Kadaver zu wenig tief verscharrt

Früher wurden geschlachtete Tiere, deren Fleisch nicht für den Verzehr durch den Menschen geeignet war, in der Erde verscharrt. Offenbar nicht immer tief genug, denn Füchse gruben einst in Dietfurt einige dieser Kadaver aus und frassen davon.

Martin Knoepfel
Drucken
Teilen
Füchse - hier zwei Tiere aus dem St.Galler Wildpark Peter und Paul - taten sich einst in Dietfurt an Schlachtabfällen gütlich. (Bild: Michel Canonica)

Füchse - hier zwei Tiere aus dem St.Galler Wildpark Peter und Paul - taten sich einst in Dietfurt an Schlachtabfällen gütlich. (Bild: Michel Canonica)

In den ersten Jahren machten die Schadenfälle nur rund zwei Prozent des versicherten Viehbestandes aus. Offenbar mussten andere Versicherungen fünf bis sechs Prozent hinnehmen. In den frühen 1930er-Jahren stieg die Zahl der Notschlachtungen aber während mehrerer Jahre auf dieses Niveau. In den 1920er- und in den 1990er-Jahren waren die Schlachtviehpreise sehr tief. Alte Kühe wurden nicht mehr verkauft, bis sie notgeschlachtet werden mussten.

Zeitweise war es schwierig, unter den Mitgliedern der Versicherung das essbare Fleisch geschlachteter Tiere, das «Assekuranzfleisch», abzusetzen. Allerdings gab es laut den Protokollen der Versicherung immer wieder Reklamationen, dass Assekuranzfleisch viele Knochen enthalte. Auch die Zahlungsmoral der Mitglieder liess zu wünschen übrig. Ungeniessbares Fleisch wurde ihnen belastet.

Kuriose Fälle in den Protokollen gefunden

In den Protokollen der Versicherung finden sich kuriose Fälle. «Bemerkenswert ist ein Vorfall im Jahr 1948, bei dem der herbeigerufene Tierarzt das Fleisch einer verstorbenen Kuh als bedingt bankwürdig beurteilte, es aber der Vorsteherschaft der Viehversicherung überliess, ob das Tier verscharrt werden solle ... ‹Die Kommission nimmt eine Kostprobe und kommt ohne Bauchweh davon.› Weshalb das Fleisch dann als Assekuranzfleisch ausgewogen wurde.»

Über Notschlachtungen wurde Buch geführt. Von 1911 bis 1950 gab es laut Emil Lehmann 650 Schlachtfälle, davon 170 wegen Viehtuberkolose (siehe Artikel rechts). Rund 100 Kühe wurden getötet, da sie Probleme mit dem Kalbern oder mit der Gebärmutter hatten. Ganz selten kam es offenbar vor, dass ein Rind oder eine Kuh starb, weil der Tierarzt zu spät gerufen oder zuerst ein Quacksalber geholt worden war.

Krankheit erst beim Zerlegen bemerkt

Wenn ein Tier an Tuberkulose erkrankt war, merkte man das laut Emil Lehmann oft erst bei der Zerlegung. Das Fleisch solcher Tiere war nicht bankwürdig. Es wurde zurückgegeben, ohne die befallenen Körperteile, vor allem die Lunge. Damit war ein finanzieller Verlust für den Besitzer verbunden.

Probleme gab es zu Beginn mit dem Wasenplatz in einer ehemaligen Kiesgrube in einem Tobel am Abhang nach Dietfurt. Auf dem Wasenplatz wurden geschlachtete Tiere, deren Fleisch nicht mehr essbar war, verscharrt. Offenbar nicht immer tief genug, denn Füchse gruben einige der Kadaver aus und frassen davon.