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Jetzt ist das Volk beim Campus Wattwil am Zug

Der Kantonsrat hiess gestern Donnerstagnachmittag den Kredit für den Campus Wattwil mit über 100 Ja-Stimmen gut. Damit hat die Vorlage die Hürde von 61 Stimmen, die bei Schlussabstimmungen gilt, locker überwunden.
Martin Knoepfel
Die Gebäude der Kantonsschule in Wattwil sind möglicherweise schutzwürdig. Sicher sind sie aber sanierungsbedürftig, was sich zum Beispiel im Innern zeigt. (Bild: Olivia Hug)

Die Gebäude der Kantonsschule in Wattwil sind möglicherweise schutzwürdig. Sicher sind sie aber sanierungsbedürftig, was sich zum Beispiel im Innern zeigt. (Bild: Olivia Hug)

Die Aufmerksamkeit im Kantonsrat galt gestern Donnerstag der Klima-Debatte. Fürs Toggenburg gleich wichtig war allerdings die Schlussabstimmung über den Kredit für den Campus Wattwil.

Diese ging fürs Toggenburg günstig aus. Mit 101:7-Stimmen bei 2 Enthaltungen stimmte das Parlament dem Kreditantrag für den Bau des Campus Wattwil sehr klar zu. Das entspricht fast genau dem Abstimmungsergebnis der ersten Lesung in der April-Session.

Voten zu diesem Geschäft gab es gestern keine mehr. In der Schlussabstimmung braucht eine Kreditvorlage die absolute Mehrheit aller Kantonsräte. Das sind 61 Stimmen.

Heutige Gebäude sind zu klein und sanierungsbedürftig

Die Kantonsschule Wattwil ist sanierungsbedürftig. Die Eimer, die an verschiedenen Orten im Schulgebäude an der Decke aufgehängt werden müssen, sind nur die äusseren Zeichen. Sie hängen von den Decken, weil Wasser durchs Dach kommt und weil man das Leck noch nicht gefunden hat. Energetisch ist das nicht mehr zeitgemäss.

Nicht sichtbar ist, dass das Gebäude den heutigen Vorschriften bezüglich Erdbebensicherheit und Brandschutz nicht genügt. Zudem entspricht die Raumaufteilung nicht mehr den aktuellen Bedürfnissen des Schulbetriebs.

Ferner ist der in den 1960er-Jahren geplante Komplex trotz einer Erweiterung zu klein. Es braucht deshalb Provisorien, um den Raumbedarf zu decken.

Der erste Campus dieser Art im Kanton

All das, vom lecken Dach abgesehen, gilt auch für das rund zehn Jahre jüngere Berufs- und Weiterbildungszentrum Toggenburg (BWZT). Bei diesem ist der Mangel an Turnhallenkapazität akut. In einigen Jahren müssen zudem die Fassaden und Fenster erneuert werden. Das Provisorium fürs BWZT ist das ehemalige Sekundarschulhaus in Lichtensteig.

Das Gebäude des BWZT soll über der Aula aufgestockt werden. Der Regierungsrat will zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen und einen Campus in Wattwil bauen, den ersten dieser Art im Kanton St. Gallen. Im Campus werden verschiedene Infrastrukturen, zum Beispiel die Mensa, die Aula und die Sportanlagen, von der Kanti und vom BWZT gemeinsam genutzt, um Synergien zu schaffen.

Der Neubau entsteht auf dem Rietstein-Areal

Die Kantonsschule soll auf dem Rietstein-Areal einen Neubau erhalten. Die Rietstein-Halle bleibt erhalten, während die Aussensportplätze wegfallen.

Ersatz dafür bietet die neue Sportanlage Rietwis. Die Gemeinde Wattwil baut diese. Der Kredit wurde unter dem Vorbehalt der Realisierung des Campus bewilligt.

Der Kanton zahlt der Gemeinde Miete für die Sportanlage Rietwis

Tagsüber benutzen die Schülerinnen und Schüler der Kanti und des BWZT die Sportanlage Rietwis. Abends steht sie den Vereinen zur Verfügung. Die Gemeinde bezahlt zudem einen Fussgängersteg über die Thur als Verbindung zwischen dem BWZT und dem Neubau der Kantonsschule.

108 Millionen Franken soll das Projekt Campus Wattwil kosten. 73,5 Millionen Franken soll der Ersatz der Kanti Wattwil kosten. Der Rest entfällt auf die Sanierung und Erweiterung des BWZT.

Für die Nutzung der Sportanlage Rietwis zahlt der Kanton der Gemeinde Wattwil 375000 Franken Miete pro Jahr. Wegen der Höhe des Kredits ist eine Volksabstimmung obligatorisch. Sie soll Mitte November stattfinden.

Standort Wattwil schon vor Jahren bestätigt

Der Sanierungsbedarf beider Schulhäuser ist unbestritten. Kritik am Neubau der Kanti Wattwil kam von Politikern aus dem Linthgebiet. Sie forderten, man müsse die Kanti, wenn man sie schon neu baue, dort erstellen, wo zwei Drittel der Kantonsschüler herkommen. Das wäre im Linthgebiet. Der Regierungsrat hat allerdings schon vor Jahren den Standort Wattwil bestätigt.

Eine andere Forderung lautete, man solle einen zweiten Standort der Kanti Wattwil im Linthgebiet erstellen. Nach Ansicht des Regierungsrats wäre es jedoch unmöglich, das heutige breite Fächerangebot und die heutige Schulqualität mit einer Schule mit zwei Standorten aufrechtzuerhalten.

Komitee formiert sich für Volksabstimmung

Für die Volksabstimmung zum Campus vom Sonntag, 17. November, hat sich neu das Komitee «Ja zum Campus Wattwil» formiert. Neben allen Partei- und Fraktionspräsidenten der im Kantonsrat vertretenen Parteien gehört auch der Präsident der Standortgemeinde, des Vereins Bildungsstandort Toggenburg und des Vereins Campus Wattwil dem Komitee an.

Der Verein Campus Wattwil übernimmt die Kampagnenleitung zur Abstimmung. Das Komitee «Ja zum Campus Wattwil» zeigt sich erfreut über den Ausgang der Abstimmung im Kantonsrat. Dieses Projekt, das mit einer Berufs- und einer Kantonsschule Theorie und Praxis auf einem Campus vereint, wusste zu überzeugen: Die Zustimmung kam aus sämtlichen Fraktionen und auch aus allen Regionen des Kantons.

Regierung und Kantonsrat sind bereit, die für die Berufs- und gymnasiale Bildung der Region notwendigen Investitionen zu tätigen. Dass Sportinfrastruktur, Aula, Küche und weitere Anlagen gemeinsam genutzt werden können, spart laut Komitee nicht nur Kosten, sondern stellt auch einen Gewinn für die Bildungsqualität am Standort Wattwil dar.

Während die Gemeinde Wattwil dem Bau einer in die Gesamtplanung integrierten Sportanlage bereits klar zugestimmt hat, formierten sich die Unterstützer des Campus Wattwil im vor zwei Jahren gegründeten «Verein Campus Wattwil». Er wurde von Ivan Louis, Esther Meier und Ruben Schuler gegründet. Sie gehören alle zur ehemaligen Schülerschaft der Kanti in Wattwil.

Sämtliche Kantonsräte, Gemeinde- und Schulratpräsidenten der Region Toggenburg gehören dem Verein an. Das Komitee «Ja zum Campus Wattwil» zeigt sich zuversichtlich, dass es auch das St. Galler Stimmvolk überzeugen kann. (pd/lis) www.campus-ja.ch

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