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Josef Moser, der Chronist aus Bazenheid, weiss fast alles

Die Dorfkorporation Bazenheid gibt anlässlich ihres 60-jährigen Bestehens ein Buch heraus. Verfasst hat es der 70-jährige pensionierte Sekundarlehrer.
Beat Lanzendorfer
Josef Moser ist langjähriger Archivar in Bazenheid und vierfacher Buchautor. (Bild Urs Bucher)

Josef Moser ist langjähriger Archivar in Bazenheid und vierfacher Buchautor. (Bild Urs Bucher)

«Als soziales Wesen ist der Mensch auf Begegnungsstätten angewiesen.» So beginnt das Vorwort von Josef Moser zu «Gastliches Bazenheid, unsere Wirtshäuser – Träger der Dorfkultur». Entstanden ist das Buch nach über 30-jähriger Forschungstätigkeit in verschiedenen Archiven von Dorf, Gemeinde und Kanton.

Bei seinen Recherchen über Bazenheid nahm sich Josef Moser unter anderem der Geschichte der Wirts- und Gasthäuser des Dorfes an. Seine in fast vier Jahrzehnten entstandenen handschriftlichen Unterlagen sind nun zum Jubiläumsanlass der Dorfkorporation in Buchform zusammengefasst worden.

Von der Zechprellerei bis zur Polizeistunde

«Ich wollte die Dorfkultur anhand der Wirtshäuser darstellen», erklärt Josef Moser die Beweggründe, weshalb er ein 343 Seiten umfassendes Werk geschaffen hat. Er beschreibt darin in einem ersten Teil die Entwicklung des Bauern- und Heimarbeiterdorfes mit den dazugehörigen Tavernen und Pinten vor Beginn der Neuzeit.

Die Bücher und Broschüren, die aus der Feder des 70-jährigen Josef Moser stammen. (Bild: Urs Bucher)

Die Bücher und Broschüren, die aus der Feder des 70-jährigen Josef Moser stammen. (Bild: Urs Bucher)

Ein weiteres Kapitel beschäftigt sich mit der gesellschaftlichen Bedeutung der Wirtshäuser – früher und heute. Weitere Themen sind die Zechprellerei, Unregelmässigkeiten im Umgang mit Wein oder die nicht allzu lange zurückliegende Zeit der Polizeistunde. Letztendlich geht Josef Moser auf die noch bestehenden Wirtschaften ein, erklärt, wo früher ebenfalls Gasthäuser zur Einkehr einluden, heute aber nur noch das Haus auf die frühere Existenz hinweist.

Das Kapitel wird abgerundet mit Namen von Wirtschaften, deren einstiges Dasein längst einem Neubau zum Opfer gefallen ist. Namen wie Café Bösch, Schwarzer Adler, Alter Schweizerbund, Neuer Schweizerbund, Schöntal, Sonnental oder die Weinschenke in Neuhaus dürften älteren Einwohnern noch vertraut sein.

Über 700 Quellenangaben sind entstanden

Josef Moser war es in hohem Mass ein Anliegen, Widersprüche in bestehenden Schriften aufzuzeigen und Geschriebenes in seinen Werken durch Quellen zu belegen. «Was im neusten Buch über die Dorfgeschichte niedergeschrieben ist, muss stimmen, deshalb ist jedes Kapital mit Quellenangaben versehen», sagt der Autor. Insgesamt seien so über ­ 700 Quellenangaben entstanden.

Zu den zehn Gewährsorten, von denen er Informationen bezog, zählen unter anderem das Klosterarchiv in Magdenau, das Stiftsarchiv, die Stiftsbibliothek sowie das Staatsarchiv, alle drei in St. Gallen, die Archive der politischen Gemeinde Kirchberg und der Dorfkorporation Bazenheid. Hinzu kommen weitere Informationsquellen politischer oder kirchlicher Körperschaften aber auch das Toggenburger Tagblatt und die ehemalige Zeitung Alttoggenburger.

Zahlen und Ereignisse im Kopf abgespeichert

Nebst seines neusten Werks tragen die Bücher «Dorfkorporation Bazenheid 1959 bis 2009», «Bazenheid, unsere Brunnen und Wegkreuze», sowie die «Firmen- und Familiengeschichte Scherrer/Holenstein» (Konzept, Redaktion 1. bis 3. Generation) die Handschrift von Josef Moser.

Hinzu gesellen sich weitere Schriften und gut 30 kulturhistorische Aufsätze über das Dorf, grösstenteils veröffentlicht in der regionalen Presse. Darüber hinaus stellt sich der 70-Jährige seit Jahrzehnten als Dorfarchivar zur Verfügung. In dieser Funktion zählt das im Jahre 2016 von der Dorfkorporation Bazenheid erstellte neue Archiv in den Räumlichkeiten des Mehrzweckgebäudes zu seinen grossen Leidenschaften.

Der Chronist führt bei Bedarf auch Dorfrundgänge durch. Letztere sind für Teilnehmende jeweils ein Ereignis der besonderen Art. Josef Moser hat die Gabe, sämtliche Jahreszahlen von Ereignissen in seinem Kopf abzuspeichern und bei Bedarf innert Sekunden abrufen zu können– auch von Geschehnissen, die Jahrhunderte zurückliegen.

Geschichte ist seit der Kindheit seine Leidenschaft

Die Geschichte hat es dem pensionierten Sekundarlehrer, der seit 1982 mit Ehefrau Judith in Bazenheid wohnt, schon seit seiner frühesten Kindheit angetan. Auslöser war der Besuch des Schlosses Oberberg oberhalb von Gossau, wo er aufgewachsen ist.

Die Eindrücke dort waren derart tief greifend, dass er mit seinem ersten Geld, das er als Ausläufer eines Gossauer Blumenladens verdiente, das von Paul Holenstein verfasste Buch «Gossau im Fürstenland – Wanderungen nah und fern» erstand. Später kam die «Geschichte von Gossau», Autor Paul Staerkle, sowie «Die Geschichte der Pfarrgemeinde Gossau» hinzu, welche von Pfarrer Theodor Ruggle im Jahre 1878 niedergeschrieben wurde. «Obwohl ich die Schule bis zur zweiten Sekundarklasse als Diebstahl an meiner Freizeit betrachtete, war mein Interesse an der Geschichte nun definitiv geweckt», erklärt Moser lachend.

Die Familiengeschichte der Mosers von Niederhelfenschwil mit zugehöriger Ahnen- und Stammtafel ist ein weiteres Projekt seines Schaffens. Weil das Archiv der Dorfkorporation noch unzählige unbeschriftete Fotos und Dokumente enthält, dürfte Josef Moser die Arbeit in den kommenden Jahren kaum ausgehen.

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