Serie
Jahresrückblick März: Eine «Wilde» erobert das Schulratspräsidium in Lütisburg

In Lütisburg weist die wilde Kandidatin Marianne Burger Studer ihren Kontrahenten deutlich in die Schranken.

Timon Kobelt
Drucken
Teilen
Marianne Burger Studer und ihr Mann Hans-Jörg Studer (links) freuen sich am Wahl-Apéro vor der Turnhalle in Lütisburg. Der unterlegene Werner Scherrer (hinten rechts) zeigt sich als fairer Verlierer.

Marianne Burger Studer und ihr Mann Hans-Jörg Studer (links) freuen sich am Wahl-Apéro vor der Turnhalle in Lütisburg. Der unterlegene Werner Scherrer (hinten rechts) zeigt sich als fairer Verlierer.

Bild: Timon Kobelt

Es war ein denkwürdiger Sturm einer wilden Kandidatin an die Schulspitze von Lütisburg. Marianne Burger Studer vereinte am 24. März 288 Stimmen auf sich und übertraf damit das absolute Mehr von 246 Stimmen deutlich. Ihr Kontrahent Werner Scherrer kam auf 197 Stimmen. Die Wahlbeteiligung lag bei 46,7 Prozent.

Im Vorfeld hatte für Spannung gesorgt, wie gut die Chancen für Marianne Burger Studer auf eine Wahl im ersten Wahlgang stehen, obwohl sie ihre Kandidatur später eingereicht hat als Werner Scherrer. Ausserdem stand ihr Name nicht auf dem Wahlzettel, da sie keine offizielle Kandidatin war.

«Vielleicht war es an der Zeit für eine Frau»

«Ich habe natürlich gehofft, dass es schon im ersten Wahlgang reichen würde», sagte Marianne Burger Studer rund zwei Stunden nach dem Bekanntwerden des Ergebnisses. Sie wäre aber auch guten Mutes in einen zweiten Wahlgang gezogen. Die heute 57-Jährige meinte:

«Meine beruflichen Qualitäten haben mir bei der Wahl wohl geholfen.»

Zu diesen Qualitäten zählen unter anderem, dass Marianne Burger Studer beim Amt für Volksschulen sowohl Lehrpersonen als auch Schulleitungen beraten hat. Ausserdem war sie selbst Lehrerin und Schulleiterin. Bei letzterem hat sie Projekterfahrung gesammelt, etwa im Bereich Schulhausneubauten.

«Vielleicht hat auch eine Mehrheit gedacht, dass es an der Zeit für eine Frau ist, dieses Amt zu bekleiden.»

Sie sei bis auf zwei Stunden am Sonntag im Vorfeld der Wahl überhaupt nicht nervös gewesen. «Doch während dieser zwei Stunden dafür umso mehr. Als ich wusste, dass die Urnen geschlossen sind, war es wieder besser», beschrieb Marianne Burger Studer ihre Gefühlslage. Sie habe «irrsinnig» Freude und danke der Bevölkerung von Lütisburg für das entgegengebrachte Vertrauen. Sie hoffe, dass auch diejenigen, die sie nicht gewählt hätten, mit der Zeit Vertrauen in sie gewinnen würden.

Zu Beginn stehe für sie im Vordergrund, den Schul- und Gemeinderat sowie die Lehrkräfte kennen zu lernen.

«Zu diesem Zweck werde ich zunächst viel zuhören. Natürlich muss ich mich auch in viele Dossiers einlesen.»

Sie freue sich extrem auf die Zeit, «weil ich überzeugt bin, dass ich etwas in die Primarschule Lütisburg einbringen kann». Dabei denke sie vor allem daran, die Kommunikation zu verbessern und zu einem positiveren Klima beizutragen.

Der März 2019 in der Übersicht

  • Ebnat-Kappel Der Snowboard-Nationaltrainer bei Swiss-Ski Christian Rufer präsidiert ab dem 1. März den Schulrat.
  • Wattwil Volley Toggenburg kehrt nach dreijähriger Absenz in die Nationalliga A zurück.
  • Ricken Die St.Gallisch-Appenzellischen Kraftwerke erhöhen die Spannung im Mittelspannungsnetz auf dem Ricken auf 20 Kilovolt. Medienwirksam wird einer von rund 200 Strommasten demontiert.
  • Lichtensteig Hunderte feiern die Eröffnung des Rathauses für Kultur. Das Rathausgebäude wurde in ein Kulturzentrum für das Städtli und das ganze Toggenburg umgewandelt.
  • Kirchberg Die Dorfkorporation Kirchberg verkauft das Kommunikationsnetz an die Regionalwerk Toggenburg AG.
  • Ebnat-Kappel Da die Bibliothek und die Ludothek in die Gemeinde überführt werden sollen, beschliessen die Mitglieder des Trägervereins dessen Auflösung.
  • Lichtensteig An der dritten Generalversammlung kann die Weinbaugenossenschaft Lichtensteig den ersten Wein verkosten.
  • Bütschwil Das Ausbildungszentrum des Zivilschutzzentrums besteht seit 30 Jahren und veranstaltet zu diesem Zweck einen Tag der offenen Tür.
  • Wattwil Pächterwechsel im «Nats»: Roger Spiess verlässt das Lokal. Seine Nachfolger heissen Eva und Nico Stergiou.
  • Lütisburg Josef Rütsche erhält von den Schulkindern einen denkwürdigen Abschluss für seine Zeit als Schulratspräsident.
  • Mosnang An der Hauptversammlung des Tennisclubs Mosnang wird bekannt, dass der Verein einen neuen Standort für seinen Tennisplatz braucht. Grund dafür sind die Ausbaupläne des Restaurants Krone, dem der Boden gehört, auf dem sich der Tennisplatz befindet.
  • Wattwil Ende März findet die letzte Versammlung der Dorfkorporation Wattwil statt. Sie wird auf den 1. Januar 2020 in die politische Gemeinde inkorporiert, die Thurwerke AG geht ins Eigentum der Gemeinde über.
  • Neckertal Im Weiler Karlishub im Kanton Thurgau haben Unbekannte die Geschwindigkeitstafeln ausgetauscht. Es deutet viel darauf hin, dass die illegalen 40er-Tafeln aus Nassen in der Gemeinde Neckertal stammen.
  • Lütisburg Die Kirchbürger der Evangelische-reformierten Kirchgemeinde Unteres Toggenburg genehmigen einen Kredit für ein Vorprojekt zur Neugestaltung der evangelischen Kirche in Lütisburg.
  • Ebnat-Kappel Die Alder + Eisenhut AG verkündet an ihrem jährlichen Frühlingsfest den höchsten Gewinn in der Unternehmensgeschichte. Die Mitarbeitenden werden am Gewinn beteiligt.

Werner Scherrer als fairer Verlierer

Werner Scherrer zeigte sich nach der Wahl als fairer Verlierer. Er gratulierte Marianne Burger Studer beim Wahl-Apéro, den die Schulgemeinde vor der Turnhalle im Freien organisierte, persönlich zu ihrem Wahlsieg. Obwohl sich der Turnverein Lütisburg für ihn ausgesprochen hatte, reichte es ihm nicht zur Wahl. «Es ist ein eindeutiges Votum der Leute, das es zu akzeptieren gilt», sagte er gegenüber dem «Toggenburger Tagblatt». Natürlich sei er enttäuscht, weil er sich aus Überzeugung zur Verfügung gestellt habe und das Amt gerne ausgeführt hätte. «Doch ich kann auch lehrreiche Erfahrungen aus dem Wahlkampf mitnehmen», sagte Werner Scherrer. Er werde sich weiterhin als Gemeinderat aktiv für die Gemeinde Lütisburg einsetzen.

Was im März sonst noch geschah

Aktuelle Nachrichten