Damals: Kampf der Geschlechter am Bügelbrett

Das «Toggenburger Tagblatt» veröffentlicht jede Woche Begebenheiten aus vergangenen Zeiten. Was ist vor 100, 50, 20 oder 10 Jahren im Toggenburg passiert?

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Für manche selbstverständlich, für manche gewöhnungsbedürftig: Männer am Bügelbrett. (Bild: PD)

Für manche selbstverständlich, für manche gewöhnungsbedürftig: Männer am Bügelbrett. (Bild: PD)

Vor 100 Jahren

14. September: Toggenburg. Zur Grippe-Epidemie meldet das Bülletin der kantonalen Sanitätskommission: In der Woche vom 1. bis 7. September wurden folgende Fälle von Grippe ärztlich gemeldet: Im Bezirk Obertoggenburg (Nesslau, Ebnat, Kappel) 43, Neutoggenburg (Wattwil, Lichtensteig, Brunnadern) 116, Alttoggenburg (Bütschwil, Lütisburg, Kirchberg) 107, Untertoggenburg (sämtliche Gemeinden ohne Ganterschwil) 112.

Die Zahlen der Grippefälle in den Bezirken dürften nicht Anspruch auf Richtigkeit haben. So wurde die Zahl der Erkrankten anfangs dieser Woche in der Gemeinde Wattwil allein auf 200 geschätzt. In Ebnat sollen vom Personal der Bürstenfabrik allein so viel krank zu Hause liegen, als das Bülletin für den ganzen Bezirk angibt. Aehnlich ist das Verhältnis in Bütschwil und Dietfurt, wo die Fabriken den Betrieb infolge der zahlreichen Absenzen nur mit Mühe aufrecht erhalten können.

Vor 50 Jahren

13. September: Wattwil. Aktion «Bachputzete». Wasser und Wege sind wieder sauber. Während die ersten 3. Primarklassen alle Wanderwege säuberten, suchten die Schüler der oberen Primarklassen, der Abschluss- und Sekundarschule und eine Anzahl Erwachsene Steigrüti-, Ziegelhütten-, Leder-, und Schwendibach sowie den Thurlauf nach Unrat ab. Als Ertrag konnten – sage und schreibe 30 Kubikmeter Kehricht abgeführt werden! Im Einsatz standen 291 Schüler, 12 Lehrer und Lehrerinnen, 12 Samariter und 6 weitere freiwillige Erwachsene. Für die Entfernung schwerer Objekte wären wir um die Mithilfe einer grösseren Anzahl Erwachsener froh gewesen.

Ausser einigen Wespenstichen ereignete sich kein «Betriebsunfall». Der durch die politische Gemeinde spendierte z’Vesper wurde von allen Beteiligten gerne und dankbar entgegengenommen. In Zukunft wird es wohl Aufgabe der politischen Gemeinde sein, immer wieder zur Reinhaltung unserer Gewässer und Wanderwege anzuhalten und Fehlbare auf zweckmässige Art herzunehmen.

Vor 20 Jahren

16. September: Ganterschwil. Es seien bereits über dreissig Anmeldungen für die Bügelmeisterschaft eingegangen, war von den Organisatoren des ersten Anlasses seiner Art in Ganterschwil zu erfahren. Pikantes Detail daran war: Die Anmeldungen stammten grösstenteils von Männern. Was aber hat die Männer wohl dazu bewogen, in diese vermeintliche Frauendomäne vorzudringen? Aus einer Umfrage ist bekannt, dass sich das starke Geschlecht selten am Bügeleisen vergreift, und schon gar nicht, wenn es den Haushalt mit einer besseren Hälfte teilt. Oder fühlen sich Machos persönlich angesprochen, da keine «Meisterinnenschaft» ausgeschrieben war? «Aus Spass» heisst es ganz lapidar.

16. September: Mosnang. Der Informationsabend über das Projekt der Gemeinde, auf der Pfarrwiese Alterswohnungen zu bauen, stiess vor allem bei den älteren Personen der Bevölkerung auf ein geringes Interesse. Der Gemeinderat hat deshalb beschlossen, die Bedürfnisse nach Alterswohnungen nochmals genau abzuklären und eine Umfrage bei Personen über 60 Jahren zu machen. Bereits beim Kauf der Pfarrwiese im Jahr 1996 machte sich der Gemeinderat Gedanken über die Realisierung von Alterswohnungen und startete eine Umfrage. Stossen die Alterswohnungen jedoch bei der Bevölkerung nicht auf den gewünschten Anklang, so muss der Gemeinderat Mosnang wieder über die Bücher gehen. Ob das Projekt in der Schublade landet?

Vor 10 Jahren

15. September: Wattwil. Von 1000 Kilogramm des Eisblockes, der für zwei Wochen in einer wärmeisolierenden Hütte hauste, sind stolze 820 Kilogramm übrig. Während es bei Diäten darum geht, Gewicht zu verlieren, war das Ziel der beteiligten Holzbaufirmen der IG Holz Toggenburg, dass der Eisblock möglichst viel seines Gewichtes beibehält. Je mehr Eisblock übrig bleibt, desto besser die hochdämmende Bauweise und die Isolation des Eisblockhäuschens. Gleichzeitig ist damit bewiesen, dass diese Bauweise nicht nur im Winter die Wärme drinnen behält, sondern auch im Sommer die draussen.

15. September: Unterwasser. Blickfang im Obertoggenburg. Käser Thomas Stadelmann lud zum Tag der offenen Tür in seiner umgebauten Käserei Stofel ein. «Für mich war die Sache von vorneherein klar: An meine neue Chäsi kommt nur eine moderne Holzfassade.» Thomas Stadelmann ist sichtlich stolz auf seinen Blickfang. Wegen dieser Fassade hat schon mancher Tourist angehalten und den Fotoapparat gezückt. 30 Tonnen Käse lagern nun im erweiterten Käsekeller. Alles Eigenkreationen – sein Verkaufshit ist der «Heublumenkäse», den man am dunkelbraunen Äusseren erkennt. Frisch eingerieben («nur mit einheimischen Heublumen») sieht er allerdings hellgrün aus, erkennt man beim Rundgang durch den Käsekeller.

17. September: Hemberg. Der achtzehnjährige Hemberger Patrick Schelling ist Radrennfahrer und zeigt viel Stärke am Berg. Der Kantischüler fährt jeden Tag mit dem Velo von Hemberg nach Wattwil in die Schule. Als aktiver Radsportler holte er sich dieses Jahr den Schweizer Meistertitel im Bergrennen. Er habe sich zwar für dieses Jahr einen Podestplatz vorgenommen, doch mit dem Berg-Schweizer-Meistertitel der U19-Junioren doch nicht gerechnet. Die Berg-Schweizer-Meisterschaft fand in Arbedo, Roveredo-Monte Laura statt.