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Kaninchen in Niederuzwil inmitten von Kadavern gefunden — nun lebt es im Tierheim Dicken

Nach dem Fund in der Niederuzwiler Tierkörpersammelstelle wurde das Tier zum Papageien- und Büsihof in Dicken gebracht, wo es sich wohlzufühlen scheint.
Michael Hehli
Das Kaninchen Janosch lebt nun auf dem Papageien- und Büsihof in Dicken. (Bild: Michael Hehli)

Das Kaninchen Janosch lebt nun auf dem Papageien- und Büsihof in Dicken. (Bild: Michael Hehli)

Beim Papageien- und Büsihof in Dicken läutete das Telefon am Sonntag vormittags aus einem ungewöhnlichen Grund. «Die Polizei fragte uns an, ob wir ein Kaninchen aufnehmen wollen, das in der Tierkörpersammelstelle in Niederuzwil gefunden worden sei», sagt Marcel Jung, Leiter des Papageien- und Büsihofes in Dicken. Der zuständige Wildhüter habe das Tier dann gebracht.

«Er war in keinem schlechten Zustand», sagt Jung. «Man merkte aber, dass er eine Weile dort gelegen hatte, er stank extrem stark nach Kadavern.» Man habe das mittlerweile Janosch heissende Kaninchen aufgenommen und erst einem Gesundheitscheck unterzogen, um zu sehen, ob ihm etwas fehlt.

«Äusserlich war alles gut, also gaben wir ihm Futter und wuschen ihn.» Janosch steckte den Vorfall relativ gut weg: «Er frisst und ist ziemlich aufgestellt», so Jung. «Man muss aber bedenken, auch er hat Gefühle. Ich bin überzeugt, dass er merkte, dass etwas nicht stimmt, als er zwischen toten Tieren lag», ergänzt er.

Polizei spricht von ein bis zwei Fällen pro Jahr

Laut Polizeisprecher Hanspeter Krüsi sind solche Fälle relativ selten. Bei der Polizei gehen ein bis zwei Mal pro Jahr Meldungen über ein lebendiges Tier in einer Sammelstelle für Kadaver ein. Er geht davon aus, dass die Tiere in der Hoffnung, dass sie jemand mitnimmt, dort deponiert werden, da die Stelle gut frequentiert sei.

Ein Tier auf der Kadaversammelstelle auszusetzen stelle einen Verstoss gegen das Tierschutzgesetz dar. Würde der Täter ausfindig gemacht, werde bei der Staatsanwaltschaft Anzeige gegen ihn erstattet, wo dann über die Strafe entschieden wird.

Der Mediensprecher meint, dass sich dank der grossen Aufmerksamkeit, die dieser Fall erhalten habe, vielleicht noch jemand bei der Polizei melde, der etwas gesehen hat. Vielleicht hatte auch jemand ein Kaninchen, das nun nicht mehr da sei. Möglicherweise habe sogar jemand den Täter oder die Täterin beim Entsorgen beobachtet.

Abgabe eines Kaninchens kostet 50 Franken

Der Fall wurde durch einen Facebookpost auf der Seite des Papageien- und Büsihofes bekannt. Von gleichartigen Fällen hat Marcel Jung keine Kenntnis. Bei der ähnlichsten ihm bekannten Begebenheit ging eine Person vom Tod ihrer Katze aus und brachte diese deshalb zur Sammelstelle. Als das Tier dann anfing, zu schreien, habe sie es sofort wieder mitgenommen und zu einem Tierarzt gebracht.

«Dass man ein lebendiges Tier so entsorgt, das ist unterste Schublade», meint er. Wenn man ein Tier habe, das man nicht mehr wolle, könne man sich an ein Tierheim oder eine Tierschutzorganisation wenden. Man müsse zwar einen Beitrag bezahlen, dieser sei aber klein. «Dann hat man zumindest ein gutes Gewissen», sagt Jung. «Ich verstehe nicht, wie ein Mensch mit sich vereinbaren kann, ein Tier so zu entsorgen.»

Einen Hasen ins Tierheim zu bringen, koste rund 50 Franken. Verglichen mit den Kosten für das Heim sei dies nichts: «Das Tierheim bringt das Tier zum Arzt, meist müssen auch die Krallen geschnitten werden.» Janosch müsse ausserdem noch kastriert werden.

Meiste Tiere werden in der Ferienzeit ausgesetzt

Die meisten Tiere werden laut Jung im Wald, wo es niemand sieht, ausgesetzt. «Unser sehr kleines Tierheim hat im Jahr zehn bis zwanzig Tiere, die ausgesetzt wurden.»

Die meisten Fälle kämen in der Ferienzeit vor, wenn es den Leuten zu teuer sei, das Tier zu einer Ferienunterkunft zu bringen. «Es ist traurig, dass es Leute gibt, die danach mit einem guten Gewissen in die Ferien gehen können», ergänzt Jung. «Sie vermögen es ja auch, in die Ferien zu fahren.»

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