Interview
Jörg Abderhalden gehört auch abseits des Sägemehlrings zu den Gewinnern

Der 40-jährige, dreifache Schwingerkönig ist seit Sonntag Ehrenmitglied beim St.Galler Schwingerverband.

Beat Lanzendorfer
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Die neuen Ehrenmitglieder des St. Galler Schwingerverbandes zwischen den Ehrendamen: Jörg Abderhalden, Othmar Schmucki und Ruedi Studerus (von links). (Bild: Beat Lanzendorfer)

Die neuen Ehrenmitglieder des St. Galler Schwingerverbandes zwischen den Ehrendamen: Jörg Abderhalden, Othmar Schmucki und Ruedi Studerus (von links).
(Bild: Beat Lanzendorfer)

Dreifacher Schwingerkönig, Unspunnen-Sieger, Triumphator beim Kilchberg Schwinget: Der Nesslauer Jörg Abderhalden gilt als bester Schwinger aller Zeiten und hat als Erster den sogenannten «Grand-Slam der Schwinger» gewonnen. Seine Laufbahn als Funktionär begann beim Schwingclub Wattwil und Umgebung und führte via Toggenburger zum kantonalen Schwingerverband. Nun trat er am Sonntag anlässlich der Delegiertenversammlung des St.Galler kantonalen Schwingerverbandes in Tübach als Technischer Leiter zurück und wurde sogleich in den Stand der Ehrenmitglieder erhoben. Er erklärt die Gründe seines Rücktritts.

Jörg Abderhalden. (Bild: Beat Lanzendorfer)

Jörg Abderhalden. (Bild: Beat Lanzendorfer)

Weshalb treten Sie als Technischer Leiter beim St.Galler Schwingerverband zurück?

Jörg Abderhalden: Auch ich habe nicht mehr als 24 Stunden im Tag zur Verfügung. Mit einem eigenen Geschäft, das mittlerweile auf 24 Angestellte angewachsen ist, dem «Samschtig-Jass», den ich nebenbei mache, und meiner Vorstandstätigkeit beim Ostschweizer Skiverband bin ich eigentlich mehr als ausgelastet. Dies hat in mir den Entschluss reifen lassen, irgendwo kürzerzutreten. Ich möchte nun meiner Familie mehr Zeit schenken, die in den letzten Jahren etwas zu kurz gekommen ist.

Ich möchte nun meiner Familie mehr Zeit schenken, die in den letzten Jahren etwas zu kurz gekommen ist.

Sie sind im Ostschweizer Skiverband tätig?

Ja, ich habe beim Ostschweizer Skiverband eine Vorstandstätigkeit übernommen, weil meine Kinder halt nicht schwingen, sondern Ski fahren.

Was bedeutet Ihnen die Auszeichnung «Ehrenmitglied» des kantonalen Schwingerverbandes?

Es ist eine grosse Wertschätzung für die Leistung, die man als Funktionär erbracht hat, aber auch für das, was ich als Schwinger erreicht habe. Die Auszeichnung macht mich sehr stolz.

Schwinger beginnen in der Regel mit einer Funktionärstätigkeit beim Heimclub und stellen sich anschliessend den Verbänden zur Verfügung. Demnach ist nach ihrer Tätigkeit beim St.Galler Kantonalen als Technischer Leiter jetzt Schluss. Oder ist der Nordostschweizer oder gar nationale Schwingerverband weiterhin ein Thema?

Ein Thema war es sicher einmal. Wegen meiner Familie und des Geschäfts musste ich jetzt aber die Reissleine ziehen, weil ich schlicht und einfach zu viel gemacht habe. Was mich aber besonders freut, wenn ich irgendwo aufhörte, konnte ich immer Leute nachnehmen, die absolut fähig für das Amt waren. Das ist jetzt auch beim kantonalen Schwingerverband wieder der Fall.

Drei Toggenburger: Jörg Abderhalden, zurückgetretener Technischer Leiter, sein Nachfolger Hans Trummer (rechts) sowie Martin Kurmann (Mitte), Präsident des St. Galler Schwingerverbandes. (Bild: Beat Lanzendorfer)

Drei Toggenburger: Jörg Abderhalden, zurückgetretener Technischer Leiter, sein Nachfolger Hans Trummer (rechts) sowie Martin Kurmann (Mitte), Präsident des St. Galler Schwingerverbandes. (Bild: Beat Lanzendorfer)

Auf den Schwingplätzen werden Sie aber nach wie vor anzutreffen sein?

Selbstverständlich. Schwingen wird immer ein Teil meines Lebens sein. Diese Leidenschaft pflege ich nach wie vor. Vielleicht sieht es in ein paar Jahren wieder ganz anders aus. Es ist auch nicht so, dass man als Ehrenmitglied keine Ämter mehr übernehmen darf. Für die Schwingerfamilie werde ich immer zur Verfügung stehen, wenn es die Zeit erlauben sollte.

Für die Schwingerfamilie werde ich immer zur Verfügung stehen, wenn es die Zeit erlauben sollte.

Rücktritte und Eidgenössisches

Der Gähwiler Kantonalpräsident Martin Kurmann hatte beim Traktandum Wahlen drei Rücktritte zu verkünden. Er selber stellte sich für ein weiteres Jahr zur Verfügung. Nebst Jörg Abderhalden, der als Technischer Leiter amtete, gaben Vizepräsident Jean-Claude Leuba und Kassier Ruedi Studerus ihren Abschied aus dem Vorstand bekannt.
Die Unterverbände schlugen der Versammlung drei Neue vor.

Für den Toggenburger Schwingerverband übernimmt der Kirchberger Hans Trummer das Amt des Technischen Leiters. Gleichzeitig ist er für den Nachwuchs zuständig. Vom Rapperswiler Schwingerverband rücken Martin Glaus und vom Schwingerverband der Stadt St. Gallen Andy Scheiwiller in das Führungsgremium.

Nebst den Ehrungen waren auch zukünftige Feste ein Thema. Das nächste Kantonale findet im Mai 2020 in Kaltbrunn statt. Den Zuschlag für das Kantonalschwingfest 2021 erhielt Wil. Ein OK unter der Leitung von Martin Senn war eigens nach Tübach gereist.

Den 181 Delegierten wurde am Sonntag auch ein Flyer abgegeben, auf dem näher auf die Kandidatur des Eidgenössischen Schwing- und Älplerfestes 2025 in St. Gallen eingegangen wird.

Es soll im Westen der Stadt auf einer Fläche von 60 Hektar stattfinden. Die Kantonshauptstadt befindet sich im Wettstreit mit dem glarnerischen Mollis. Die Entscheidung, wer den Grossanlass in weniger als sechs Jahren organisieren darf, fällt im April 2021. (bl)