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Interview

Baumwipfelpfad Neckertal – ein Jahr nach der Eröffnung: «Jetzt stehen wir vor der Bewährung»

Der neue Verwaltungsratspräsident der Genossenschaft Baumwipfelpfad Neckertal, Christoph Meier, und die neu ernannte Geschäftsleiterin Melanie Anon, von ihren Plänen, um den Erfolg des Baumwipfelpfads auch im zweiten Jahr fortführen zu können.
Urs M. Hemm
Geschäftsleiterin Melanie Anon und Verwaltungsratspräsident Christoph Meier sehen auf den Baumwipfelpfad Neckertal wohl Herausforderungen zukommen, sind aber überzeugt, ihn in eine gute Zukunft führen zu können. (Bild: Urs M. Hemm)

Geschäftsleiterin Melanie Anon und Verwaltungsratspräsident Christoph Meier sehen auf den Baumwipfelpfad Neckertal wohl Herausforderungen zukommen, sind aber überzeugt, ihn in eine gute Zukunft führen zu können. (Bild: Urs M. Hemm)

Nach einem erfolgreichen ersten Jahr sind gleichzeitig vier Verwaltungsräte der Genossenschaft Baumwipfelpfad Neckertal an der Delegiertenversammlung im letzten April zurückgetreten − inklusive deren Präsident. Zudem musste eine neue Geschäftsleitung bestimmt werden. Christoph Meier wird an der Spitze des Verwaltungsrates künftig vermehrt die Fäden für die strategische Ausrichtung des Baumwipfelpfades ziehen, während Geschäftsleiterin Melanie Anon sich um die operativen Belange kümmert.

Christoph Meier, in den vergangenen Wochen konnten Sie sich einen Überblick über die Genossenschaft Baumwipfelpfad Neckertal machen. Welchen Eindruck haben Sie bekommen?

Christoph Meier: Was ich bisher gesehen habe, gefällt mir sehr gut. Insbesondere hat mich beeindruckt, wie man den Ansturm im vergangenen Jahr gemeistert hat, mit dem man ja in diesem Ausmass nicht gerechnet hatte. Es gibt sicherlich noch zahlreiche Themen, die wir jetzt angehen müssen. Das erste Jahr konnte erfolgreich abgeschlossen werden. Jetzt geht es darum, was wir in diesem, im nächsten und in drei Jahren machen.

Ihr Vorgänger Werner Ackermann sagte bei seiner Verabschiedung: «Die Aufbauarbeit ist getan, jetzt warten andere, neue Herausforderungen an einen Verwaltungsratspräsidenten.» Wo sehen Sie diese Herausforderungen?

Meier: Hier oben im Eingangsbereich müssen sicherlich einige Veränderungen gemacht werden, um der hohen Besucherzahl zu Spitzenzeiten gerecht zu werden. Zudem müssen wir uns überlegen, welche Anstrengungen wir im Bereich Marketing unternehmen müssen. Denn, der erste Hype des Neuen ist vorbei, jetzt stehen wir vor der Bewährung. Dabei wird die Herausforderung sein, einerseits neue Gäste gewinnen zu können, andererseits die Menschen dazu zu bewegen, uns auch ein zweites oder drittes Mal zu besuchen.

Zentral wird sein zu vermitteln, dass der Baumwipfelpfad zu allen Jahreszeiten spannend ist und neue Überraschungen bereithält.

Konnte das Parkplatzproblem in der Zwischenzeit gelöst werden?

Meier: Dazu ist zu sagen, dass sich das Problem auf ein paar wenige Tage im Jahr beschränkt. Dafür haben wir jetzt eine Lösung mit den zusätzlichen Parkplätzen in der Tennishalle gefunden. Zudem sind wir in ständigem Gespräch mit den Anwohnern, um Lösungen zu finden, die das ganze Verkehrsaufkommen für sie auf ein erträgliches Mass reduzieren. Das heisst konkret, dass wir noch mehr Besucher überzeugen müssen, mit dem öffentlichen Verkehr anzureisen.

Mit Werner Ackermann sind drei seiner Kollegen aus dem Verwaltungsrat zurückgetreten. Ist das für Sie ein Verlust an wertvollem Know-how oder eher eine Chance, frischen Wind in den Betrieb zu bringen?

Meier: Im Verwaltungsrat, wie er bisher bestanden hatte, waren Machertypen, die ihre Ideen in kürzester Zeit umgesetzt haben. Mit der Neubesetzung des Verwaltungsrates wurde nun, insbesondere mit Roland Stump, Know-how im Bereich Tourismus und Marketing dazu geholt. Die anderen Kollegen im Verwaltungsrat waren seit Anbeginn in der einen oder anderen Rolle an der Entstehung des Baumwipfelpfades beteiligt, so dass ich auch auf bewährtes Wissen zurückgreifen kann. Dennoch wird sich der Verwaltungsrat künftig vermehrt um die strategische und weniger um die operative Führung kümmern.

Was können Sie persönlich zum Erfolg des Baumwipfelpfades beitragen?

Meier: Wenn ich mich zu etwas bekenne, dann stehe ich zu hundert Prozent dahinter und setze mich entsprechend dafür ein. Zudem kann ich mich mit meinem betriebs- und finanzwirtschaftlichen Hintergrund einbringen.

Meine Hauptaufgabe wird es sein, der Geschäftsleitung den Weg freizuhalten, damit sie in Ruhe an der Front arbeiten kann, ohne irgendwelche Knüppel zwischen den Beinen oder Steine im Weg.

So werde ich mich hauptsächlich im Hintergrund bewegen, was mir persönlich entgegenkommt.

Melanie Anon, auch Sie haben erst vor kurzem die Position als Geschäftsleiterin übernommen. Wie haben Sie den Betrieb wahrgenommen?

Melanie Anon: Die Mischung aus administrativen und operativen Aufgaben reizt mich sehr und darüber konnte ich mir in den vergangenen Wochen einen guten Überblick verschaffen. Alles ist entsprechend den Möglichkeiten gut organisiert und die Abläufe sind so weit klar.

Wo sehen Sie im operativen Bereich Herausforderungen, die jetzt auf Sie zukommen?

Anon: Der Platz ist sicherlich ein Problem, das es zu lösen gilt. Da ist beispielsweise, dass wir nur eine Kasse haben, was bei einem grossen Besucherandrang zu Unannehmlichkeiten führt.

In den ersten acht Betriebsmonaten wurden bereits 100'000 Besucher gezählt. Ist damit die zumutbare Grenze für den Baumwipfelpfad erreicht?

Meier: 100'000 Besucher sind in der Tat viel. Man muss jedoch berücksichtigen, wie sich diese über das ganze Jahr verteilen, es kamen ja nicht alle gleichzeitig. Dazu profitierten wir im vergangenen Jahr zum einen vom guten Wetter, zum anderen von speziellen Aktionen unseres Hauptsponsors, der St.Galler Kantonalbank. Zudem stellt sich die Frage nach der erreichten Grenze nicht in Bezug auf die Jahreszahlen, sondern viel mehr nach den Zahlen an den Spitzentagen.

Wo stehen die Besucherzahlen für das laufende Jahr und wie sehen die Prognosen bis zum Jahresende aus?

Meier: Die 100'000er-Marke werden wir vermutlich nicht erreichen, aber wir sind auf dem besten Weg, ein gutes Resultat zu erzielen. Zufrieden sind wir vor allem mit den Gruppenanfragen, die uns eine gewisse Auslastung garantieren. Denn Gruppen kommen in der Regel auch bei schlechtem Wetter, da sich beispielsweise Vereinsausflüge nur schwer kurzfristig verschieben lassen. Aktuell stehen wir bei etwas über 30'000 Besuchern und rechnen bis zum Jahresende mit rund 60'000.

Ursprünglich war geplant, den Baumwipfelpfad regelmässig mit neuen Elementen zu ergänzen. Gibt es diesbezüglich bereits Ideen?

Meier: Ich muss vorausschicken, dass der Pfad zwar bereits bezahlt ist. Dennoch müssen jedes Jahr Rücklagen geschaffen werden, um die Instandhaltung und irgendwann auch sicherlich die Erneuerung von Teilen des Baumwipfelpfades sicherstellen zu können. Darüber hinaus machen wir uns natürlich Gedanken darüber, wie wir den Baumwipfelpfad und die Angebote darum herum attraktiver gestalten können. Es ist aber eine Gratwanderung. Denn wir sind mitten in der Natur und wollen keinen Vergnügungspark aufbauen. Insofern müssen wir uns genau überlegen, was wir tun wollen. Verbesserungen und Ergänzungen, insbesondere ein grösserer Aufenthaltsraum bei Regen, sind aber immer ein Thema.

Wurde dabei auch schon an einen Ausbau des Gastronomieangebots gedacht?

Anon: Das Angebot wird vorläufig so bleiben, wie es ist. Denn wir wollen die Restaurants im Dorf nicht konkurrenzieren. Viel mehr wollen wir mit den Restaurants zusammenarbeiten.

Dennoch sollen die Besucher hier die Möglichkeit haben, sich in einer beschränkten Form zu verpflegen. Das soll auch beinhalten, dass man Würste für den Grill bei uns kaufen kann, wenn sich jemand spontan dazu entscheidet, hier zu grillieren.

Wichtig ist uns, dass alles, was es bei uns zu kaufen gibt, von regionalen Anbietern ist.

Welche Rolle spielt die geplante Wiedernutzung des Resorthotels Mogelsberg durch die Freizeit und Touristik Neckertal AG?

Meier: Einerseits spielt das aus der Betrachtung des Baumwipfelpfads keine Rolle, da die zwei Betriebe vollkommen unabhängig voneinander operieren. Andererseits erhoffen wir uns mit den Betreibern des Hotels eine gute Zusammenarbeit.

So könnte ich mir vorstellen, dass die Teilnehmer eines Seminars einen Rundgang über den Baumwipfelpfad machen und nachher hier oben einen Grillplausch veranstalten.

Vielleicht wäre auch im Bereich Vermarktung eine Zusammenarbeit denkbar und sinnvoll. Gesprochen darüber wurde freilich noch nicht, da alles noch in weiter Ferne scheint.

Welche langfristigen Ziele verfolgen Sie mit dem Baumwipfelpfad?

Meier: Langfristig erhoffe ich mir, dass der Baumwipfelpfad in der Schweiz einen gleichen Bekanntheitsgrad erreicht, wie andere vergleichbare Attraktionen. Wir zielen jedoch auch auf ausländische Touristen ab. Denn die Distanzen von anderen Destinationen wie St. Gallen und Zürich sind kurz. Bis es aber so weit ist, müssen noch einige Hürden im Bereich regionenübergreifende Vermarktung überwunden werden.

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