Toggenburg wird zur Taekwondo-Hochburg

Zur Taekwondo-Schweizer-Meisterschaft in Wattwil Mitte September werden nebst dem Nationalkader weitere 400 Kämpferinnen und Kämpfer erwartet. Peer Steinkellner hofft auf Medaillen seiner Schüler.

Urs Huwyler
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In der Kampfkunstschule Xing Wu Guan in Wattwil bereitete sich am Wochenende das Taekwondo-Nationalkader auch auf die Schweizer Meisterschaft vor. (Bild: Urs Huwyler)

In der Kampfkunstschule Xing Wu Guan in Wattwil bereitete sich am Wochenende das Taekwondo-Nationalkader auch auf die Schweizer Meisterschaft vor. (Bild: Urs Huwyler)

Ursprünglich wollte die Kampfkunstschule Xing Wu Guan mit Schulleiter Peer Steinkellner an der Spitze am 15. und 16. September in der Wattwiler Markthalle aus Anlass des 10-Jahr-Jubiläums nur die Taekwondo-Schweizer-Meisterschaft organisieren. Und so einen Beitrag an den Neuaufbau dieser olympischen Sportart leisten. Nachdem die Schweiz an den Olympischen Spielen im Jahr 2016 nicht vertreten war, drohte die seit 2008 in Wattwil präsente, koreanische Kampfkunst an Bedeutung zu verlieren.

Die Schweizer Meisterschaft steht weiterhin im Zentrum. Doch die Übernahme der Titelkämpfe löste eine Teakwondo-Lawine aus. Peer Steinkellner wurde aufgrund seines Engagements und seiner Ausbildung zum diplomierten Berufstrainer Leistungssport in den Vorstand von Swiss Taekwondo gewählt und die Schule als Regionales Leistungszentrum Ostschweiz anerkannt. Inzwischen nützen Hoffnungsträger aus Schaffhausen, der Innerschweiz, dem Tessin, St. Gallen und der Region Winterthur/Zürich das Wattwiler Trainingsangebot.

Mit Tanja Kappeler und Matej Carkic gehören zwei Kaderleute von Peer Steinkellner, an der Schweizer Meisterschaft zu den Medaillenkandidaten. (Bild: Urs Huwyler)

Mit Tanja Kappeler und Matej Carkic gehören zwei Kaderleute von Peer Steinkellner, an der Schweizer Meisterschaft zu den Medaillenkandidaten. (Bild: Urs Huwyler)

Zwei Wochen vor der Schweizer Meisterschaft erfolgte ein weiterer Schritt Richtung einer Taekwondo-Hochburg im Toggenburg. Denn anlässlich des Nationalkadertrainings in Wattwil wurde Peer Steinkellner mit einer Teilzeitanstellung zum Schweizer Nationaltrainer im Nachwuchsbereich (Kadetten und Junioren) ernannt. Eine Wahl, von der die Schule mit Kämpfern aus bisher 50 Nationen auch imagemässig profitieren kann. «Die Schüler haben vermehrt die Möglichkeit, sich mit den Besten in ihrer Kategorie zu messen», sagt der Schulleiter.

Zwei Wattwiler Kämpfer im Nachwuchskader

Den Grundlagen-Lehrgang des Nationalkaders leitete Cheftrainer Markus Kohlöffel aus Friedrichshafen. Der ebenfalls neu eingesetzte, erfolgsorientierte Deutsche war zuvor Nationaltrainer in Deutschland und Schweden. Er betreute einen Kämpfer aus Niger und war als Coach bei den bisher fünf Olympischen Spielen mit Taekwondo dabei.

Sein in englischer Sprache geleitetes Training besuchten auch Tanja Kappeler und Matej Carkic, beide aus Wattwil. Sie gehören dem Nachwuchskader an und haben von Markus Kohlöffel zu hören bekommen, was er von Kaderleuten erwartet.

Internationale Titelkämpfe im Fokus

Nationale Titel sind für die aktuellen und künftigen Internationalen normal, internationale Titelkämpfe wie Europameisterschaft und Weltmeisterschaft stehen im Fokus. «Ich versuche, an der Schweizer Meisterschaft die Goldmedaille zu gewinnen und mich irgendwann für die Europameisterschaft zu qualifizieren», so Tanja Kappeler. Damit nimmt die seit drei Jahren bei Peer Steinkellner Trainierende die Zielsetzung von Kohlöffel auf.

Über 400 Kämpferinnen und Kämpfer werden am Start der Schweizer Meisterschaft sein. Darunter 30 Wattwiler. «Sollten wir aufgrund der bisherigen Resultate an nationalen und internationalen Turnieren nicht den einen oder andern Podestplatz erreichen, wäre dies enttäuschend», betont OK-Präsident Peer Steinkellner. Er wird seine eigene Meisterschaft in Mehrfachfunktion erleben. «Wir wollen eine Taekwondo-Schweizer-Meisterschaft organisieren, die zur Positionierung der Sportart in der Öffentlichkeit beiträgt», erläutert Steinkellner. Deshalb sei der Eintritt zu den Meisterschaften auch frei.

Formenläufe und Olympischer Wettkampf

Die Schweizer Meisterschaft in Taekwondo in der Markthalle in Wattwil findet am Wochenende vom 15. und 16. September statt. Am Samstag werden jeweils von 10 bis 12 und von 13.30 bis 18 Uhr die Titel in den «Formenläufen» vergeben. Am Sonntag zu denselben Zeiten die Titel im «Olympischen Wettkampf».

Die Formen sind festgelegte Schritt- und Technikfolgen. Sie erinnern an einen Kampf gegen imaginäre Gegner und dienen der Automatisierung von Bewegungsfolgen. Der olympische Wettkampf wird am Anlass von mehreren Punktrichtern bewertet und von einem Kampfrichter geleitet. Der Wettkampf geht über drei Runden à jeweils zwei Minuten, in denen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer versuchen, mit Taekwondo-Techniken den Gegner zu treffen (Vollkontakt). Je nach getroffener Körperstelle (Torso zwei Punkte; Kopf drei Punkte) werden die Punkte vergeben. Für Drehtechniken wird ein Zusatzpunkt vergeben. Der Wettkampf kann auch durch ein K.O. entschieden werden.

Zu den Schweizer Meisterschaften wird freier Eintritt gewährt. Taekwondo bedeutet übrigens übersetzt der «Weg des Fusses und der Hand». In Wattwil wird das Südkoreanische Taekwondo, welches zu den Olympischen Sportarten zählt, unterrichtet. (uhu/lim)