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Jahresrückblick September: Nach 15 Wochen Totalsperre fahren seit September wieder Züge ins Obertoggenburg

Lange fuhr kein Zug von Wattwil talaufwärts. Mitte September rollte die erste Bahn über die neuen Schienen.

Julia Engel
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Im Rahmen des Cluster Obertoggenburg bekam auch der Bahnhof Krummenau ein neues Gesicht.

Im Rahmen des Cluster Obertoggenburg bekam auch der Bahnhof Krummenau ein neues Gesicht.

Bild: Sabine Camedda

Der Fahrplan war sportlich: 15 Wochen gab sich die Schweizerische Südostbahn AG (SOB) für die Totalsperrung der Bahnstrecke im Rahmen des Projekts «Cluster Obertoggenburg». In dieser Zeitspanne sollten 22 Teilprojekte realisiert werden, darunter die Erneuerung des Ober- und des Unterbaus der Trasse zwischen Wattwil und Krummenau sowie der Fahrleitung zwischen Wattwil und Ebnat-Kappel.

Die SOB gab mehrere Gründe für die Sanierung der Bahnlinie ins Obertoggenburg an, die seit fast 110 Jahren in Betrieb ist. Die Triebwagen zwischen Wattwil und Ebnat-Kappel müssten mit Tempi von bis zu 140 Kilometern pro Stunde fahren können, um den Halbstundentakt zu ermöglichen. Dafür müsste die Trasse angepasst werden. Auch Bachdurchlässe müssten erneuert werden, weil sie den heutigen Vorschriften des Hochwasserschutzes nicht mehr genügten.

Brückenverschiebung war der Höhepunkt

Schon während des ganzen letzten Winters wurden Vorbereitungsarbeiten für die Sanierung vorgenommen. Am 3. Juni fuhr dann der letzte Zug vor der Totalsperrung der Bahnlinie zwischen Wattwil und Nesslau-Neu St.Johann. Die S2 ab St.Gallen verkehrte danach nur bis Wattwil. Besagte Sperre dauerte bis zum 16. September. Statt der Züge fuhren Autobusse von Wattwil ins Obertoggenburg. Die Reisezeit auf der betroffenen Strecke verlängerte sich entsprechend.

Höhepunkt der Arbeiten war die Verschiebung der neuen Thurbrücke in Ulisbach im Juli (siehe Jahresrückblick Juli). Die neue Brücke wurde neben der bestehenden gebaut und anschliessend um rund 15 Meter bis zu ihrem definitiven Standort verschoben. Mit einem Gewicht von fast 1200 Tonnen war die 46 Meter lange Brücke zu schwer für den Einsatz von Kranen.

Bahnhof Krummenau bekommt ein neues Gesicht

Nach den Bauarbeiten zeigt sich auch der Bahnhof Krummenau mit einem neuen Gesicht. Die Fahrbahn und die Publikumsanlagen seien dringend erneuerungsbedürftig und müssten an die Bestimmungen des Behindertengleichstellungsgesetzes angepasst werden, schrieb die SOB zum Grund der Arbeiten.

Da auch die Fahrleitung und die Elektronikanlagen nicht mehr dem Stand der Technik entsprochen haben, wurde die Haltestelle Krummenau rundum saniert. Am augenfälligsten dabei ist das Fehlen des Bahnhofgebäudes, welches komplett abgerissen wurde. Zudem führt nur noch ein Gleis durch die Haltestelle.

Der September in der Übersicht

  • Ebnat-Kappel Das Ballonglühen entpuppte sich einmal mehr als Publikumsmagnet der Ballontage. Damit die sieben Heissluftballone nicht davonflogen, wurden deren Körbe im Boden verankert und mit Passagieren beschwert.
  • Wolzenalp Nach dem Eidgenössischen feierten die Toggenburger Schwinger den Saisonabschluss auf der Wolzenalp, wo sich Daniel Bösch den Sieg erschwang. Der OK-Präsident Mathias Bleiker verabschiedete sich in diesem Jahr.
  • Mogelsberg Iris Aebli ist die neue Schweizermeisterin im Handmähen. Die 27-Jährige stammt aus Hemberg, wohnt aber mittlerweile in Mogelsberg.
  • Toggenburg Wie auf nationaler Ebene bereitete man sich auch im Toggenburg mit diversen Podien auf die Nationalrats- und Ständeratswahlen dieses Herbsts vor. So diskutierten beispielsweise die Ständeratskandidaten in Ebnat-Kappel.
  • Ennetbühl «Irischer» hätte das Wetter am 11. Irish Openair im Rietbad in Ennetbühl wohl kaum sein können. Doch auch der Regen und Matsch tat der Stimmung keinen Abbruch.
  • Bütschwil Gastgeber des diesjährigen kantonalen Jugendturnfests war Bütschwil. Der Anlass gilt als grösster Breitensportanlass für Jugendliche im Kanton St.Gallen.
  • Alt St.Johann Für die Sendung «SRF bi de Lüt – live aus Alt St.Johann» nahmen Kamerateams, Redaktoren und der Moderator Nik Hartmann den Weg ins obere Toggenburg auf sich.
  • Mosnang Das dritte Jahr in Folge organisierte die Läuferriege Mosnang den Schnebelhorn-Panoramatrail. Einen halben Marathon rannten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer.
  • Wildhaus Rund 1600 Wanderer nahmen an der Coop-Familienwanderung teil. Der Weg führte sie an den Schwendiseen vorbei.
  • Neckertal Die Gemeinde Neckertal wurde zehnjährig und feierte das Jubiläum mit einer Car-Tour durch die Gemeinde.
  • Ebnat-Kappel Peter Reber war zu Gast, erzählte von seinen Abenteuern und sang ein Lied für seine Enkelin.
  • Alt St.Johann Der Klang-Escape-Room konnte bereits nach 100 Tagen zahlreiche Besucherinnen und Besucher verzeichnen.
  • Ebnat-Kappel Bis das neue Pflegeheim Wier gebaut ist, wohnen die Pflegebedürftigen in einem Provisorium. Dafür wurden die Zimmer mit einem Kran aufeinandergestapelt.
  • Neu St.Johann Drei Biere der Brauerei St.Johann wurden mit dem Swiss Beer Award ausgezeichnet.
  • Wattwil Eine Projektgruppe der Kanti Wattwil schaffte im Rahmen Toggenburg Ein Thema zog sich sowohl durch den September als auch den Oktober und füllte mehrere Seiten dieser Zeitung: Im ganzen Toggenburg fanden rund 20 Viehschauen statt.



Wie geplant nahm die SOB am 16. September den Betrieb ins Obertoggenburg wieder fahrplanmässig auf. Der erste Zug auf der Strecke verliess den Bahnhof Wattwil um 5.35 Uhr am Morgen und fuhr nach Nesslau-Neu St.Johann.

Noch bis Ende Oktober wurden die nächtlichen Betriebspausen genutzt, um Fertigstellungsarbeiten vorzunehmen. Mitte November wurde während zwei Nächten das neue Gleis zum dritten Mal gestopft.

37 Millionen Franken investiert

Im gesamten Cluster verbaute die SOB rund 37 Millionen Franken. Die Sanierung der Fahrbahn macht den weitaus grössten Teil der Kosten aus. Rund ein Zehntel des Gesamtbetrags fällt auf die neue Thurbrücke. Bereits im Jahr 2016 hat die SOB in einem Cluster im Obertoggenburg fast 17 Millionen Franken in den öffentlichen Verkehr investiert.

Was im September sonst noch geschah