«Jeder Landwirt ein Botschafter»: Der Bauernverein Toggenburg will Landwirte zu Social-Media-Experten machen

Die Referentin vom Schweizer Verband empfiehlt, die Arbeit der Bauernfamilien auf Instagram sichtbar zu machen.

Adi Lippuner
Drucken
Teilen
Bauern als Social-Media-Experten: Tierbilder bringen Aufmerksamkeit im Internet. Hansruedi Thoma, Präsident Toggenburger Bauernverein.
6 Bilder

Bauern als Social-Media-Experten: Tierbilder bringen Aufmerksamkeit im Internet. Hansruedi Thoma, Präsident Toggenburger Bauernverein.

Bilder: Urs Bucher, Andrea Stalder, Gian Ehrenzeller/KEY, Benjam

Auf Einladung des Bauernvereins Toggenburg hat Jasmin Vultier vom Schweizer Bauernverband nach der Hauptversammlung am Dienstagabend referiert. Ihr Thema lautete «Soziale Medien». Sie stellte gleich zu Beginn klar, dass sie aus den Toggenburger Bäuerinnen und Bauern gerne Social-Media-Experten machen würde.

«Gerade die junge Generation ist ständig online, will wissen, was gerade läuft, und auf diesen Kanälen werden sie erreicht.»

Facebook und Instagram seien gute Möglichkeiten, die Arbeit sichtbar zu machen und das Image des Bauernstandes zu pflegen. Allerdings war eine erste Umfrage bezüglich Aktivität der Anwesenden auf diesen Kanälen eher ernüchternd.

Sparen oder höhere Beiträge

Hansruedi Thoma, Präsident Toggenburger Bauernverein

Hansruedi Thoma, Präsident Toggenburger Bauernverein

Der vor einem Jahr neu gewählte Präsident, Hansruedi Thoma, führte erstmals durch die Hauptversammlung. In seinem Jahresbericht betonte er: «Wir alle sind Botschafter unseres Berufsstandes. Wir haben den interessantesten und abwechslungsreichsten Beruf und trotz Gegenwind schauen wir positiv in die Zukunft. Gerade im Toggenburg haben wir sauberes Trinkwasser, rund 20 Prozent unserer Betriebe produzieren nach biologischen Richtlinien, wir haben die besten Käser und vermarkten viel Fleisch regional. Es muss uns gelingen, diese Werte bei den Konsumenten besser verkaufen zu können.»
Die Jahresrechnung des Bauernvereins Toggenburg weist, bei Erträgen von 10'215 Franken einen Verlust von gut 2000 Franken aus. Das Vereinskapital beträgt per Ende 2019 noch knapp 27'000 Franken. Für den Vorstand ist klar, dass in Zukunft entweder bei den Ausgaben gespart, oder mit Blick auf die sinkenden Mitgliederzahlen, ein höherer Jahresbeitrag bezahlt werden muss.
Für das laufende Jahr wird weiterhin zehn Franken erhoben und auch das Essen an der Hauptversammlung ging zu Lasten der Vereinskasse. (adi)

Es folgten Erläuterungen, welche Kanäle der Schweizerische Bauernverband nutzt, wie die einzelnen Möglichkeiten ausgeschöpft werden und was die Zahlen neben den Beiträgen bedeuten. Staunen löste die Referentin aus mit der Aussage, dass die Zielgruppen genau definiert werden können. «Wir stellen uns drei Personen vor: Anina, die Sportliche, Susanne, die junge Mutter, und Alain, einen an Fakten interessierten Mann. Entsprechend unseren Botschaften sorgen wir dafür, dass genau diese Zielgruppen erreicht werden.»

«Wenn wir Bilder von Kühen posten, werden diese häufig angeklickt und auch geteilt.»

Das sagt Jasmin Vultier. So genau sei nicht klar weshalb, «aber wir durften dies in der Vergangenheit immer wieder feststellen. Dies bedeutet, dass möglichst viele Bauernfamilien ihre Tierbilder und ihre persönlichen Erfahrungen, sei es im Stall oder auf der Weide, sichtbar machen sollten.» Allerdings habe sich das Verhalten der jüngeren Generation verändert, sie sind weniger auf Facebook, dafür mehr auf Instagram unterwegs. Als Grund wird angegeben, dass Junge eher Bilder anschauen und nicht lesen wollen.

Bauernfamilien gesucht, die ihren Alltag zeigen wollen

Gerade emotionale Bilder, aber auch Aufklärung zu aktuellen Themen können über die sozialen Medien viel Aufmerksamkeit bringen. Die Referentin ermunterte deshalb die Anwesenden, diese Kanäle vermehrt zu nutzen, und betonte, dass für das laufende Jahr 20 Bauernfamilien, eine davon möglichst aus dem Toggenburg, gesucht werden, die ihren Alltag einer breiten Öffentlichkeit zeigen wollen.

Beim persönlichen Austausch wurden, im Anschluss an die Versammlung, Möglichkeiten zum Mittun erläutert und besprochen.