Badi Wattwil
Warum tun sie das? Auch bei tiefen Temperaturen und Regen ziehen Wattwiler Senioren ihre Längen

In der Badi Wattwil treffen sich morgens um 7.30 Uhr regelmässig hartgesottene Pensionäre. Auch bei widrigen Verhältnissen wie diese Woche wagen sie den Sprung ins kalte Nass. Es geht ihnen um die Gesundheit – aber auch die Geselligkeit. Ein Besuch.

Elia Fagetti
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Bei jedem Wetter springen die Senioren ins Wasser. Meistens schwimmen sie um die zehn Bahnen.

Bei jedem Wetter springen die Senioren ins Wasser. Meistens schwimmen sie um die zehn Bahnen.

Collage: sgt

Freitagmorgen einer trüben Woche. Wolken hangen am Himmel. An einen Freibad-Besuch ist dieser Tage nicht zu denken. Würde man meinen. Doch eine eingeschworene Gruppe findet sich, wie fast jeden Morgen, in der Badi Wattwil ein. Für volljährige Inhaber einer Saisonkarte gelten spezielle Öffnungszeiten. Sie dürfen bereits ab 7.30 Uhr ins Freibad. Frühschwimmen ist angesagt. Für den Rest der Bevölkerung öffnet dieses erst ab 9 Uhr. Diese Zeitung hat die Senioren getroffen und sie nach ihren Gründen für das Frühschwimmen gefragt.

Hermann Essig aus Wattwil freut sich schon auf das Wasser.

Hermann Essig aus Wattwil freut sich schon auf das Wasser.

Bild: Elia Fagetti

Hermann Essig ist pensionierter Lehrer aus Wattwil. Für ihn ist es Gewohnheit, in die Badi zu kommen. «Am Morgen ist es still und nach dem Schwimmen ist man wach.» Ein weiterer Aspekt ist der Antrieb, den man durch die Gruppe der Frühschwimmer bekommt. «Wir spornen uns gegenseitig an, bei jedem Wetter zu schwimmen», sagt Essig.

Nie mehr krank

Ortrud Meier ist voll in ihrem Element.

Ortrud Meier ist voll in ihrem Element.

Bild: Elia Fagetti

Wieder andere sind voll in ihrem Element. Wie Ortrud Meier. Sie schwimme regelmässig, weil es der Gesundheit guttue. Sie sagt: «Seit ich hier schwimme, bin ich nie krank und meine Gelenke schmerzen nicht mehr. Die Bewegung hilft dem Immunsystem.» Meier hofft, dass es, nach der Pensionierung von Badmeister Vuko Ratkovic per Ende dieser Saison, weiterhin möglich sein wird, morgens früh in die Badi zu kommen.

Die Freunde Iranova Ratkovic und Heidi Bräcker.

Die Freunde Iranova Ratkovic und Heidi Bräcker.

Bild: Elia Fagetti

Doch nicht nur den Gelenken und dem Immunsystem kommt das Schwimmen zugute. Heidi Bräcker hatte früher Rückenprobleme. Seit sie in Wattwil schwimmt, gehören diese Schmerzen der Vergangenheit an. «Im Sommer bin ich immer eine Stunde im Wasser», sagt Bräcker. Ausserdem schätzt sie den familiären Umgang in der Badi.

Dank dem Schwimmen geht es Ursula Dürr gesundheitlich gut.

Dank dem Schwimmen geht es Ursula Dürr gesundheitlich gut.

Bild: Elia Fagetti

Ursula Dürr findet es angenehm ruhig in den frühen Morgenstunden. Sie könne das Wasser geniessen. Und auch für sie ist die Frühschwimmerfamilie ein wichtiger Teil des Schwimmengehens. Mit der Pensionierung des alten Badmeisters hofft Dürr, dass die Möglichkeit zum Frühschwimmen bestehen bleibt. Sie sagt:

«Es funktioniert seit 30 Jahren, also sollte das auch in Zukunft klappen.»

Familiäre Atmosphäre

Trotz Verletzung kommt Arthur Dürr an diesem Tag in die Badi.

Trotz Verletzung kommt Arthur Dürr an diesem Tag in die Badi.

Bild: Elia Fagetti

Auch der Mann von Ursula Dürr, Arthur, kommt gerne in die Badi. Der ehemalige Verwaltungsrat der Dorfkorporation Wattwil ist momentan am Arm verletzt, deswegen schwimme er heute nicht. Trotzdem schaut er vorbei. «Die Atmosphäre ist wie in einer Dorfkneipe. Man kennt sich und redet auch gerne miteinander.» Im Coronajahr war er etwas weniger in der Badi als sonst. Er sagt:

«Diese Saison war ich schon über 50-mal in der Badi, normalerweise bin ich etwa 120-mal pro Saison hier.»

Wenn die Verletzung nicht wäre, wäre Arthur Dürr schon längst im Wasser. Und das bei jedem Wetter. Sich fit halten ist ein wichtiger Grund für das Schwimmen. Doch auch für Dürr ist die Gesundheit wichtig. «Das Schwimmen fördert die Durchblutung und stärkt das Immunsystem.» Seine Frau habe an zu geringer Durchblutung in den Händen gelitten. Seit sie schwimme, sei es kein Problem mehr.

Peter Räbsamen freut sich neben dem Schwimmen auch darauf, seine Freunde zu treffen.

Peter Räbsamen freut sich neben dem Schwimmen auch darauf, seine Freunde zu treffen.

Bild: Elia Fagetti

Für Peter Räbsamen steht der sportliche Aspekt im Vordergrund – und der soziale.

«Hier kann ich meine Freunde treffen und wir haben einen Badmeister, der auf fast alle Wünsche eingeht.»

Badmeister Ratkovic habe zu ihm gesagt: Wenn er schon um sieben Uhr schwimmen wolle, dann sei er da und würde die Badi aufschliessen.

Der neue Badmeister Marco Baumgartner (links) und sein Vorgänger Vuko Ratkovic.

Der neue Badmeister Marco Baumgartner (links) und sein Vorgänger Vuko Ratkovic.

Bild: Elia Fagetti

Apropos Badmeister: Nach der Pensionierung von Vuko Ratkovic bekommt die Badi Wattwil nächstes Jahr einen Nachfolger, der lange Jahre Erfahrung im Wiler Bergholz sammeln konnte. Marco Baumgartner freut sich auf neue Herausforderungen und spürt beim Einarbeiten jetzt schon die Atmosphäre in der Badi.