Jörg Abderhalden: Der König wird Richter

Der Name Jörg Abderhalden ist eng mit dem Schwingsport verbunden. Ab diesem Samstag kommt das Jassen dazu, denn der Schwingerkönig wird künftig als Schiedsrichter beim «Samschtig-Jass» des Schweizer Fernsehens im Einsatz sein.

Adi Lippuner
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Der neue «Samschtig-Jass»-Schiedsrichter Jörg Abderhalden (links) und Moderator Reto Scherrer. (Bild: Oscar Alessio/SRF)

Der neue «Samschtig-Jass»-Schiedsrichter Jörg Abderhalden (links) und Moderator Reto Scherrer. (Bild: Oscar Alessio/SRF)

Familienmensch, Geschäftsmann, aktiv im kantonalen Schwingerverband und als Experte bei Schwingfesten für das Schweizer Fernsehen (SFR) – der dreifache Schwingerkönig aus dem Toggenburg hat eine volle Agenda. Mit dem Engagement als Schiedsrichter beim «Samschtig-Jass» von SRF kommt eine weitere Aufgabe dazu. Jörg Abderhalden:

«Jassen ist eine gute Gelegenheit, sich miteinander spielerisch zu unterhalten statt mit dem Handy zu spielen.»

Begonnen hat seine Schiedsrichter-Karriere spielerisch: «Bei der Verabschiedung von Ernst Marti als Schiedsrichter sprang Jörg Abderhalden bei der Sendung für ihn ein, damit dieser eine Runde mitjassen konnte. Als Spass meinte der Schwingerkönig bei der Verabschiedung: «Falls ihr mal Bedarf habt, könnt ihr mich wieder fragen. Und siehe da, vor einiger Zeit erhielt ich die Anfrage, ob ich die Aufgabe übernehmen will.»

Volle Konzentration am Jasstisch

Die ersten Aufnahmen mit Schiedsrichter Jörg Abderhalden sind gemacht. Seine Erfahrung: «Ich muss sehr konzentriert sein, da alles in kürzester Zeit auf Papier und auf der Tafel notiert werden muss. Die Punkte wollen zusammengezählt sein, denn wenn die Runde fertig ist, muss der Schiedsrichter bereit sein. Doch das Ganze macht viel Freude und ist eine angenehme Abwechslung zu meinen Aufgaben als Unternehmer der AAK Holzmanufaktur AG.» Zum Thema Lampenfieber meint Jörg Abderhalden:

«Es ist sicher ein Vorteil für mich, dass ich die Situation mit den Kameras schon vom Sport her kenne und mich davon nicht aus der Ruhe bringen lasse.»

Jassen hat bei der Familie Abderhalden einen hohen Stellenwert. «Ich durfte dies von klein auf lernen, und auch heute klopfen wir innerhalb der Familie und mit unseren drei Kindern regelmässig einen Jass. Vor allem im Winter und an Feiertagen stehen Jassrunden auf dem Programm.» Und zu möglichen Parallelen von Schwingen und Jassen sagt Abderhalden: «Beides sind Traditionen in der Schweiz. Für mich gibt es aber durchaus noch andere Parallelen. Auch beim Schwingen läuft vieles im Kopf ab, man muss Züge im Voraus erkennen, um zu reagieren. Wie beim Schwingen braucht man nicht nur eine Eigenschaft, um erfolgreich zu sein.»

Traditionelle Kleidung

Aufgewachsen ist Jörg Abderhalden auf einem Bauernbetrieb in Alt St. Johann-Starkenbach mit fünf Geschwistern. «Wir durften eine schöne Kindheit geniessen, und zusammen mit meinem elf Monate älteren Bruder fiel uns auch so einiges ein, was wir zusammen anstellen konnten.» Für die Kinder und Jugendlichen hiess es aber auch, bei den anfallenden Arbeiten helfen. «Die Eltern unterstützten uns dafür bei unseren Hobbys. Sie fuhren uns an Anlässe wie Buebeschwingen und Skirennen. Im Winter verbrachten wir die Freizeit gerne am Ruestelhang auf den Ski, waren in der JO oder genossen den Wintersport zusammen mit unseren Nachbarn.» Zu den Traditionen wie der Tracht und dem Edelweisshemd war zu hören:

«Das Edelweisshemd war während meiner Zeit als aktiver Schwinger Teil meiner Wettkampf­bekleidung, und die Tracht wird bei einem Kranzgewinn getragen. Deshalb habe ich mich auch immer gefreut, wenn ich diese anziehen konnte.»

Heute geniesst Jörg Abderhalden landesweit einen «Promi»-Status, denn als dreifacher Schwingerkönig und Schweizer des Jahres 2007 ist er weit über die Region hinaus bekannt. Mit dem Engagement als Schiedsrichter werden ihn inskünftig auch alle Jassfans erkennen. Wie geht er damit um? «Es gibt Regionen in der Schweiz, da werde ich deutlich mehr erkannt als in anderen. Im Toggenburg bin ich einfach der Jörg Abderhalden, da werde ich – so jedenfalls meine Feststellung – als ganz normaler Bürger wahrgenommen.» Geht es ums Geschäftsleben dient der Promistatus vielleicht im ersten Moment als Türöffner. Am Schluss müssen aber die Arbeit, der Preis und die Qualität stimmen, damit wir als Schreinerei einen Auftrag erhalten.»

Musik als Diskussionsstoff

Die Familie hat für Jörg Abderhalden einen hohen Stellenwert. Gemeinsame Unternehmungen, sei es beim Skifahren, Wandern oder gemütlichen Beisammensein, sind ihm wichtig. Sein vielseitiger Musikgeschmack, – «ich mag alles, ausser Techno» – bildet für den Familienvater auch Diskussionsstoff mit den eigenen Kindern. Bleibt noch die Frage zur Bedeutung des Begriffs Toggenburger Heimat. «Das Toggenburg bedeutet mir sehr viel. Ich habe hier meine Wurzeln, bin froh, mit meiner Familie hier zu leben, geniesse die Natur und die vielfältigen Möglichkeiten, welche uns hier geboten werden. Zudem ist es nach jedem Engagement einfach schön, wieder nach Hause zu kommen.»

Schwinger, Geschäftsführer, König und Schiedsrichter

Jörg Abderhalden ist am 28. August 1979 geboren und in Alt St. Johann-Starkenbach aufgewachsen. Er ist mit Andrea verheiratet und hat drei Kinder: Lynn (2003), Terry (2006) und Jill (2009). Er ist gelernter Schreiner mit Berufsmatur und Meisterprüfung, Geschäftsführer, Mitinhaber und Verwaltungsrat der AAK Holzmanufaktur AG in Wattwil; Sportlich glänzte er als Schwingerkönig in den Jahren 1998, 2004 und 2007. Im Jahr 2010 ist er als aktiver Schwinger zurückgetreten. Abderhalden wurde 2007 vom Schweizer Fernseh­publikum als Schweizer des Jahres erkoren.
Ab Samstag, 25. August, wirkt er als Schiedsrichter in der Sendung «Samschtig-Jass» von Schweizer Fernsehen SRF. (adi)