Seit dem ersten Festival ist Geni Scherrer für das Musikprogramm an den Jazztagen Lichtensteig verantwortlich

Geni Scherrer ist schon seit jungen Jahren ein Jazzfan. Er war Mitbegründer des Jazzclubs und der Jazztage Lichtensteig. Der Music Director der ersten Stunde sagt: «Alles ist Jazz.»

Sabine Camedda
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Zum 31. Mal fungiert Geni Scherrer als Music Director an den Jazztagen in Lichtensteig. (Bild: Sascha Erni)

Zum 31. Mal fungiert Geni Scherrer als Music Director an den Jazztagen in Lichtensteig. (Bild: Sascha Erni)

Wenn am Freitagabend um 23.30 Uhr Wolfgang Niedecken von BAP die ersten Töne singt, steht Geni Scherrer im Publikum vor der Hauptbühne und geniesst. «Es freut mich sehr, dass es mit einem Auftritt dieser Band an den Jazztagen in Lichtensteig geklappt hat», sagt der Music Director. Schon etliche Male wollte er die Deutschen engagieren, doch bisher passte es nie mit den Tourneedaten.

Der Abstecher von Niedeckens BAP ins Toggenburg bringt aber einen logistischen Aufwand mit sich. «Weil sie derzeit auf Tournee sind, bringen sie ihr Equipment auf einem grossen Lastwagen mit. Dazu kommt noch ein grosser Bus. Alles müssen wir während zweier Tage irgendwo in Lichtensteig parkieren, wo es eh schon wenig Platz hat», beschreibt Geni Scherrer zusätzliche Herausforderungen. Dass dies schliesslich aber klappen wird, steht für ihn ausser Frage.

Hinter dem Programm steht ein grosses Beziehungsnetz

Zum 31. Mal ist Geni Scherrer für das Musikprogramm der Jazztage Lichtensteig zuständig. In dieser langen Zeit hat er einiges erlebt, war mit vielen bekannten und weniger bekannten Musikern und deren Managern in Kontakt. Dabei war er am Anfang ein Greenhorn. «Ich höre gerne Musik, besuchte Jazzlokale in der Umgebung und zusammen mit Herbert Risch kam die Idee auf, in Lichtensteig einen Jazzclub zu gründen und Jazztage durchzuführen», erzählt er. Bei der Organisation der Jazztage fiel ihm das Ressort Musik zu. Die Begründung der anderen:

«Du chunnsch drus.»

Für diese ersten Jazztage habe er herumtelefoniert und Musiker gesucht. «Das ist aber nicht vergleichbar mit heute. Damals hatten wir weniger Formationen und auch weniger Bühnen als heute», erzählt Geni Scherrer. Inzwischen hat er sich ein grosses Beziehungsnetz aufgebaut. Stephan Holstein und Frank Roberscheuten beispielsweise sind seit Jahrzehnten treue und sichere Werte im Programm, spielen an allen Jazztagen in Lichtensteig. «Sie fragen meistens frühzeitig nach dem Datum und reservieren es. Erst später sagen sie mir, mit welchem Projekt und mit welchen Musikern sie nach Lichtensteig kommen werden», sagt Geni Scherrer.

Urgesteine der Jazztage: Daniel Blatter, Geni Scherrer und Lukas Weber (von links). (Bild: Sascha Erni)

Urgesteine der Jazztage: Daniel Blatter, Geni Scherrer und Lukas Weber (von links). (Bild: Sascha Erni)

Auch mit dem Nesslauer Willi Valotti hat er schon mehrere Jazztage-Projekte erfolgreich durchgeführt. «Er ist ein experimenteller Volksmusiker, der gerne auch andere Stilrichtungen in seine Musik einfliessen lässt.» Im Lauf der Jahre ist das Musikprogramm breiter geworden. Für Geni Scherrer passt das nach wie vor unter das Label Jazztage. Zum einen sei der Jazz sehr vielfältig mit Blues, Dixie, New Orleans, Zydeco und vielem mehr. Zum anderen hätten sich fast alle modernen Stilrichtungen aus dem Jazz entwickelt. Er fasst zusammen:

«So gesehen ist alles Jazz.»

Nicht zuletzt gebe es auch am Jazzfestival in Montreux weit mehr zu hören als Jazz.

Schmetterband spielte ohne Polo Hofer

Für das Engagement der Headliner auf der Hauptbühne und im Elchzelt arbeitet der Music Director mit einer Künstleragentur zusammen. «Sie kam ins Spiel, als wir bei der kurzfristigen Absage von ‹Les Sauterelles› einen Ersatz brauchten», erzählt Geni Scherrer. Die Agentur weiss jeweils weit im Voraus, wer im August auf Tournee ist und gebucht werden kann. «Die Mitarbeiter der Agentur machen mir Vorschläge, aber letztlich entscheide ich», sagt er lachend und ergänzt sogleich: «Natürlich frage ich auch die anderen OK-Mitglieder um ihre Meinung.»

Apropos Absagen: In den vergangenen 31 Jahren hätten nur wenige Musiker abgesagt. Polo Hofer sei einmal krank gewesen, seine Schmetterband habe dann halt ohne ihn gespielt, erinnert sich Geni Scherrer. Auch der enge Zeitplan wird weitgehend eingehalten. «Einmal brauchte Mori Kante viel Zeit, um ein Instrument zu stimmen. Er war der letzte Act, darum fiel die Verzögerung nicht ins Gewicht. Aber das Publikum goutierte die lange Warterei nicht.»

Die letzten Wochen sind geprägt von der Detailarbeit

Mit dem Unterzeichnen der Verträge mit den Künstlern und dem Druck des Programms ist die Arbeit für Geni ­Scherrer aber noch nicht gemacht. Dann beginnt das, was er «Detailarbeit» nennt: Die Suche nach Unterkünften für die Musiker und deren Entourage, Verpflegung, Catering, Bandbetreuung, Backstageräume – die Liste der Anforderungen an die Organisatoren ist lang.

Nach dem Unterzeichnen der Verträge beginnt die Detailarbeit. (Bild: Sascha Erni)

Nach dem Unterzeichnen der Verträge beginnt die Detailarbeit. (Bild: Sascha Erni)

Einige Musiker seien überrascht von der Kompaktheit an den Jazztagen. Die Hauptgasse gibt vor, wie breit die Bühne ist. Mit den Ausmassen einer Bühne an manchen Open Airs ist das nicht zu vergleichen. «Da haben wir einige logistische Herausforderungen zu meistern. Aber es ist noch jedes Mal gegangen», beruhigt Geni Scherrer. Bedenken, die im Vorfeld der Auftritte geäussert wurden, hätten sich jeweils rasch relativiert. «Und zum Schluss waren alle happy.»

Zumindest ist es das, was Geni Scherrer von den Musikern hört. Die Stimmung im Städtli sei positiv und nicht wenige Künstler traten schon mehrmals in Lichtensteig auf. «Wenn es dem Publikum gefällt, dann ist es auch für mich als Programmgestalter ein gutes Zeichen und eine Bestätigung, dass ich es richtig gemacht habe», sagt Geni Scherrer.

Posten des Music Directors ist nicht nur ein Traumjob

Bei so viel Engagement von Seiten Geni Scherrers erstaunt es nicht, dass er bereits an die Jazztage Lichtensteig von 2020 denkt – bevor die Ausgabe 2019 über die Bühne gegangen ist. Namen kann und will er noch nicht sagen, zumal von vielen Künstlern noch nicht bekannt ist, ob und wann sie auf Tournee sind. Doch schnell kehren seine Gedanken zurück ans kommende Wochenende. «Für mich wie auch für alle vom OK ist es wichtig, dass alles reibungslos läuft, dass die Logistik klappt und dass es keine Unfälle gibt», betont er.

Knapp eine Woche vor den 31. Jazztagen fand das letzte Koordinationsmeeting des Organisationskomitees statt. (Bild: Sascha Erni)

Knapp eine Woche vor den 31. Jazztagen fand das letzte Koordinationsmeeting des Organisationskomitees statt. (Bild: Sascha Erni)

Ist der Posten des Music Directors der Jazztage Lichtensteig also ein Traumjob ohne Makel? Geni Scherrer winkt ab.

«Es gibt einen grossen Nachteil: Ich kann nie ein ganzes Konzert hören.»

Jederzeit könne sein Handy klingeln und ihn weg beordern, um ein Problem zu lösen. Er hofft, dass es wenigstens morgen am späten Abend still bleiben wird. Dann, wenn Wolfgang Niedecken und seine Band auf der Bühne in der Hauptgasse stehen und Geni Scherrers lang gehegten Traum erfüllen.