Rekurs des WWF: Kanton muss über Einzonung in Ebnat-Kappel entscheiden

Der WWF zieht einen Entscheid des Gemeinderates zur Einzonung im Gebiet Underdorf weiter. Er sieht die Revitalisierung der Thur in Gefahr. Betroffen von diesem Weiterzug sind die Pläne der Alder + Eisenhut AG, erneut auszubauen.

Ruben Schönenberger
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Auf dieser Wiese könnte dereinst eine weitere Halle der Alder + Eisenhut zu stehen kommen. Dafür muss die Fläche allerdings erst eingezont werden. (Bild: Urs M. Hemm)

Auf dieser Wiese könnte dereinst eine weitere Halle der Alder + Eisenhut zu stehen kommen. Dafür muss die Fläche allerdings erst eingezont werden. (Bild: Urs M. Hemm)

Es ist erst rund zwei Jahre her, dass der Sportgerätehersteller Alder + Eisenhut AG die neue Lagerhalle am Standort Ebnat-Kappel fertigstellen konnte. Schon damals musste dafür eine Teilzonenplanänderung vorgenommen werden. Ein Prozess, der nicht ganz reibungsfrei verlief.

Schon bald nach der Eröffnung ergaben sich erneut Platzprobleme. Daher «muss eine weitere Entwicklungsstufe für die Alder + Eisenhut AG ermöglicht werden», schrieb die Gemeinde Ebnat-Kappel vor rund einem Jahr. Der Gemeinderat hat deshalb den Teilzonenplan Underdorf II erlassen. Das war am 10. August 2017. Rund ein Jahr später ist dieser jedoch noch nicht in Kraft.

Alder + Eisenhut plant Ausbau

Alder + Eisenhut plant Ausbau

Am Anfang der Verzögerung steht eine Einsprache des WWF. Der Gemeinderat wies diese ab und unterstellte den Teilzonenplan dem fakultativen Referendum. Die Frist lief vom 23. Juli bis zum 31. August. Es wurde kein Referendum ergriffen. Als Einsprecher ist der WWF jedoch berechtigt, gegen diesen Entscheid beim kantonalen Baudepartement Rekurs zu erheben. Und das tat er nun auch, wie er in einer Mitteilung von gestern Mittwoch ausführte.

Eignung der anderen Flussseite erst prüfen

Lukas Indermaur, Geschäftsführer WWF St.Gallen. (Bild: PD)

Lukas Indermaur, Geschäftsführer WWF St.Gallen. (Bild: PD)

Aus Sicht der Naturschutzorganisation könnte der Teilzonenplan die Revitalisierung der Thur gefährden. Der Kanton St.Gallen messe dem Fluss auf der Strecke zwischen Ebnat-Kappel und Wattwil grosses Revitalisierungspotenzial zu. Wenn nun auf dem rechten Thurufer eine Industrie- und Gewerbezone entstehe, auf der später eine neue Halle zu stehen komme, bleibe nur das linke Thurufer übrig, sagt Lukas Indermaur, Geschäftsführer WWF St.Gallen. «Ob dort eine Revitalisierung möglich ist, muss man aber zuerst prüfen.» Man dürfe nicht nach dem Prinzip «dä Schnäller isch dä Gschwinder» planen. Auf der linken Uferseite liege nämlich ein Grundwasserbrunnen samt Schutzzonen. «Ob diese Grundwasserfassung zugunsten der Revitalisierung verlegt werden kann, wurde nicht geprüft», so der WWF in seiner Mitteilung.

Der WWF glaubt aber, dass bei einer koordinierten Planung die Vorstellungen von Wirtschaft und Naturschutz gut miteinander vereinbar seien. «Die Interessen stehen sich hier nicht diametral gegenüber. Man muss einfach sauber koordinieren», sagt Indermaur.

Erweiterung fehle im kantonalen Richtplan

Ein Fragezeichen setzt Indermaur bei einem formalen Punkt. Die geplante Bauzonenerweiterung sei im kantonalen Richtplan nicht festgelegt. Mit einer Einzonung von 0,8 Hektaren könne auch nicht einfach eine bestehende Zone fortgeschrieben werden. «Nur schon deshalb ist die angestrebte Teileinzonung nicht genehmigungsfähig.» Im kommunalen Richtplan ist die Fläche jedoch bereits jetzt für diesen Zweck eingeplant. Gemäss WWF könnten weitere Einzonungen am rechten Thurufer folgen.

Beim Amt für Raumentwicklung und Geoinformation (Areg) des Kantons St.Gallen kann man zum konkreten Fall keine Stellung nehmen. Raumplanerin Prisca Kolb sagt jedoch: «Der kantonale Richtplan ist im Grundsatz auch für die nachfolgenden Behörden verbindlich. Der kommunale Richtplan hat die Vorgaben des kantonalen Richtplans und die Raumplanung der anderen politischen Gemeinden in der Region zu berücksichtigen.» Es könne aber natürlich sein, dass mit dem neuen kantonalen Richtplan gerade gegenüber älteren kommunalen Richtplänen Diskrepanzen entstünden. Wegen des neuen Planungs- und Baugesetzes sei sowieso viel Anpassungsbedarf entstanden. Und: «Auch der kantonale Richtplan kann angepasst werden.»

Bei der Gemeinde Ebnat-Kappel will man aufgrund des laufenden Verfahrens keine Stellung beziehen. In früheren Gemeindeinformationen begründete sie die Einzonung mit der Wettbewerbsfähigkeit des heimischen Gewerbes und der Industrie. Auch bei der Alder + Eisenhut AG war vorerst nicht mehr zu erfahren, weil Geschäftsleiter Robin T. Alder zurzeit abwesend ist.