Kantonsrat

Rund 125 Vollzeitstellen: Die Regierung äussert sich konkret zu den Plänen im jetzigen Spital Wattwil

Während Unterschriften für den Erhalt des Spitals Wattwil gesammelt werden, arbeitet die Kantonsregierung an der zukünftigen Lösung. Wie deutlich die Pläne bereits sind, schreibt sie in der Antwort auf eine Einfache Anfrage der Kantonsräte Mathias Müller (CVP, Lichtensteig) und Kilian Looser (FDP, Stein).

Sabine Camedda
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Die bereits erneuerten Patientenzimmer sollen weiterhin für die Pflege genutzt werden.

Die bereits erneuerten Patientenzimmer sollen weiterhin für die Pflege genutzt werden.

Bild: PD

Die Toggenburger Kantonsräte Mathias Müller und Kilian Looser reagierten bereits Mitte November auf den Entscheid des Kantonsrats, das Spital in Wattwil zu schliessen. Es entstehe ein Vakuum, denn es sei nicht klar, wie das Projekt zur Transformation des Spitals gestaltet werden und wie ein Gesundheits- und Notfallzentrum (GNZ) im Toggenburg aussehen solle, schreiben sie in einer einfachen Anfrage mit dem Titel «Arbeitsplätze und Grundversorgung sichern! Wie weiter mit der Gesundheitsversorgung im Toggenburg?»

Kantonsrat Kilian Looser, FDP.

Kantonsrat Kilian Looser, FDP.

Bild: PD

Die Auswirkungen der Spitalschliessung seien nicht zu unterschätzen, da mehrere hundert Arbeitsplätze abgebaut werden. Zudem verschwinde das Spital als wichtiger Eckpfeiler in der Grundversorgung. Dazu komme, dass sich der Hausärztemangel in den nächsten Jahren verschärfen werde. Weil auch Fragen bezüglich künftiger Notfallversorgung nicht abschliessend beantwortet sind, verlangen Mathias Müller und Kilian Looser eine zeitgerechte und umfassende Klärung.

Sie erinnern die Regierung und den Kantonsrat daran, dass diese der Region Toggenburg Unterstützung bei der Transformation und der Sicherstellung der künftigen GNZ zugesagt haben. Es braucht im Toggenburg ohne Zweifel ein GNZ, das künftig die wegfallende Rolle des Spitals in der Versorgung übernehmen kann, betonen Mathias Müller und Kilian Looser.

Gesundheits- und Notfallversorgung wird sichergestellt

Kantonsrat Mathias Müller, CVP

Kantonsrat Mathias Müller, CVP

Bild: PD

Die Regierung schreibt in ihrer Antwort, dass die Solviva AG, eine mögliche Betreiberin des zukünftigen Gesundheits-, Notfall- und Kompetenzzentrum für spezialisierte Pflege (GNP) ist. Diese Firma betreibt in der Schweiz mehrere Pflegeeinrichtungen, engagiert sich im Bereich der Spezialpflege und verfügt über Erfahrung in der Umwandlung von Spitälern in Gesundheitszentren.

Die Spitalregion Fürstenland Toggenburg (SRFT) würde mit einem auf das Angebot und den Bedarf der niedergelassenen Ärzteschaft abgestimmten ambulanten Leistungsangebot und dem Betrieb eines Notfallzentrums in Wattwil tätig bleiben. Eine weitere Partnerin ist die Psychiatrie St.Gallen Nord (PSGN). Weiter schreibt die Regierung, dass das Angebot der Alkoholkurzzeittherapie am Standort Wattwil weitergeführt wird.

«Mit dem Aufbau des GNP unter der Gesamtleitung der Solviva AG werden die Voraussetzungen für die Sicherstellung der Gesundheits- und Notfallversorgung im Toggenburg sowie den Erhalt eines beträchtlichen Teils der Arbeitsplätze geschaffen.»

Integrierte hausärztliche Notfallpraxis wird weitergeführt wie bisher

Wie die Regierung in ihrer Antwort schreibt, sind die Vorarbeiten mit den genannten Partnern Solviva AG, SRFT und PSGN schon weit gediehen. Derzeit laufen Gespräche mit den niedergelassenen Ärztinnen und Ärzten, der Standortgemeinde sowie mit Vertretern der Region.

Am GNP in Wattwil ist der Betrieb eines Notfallzentrums mit Labordiagnostik und Ultraschall vorgesehen, das ohne Voranmeldung aufgesucht werden kann und das rund um die Uhr betrieben wird. Geplant ist auch ein radiologisches Angebot. Weil es vier bis fünf Notfallbetten geben wird, können einfache medizinische Notfälle vor Ort betreut werden. Ergänzt wird das Notfallzentrum durch eine integrierte hausärztliche Notfallpraxis, wie sie seit November 2019 durch die SRFT und die niedergelassene Ärzteschaft betrieben wird. Dies hätte, wie heute, eingeschränkte Betriebszeiten.

Fachärztinnen und Fachärzte der SRFT oder aus der niedergelassenen Ärzteschaft sollen Leistungen in den Fachbereichen Allgemeine Chirurgie, Orthopädie, Kardiologie, Urologie, Schmerzsprechstunde und Onkologie anbieten. Ergänzt wird dieses Angebot durch Physiotherapie und Ergotherapie. Das Detailkonzept sei aber noch nicht mit den niedergelassenen Ärztinnen und Ärzten abgesprochen, betont die Regierung.

Ausserdem wird das bestehende Angebot der Alkoholkurzzeittherapie mit 14 Betten weitergeführt und das ambulante und tagesklinische Angebot der PSGN für Erwachsene mit psychischen Erkrankungen soll ins GNP verlegt werden.

Solviva AG übernimmt die Liegenschaft und vermietet einen Teil der Fläche

Die Regierung beschreibt auch konkret die Pläne der Solviva AG. Sie plane ein umfassendes Spezialpflegeangebot mit bis zu 40 Betten. In einem Teil davon werden Patientinnen und Patienten mit Langzeitbeatmung, Para-/Tetraplegie oder Muskelerkrankungen betreut. Ein weiteres Angebot richte sich an Pflegepatientinnen und -patienten mit psychiatrischen Grunderkrankungen.

Ebenso soll es ein ergänzendes Angebot der bestehenden Pflegeheime geben. Aufgenommen werden ältere Personen mit chronischen Krankheitsbildern oder verhaltensbezogenen und psychischen Störungen sowie jüngere Personen, für die ein Pflegeheim nicht die richtige Umgebung ist. Auch können Menschen aufgenommen werden, die kurzfristig einen Pflegeplatz brauchen. Die Regierung betont, dass ein Leistungsangebot für Personen mit schwerer Demenz nicht vorgesehen ist.

Das Konzept sehe vor, dass die Solviva AG die gesamte Liegenschaft kauft, entsprechend der späteren Nutzung baulich anpasst und betreibt. Rund ein Viertel der Fläche wird gemäss heutigen Plänen nicht von der Solviva AG genutzt. Das will sie an Dritte für den Betrieb weiterer medizinischer und ergänzender Angebote vermieten. Wie die Regierung schreibt, sind 125 bis 130 Vollzeitstellen für den Betrieb des bisher geplanten Angebots notwendig.

Erfolg hängt von einer raschen Umsetzung ab

Die Regierung beantworte auch die Frage der beiden Toggenburger Kantonsräte bezüglich des Zeitplans. Aus Sicht der Solviva AG hänge eine erfolgreiche Realisierung des GNP Wattwil von einer raschen Umsetzung ab. Denn die neue Betreiberin hoffe, das pflegerische Fachpersonal zu einem wesentlichen Teil aus dem heutigen Spital Wattwil rekrutieren zu können.

Da es für den Betrieb bauliche Anpassungen braucht, muss die Solviva AG nach einem allfälligen Volksentscheid rasch eine Baueingabe machen. Dies bedeute, dass die Planevaluations- und Vorprojektphase noch im ersten Quartal 2021 erfolgen müsse. Die bedinge eine grundsätzliche Unterstützung durch die niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte, die Standortgemeinde Wattwil und die Region Toggenburg bis spätestens Ende Januar.