Vater hat sehr für die Kapelle gelebt und folglich haben auch wir Kinder mitgeholfen», berichtet Beatrice Jenny, die 1957 zur Welt kam. Als junges Kind habe sie jeweils mit Begeisterung mitgeholfen, die Glocken von Hand zu läuten. Mit der Zeit sei diese Aufgabe dann zur Pflicht geworden. Mitte der 70er Jahre erhielt die Kapelle ein automatisches Glockengeläut. Auch beim Unterhalt – wie Kiesweg jäten, putzen, Kerzenleuchter wieder glänzend reinigen und so weiter – mussten die Kinder helfen.

Foto der Familie Bätschmann im Jahr 1958: Vater Bernhard war Messmer der Kapelle, die im Hintergrund erkennbar ist. Mutter Berta hält die kleine Beatrice in ihren Armen. Das jüngste der neun Kinder war zu diesem Zeitpunkt noch nicht geboren. (Bild: PD)

Foto der Familie Bätschmann im Jahr 1958: Vater Bernhard war Messmer der Kapelle, die im Hintergrund erkennbar ist. Mutter Berta hält die kleine Beatrice in ihren Armen. Das jüngste der neun Kinder war zu diesem Zeitpunkt noch nicht geboren. (Bild: PD)

«Die Kirchenreinigung war fast schon ein Familienunternehmen. Es war unseren Eltern sehr wichtig, dass die Kapelle einmal im Jahr von Grund auf geputzt wurde», sagt Beatrice Jenny, das zweitjüngste der neun Kinder. Ihr Vater habe auch häufig die Blumen für Fester in der ganzen Ortschaft zusammengetragen.

Ein Stück der Gemeinschaft
ging verloren

Wie vielerorts hat sich der Kirchgang in Oberrindal verändert. Die Kapelle hat nicht mehr denselben Geist eines Treffpunkts von einst. «Es finden hier viel weniger Hochzeiten und Gottesdienste statt als früher», sagt Beatrice Jenny. Dies führe dazu, dass ein Stück Dorfgemeinschaft wegfalle. Seit 2006 die Schule nach 250 Jahren geschlossen wurde, habe sich dieser Effekt noch verstärkt.

«Die Schule und die Kapelle sind Treffpunkte gewesen. Heute muss man den Kontakt zu den anderen Menschen hier viel gezielter suchen.»

Trotzdem empfindet sie Oberrindal als Ort, an dem es sich sehr gut leben lässt – vor allem für Familien. «Für Familien mit Kindern ist es hier wunderbar. Unsere drei Kinder haben bestätigt, dass es für sie sehr schön war, hier aufzuwachsen. Dennoch glaube ich nicht, dass eines von ihnen zum Wohnen wieder hierhin kommt», sagt Beatrice Jenny lachend. Sie schätzt, dass heute rund 170 Menschen hier leben.

Der Weiler Oberrindal kurz vor der Jahrtausendwende: Die weisse Kapelle am kleinen Hügel oberhalb der Flawilerstrasse steht auf dem Gemeindegebiet von Oberuzwil. Die Häuser auf der anderen Strassenseite gehören zu Lütisburg. (Bild: PD)

Der Weiler Oberrindal kurz vor der Jahrtausendwende: Die weisse Kapelle am kleinen Hügel oberhalb der Flawilerstrasse steht auf dem Gemeindegebiet von Oberuzwil. Die Häuser auf der anderen Strassenseite gehören zu Lütisburg. (Bild: PD)

Oberrindal steht landschaftlich gesehen ein wenig zwischen allem anderen. Es gibt etwa das Dorf Lütisburg, Unterrindal und Ramsau. Letzteres sei eigentlich ein Weiler des Weilers Oberrindal. Ein beliebtes Gesprächsthema. «Kürzlich hatten wir eine Klassenzusammenkunft. Die Ramsauer sagen von sich: ‹Wir sind keine Oberrindaler›. Es gab die Dörfler, die Unterrindaler, die Ramsauer und uns zwischendrin», erklärt Beatrice Jenny. Sticheleien hätten zum Alltag gehört. Die Unterrindaler seien beispielsweise in Lütisburg zur Schule gegangen. «Dadurch, dass wir eine eigene Schule und Kapelle hatten, waren wir schon speziell. Oder dachten es zumindest», sagt die Oberrindalerin schmunzelnd.

Die Geschichte der Kapelle Oberrindal im Zeitstrahl

1894

Ein Kapellbauverein wird zwecks Geldbeschaffung gegründet. Es kamen 12'826 Franken unter anderem aus Vermächtnissen, Kirchenopfer und Spenden zusammen.

1899

Gründung der Kapellgenossenschaft.

1901

Der Baubeginn der Kapelle erfolgt. Die Baukosten belaufen sich auf rund 25'000 Franken.

1902

Am 17. Juli wird die Kapelle eingeweiht und der erste Gottesdienst gefeiert.

1943

Ein Kapellchor wird ins Leben gerufen. 1945 Eine Empore wird nachträglich eingebaut.

1952

Eine erste Aussen-Renovation wird vorgenommen.

1958

Es findet die erste Trauung in der Kapelle statt.

1977

Eine vollständige Renovation innen und aussen sowie eine Hangsanierung mit Sickerleitung werden für rund 158000 Franken durchgeführt.

1980

Das erste Kind wird in der Kapelle getauft.

1990

Eine neue Orgel wird eingeweiht. Sie ist gestiftet vom Kapellchor-Dirigenten Johann Thoma.

2001

Es erfolgt eine Innen-Renovation der Kapelle.

2008

Die Kapellgenossenschaft wird aufgehoben. Deren Gebiet wird der Kirchgemeinde Lütisburg zugeteilt.

Schauen Sie sich hier die weiteren Weiler und Quartiere der Sommerserie an

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