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Jahresrückblick Juli: Die Brücke rutschte Millimeter um Millimeter an ihren Platz

Die Verschiebung der Thurbrücke der Schweizerischen Südostbahn AG (SOB) in Ulisbach war ein spezielles Ereignis für Bauarbeiter und Zuschauer.

Urs M. Hemm und Martin Knoepfel
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Teilprojektleiter Manfred Guntlin erläutert den Ablauf der Verschiebung der neuen Thurbrücke.

Teilprojektleiter Manfred Guntlin erläutert den Ablauf der Verschiebung der neuen Thurbrücke.

Bild: Martin Knoepfel

Von blossem Auge war die Bewegung kaum zu erkennen – Millimeter um Millimeter wurde die neue Eisenbahnbrücke über die Thur bei Ulisbach in ihre vorgesehene Position gebracht. Was für die zahlreichen Zaungäste an der Baustelle ein Spektakel war, war für Manfred Guntlin, Teilprojektleiter der Schweizerischen Südostbahn AG (SOB), zwar nicht gerade Alltag, aber ein durchaus gängiges Verfahren bei solchen Projekten, wie er selbst sagte.

Die neue Betonbrücke ersetzt die alte Stahlbrücke über die Thur und war Teil des Clusters Obertoggenburg der SOB, der die komplette Sanierung der Bahnstrecke zwischen Wattwil und Nesslau-Neu St.Johann umfasste und letzten Sommer realisiert wurde.

Der Juli 2019 in der Übersicht

  • Nesslau Nachdem die letzte Einsprache zurückgezogen war, begannen in der ersten Juli-Woche die Abrissarbeiten am Hagmann’schen Haus.
  • Region Die Juso Wil-Toggenburg forderte einen Baustopp bei der Umfahrung Wattwil. Das Ansinnen stiess bei allen Parteien, inklusive der SP, auf Unverständnis.
  • Brunnadern Die Kuhn Back & Gastro AG gab bekannt, ihre neue Produktion in Brunnadern und nicht wie ursprünglich angekündigt im Bütschwiler Lerchenfeld realisieren zu wollen. Ausschlaggebend für den Entscheid waren tiefere Kosten in Millionenhöhe.
  • Ebnat-Kappel Trotz eines Unterbruchs des Spielbetriebs wegen eines heftigen Gewitters werteten die Organisatoren das Grümpeli vom 7. Juli als vollen Erfolg.
  • Wildhaus Auch das Open Air Wildhaus wurde von Gewittern nicht verschont. Dennoch vermochten Melanie Oesch und DJ Ötzi die Besucher zu begeistern.
  • Hemberg In einer Petition fordern 74 Bürger den Verzicht auf die Aufschaltung von 5G in der Antenne im Turm der katholischen Kirche.
  • Wattwil Die Minigolf-Genossenschaft Wattwil hat den Betrieb der Anlage der Gemeinde übergeben. Künftig wird die Minigolfanlage im Namen der Gemeinde von der Thurwerke AG geführt.
  • Region Wegen Belagsarbeiten an der Umfahrung Rickenbach kam es zur Vollsperrung der Strasse und damit zu erheblichen Behinderungen für den Verkehr vom und ins Toggenburg.
  • Toggenburg Um auf Katastrophenereignisse wie Überschwemmungen oder Murgänge schnell und professionell reagieren zu können, hat sich der Regionale Führungsstab Toggenburg konstituiert.
  • Bütschwil/Neapel Die Bütschwiler Leichtathletin Chiara Scherrer erreicht an der Universiade in Neapel im 3000-Meter-Steeple den undankbaren, aber beachtlichen vierten Rang.
  • Brunnadern Das Berner Rapper-Urgestein Baze, Highland Sanctuary, Too Mad und Ellijah Salomon lockten Jung und Alt ans achte Open-Ear-Festival.
  • Bazenheid/Lütisburg Vom 22. bis zum 26. Juli wurde die Kantonsstrasse zwischen Bazenheid und Lütisburg wegen Belagsarbeiten komplett gesperrt. Obwohl der Verkehr grossräumig umgeleitet wurde, kam es zu Behinderungen.
  • Sellamatt Vor der imposanten Kulisse der Churfirsten wurde der Sellamatter Alpgottesdienst mit Pfarrer Josef Handschin gefeiert.
  • Bütschwil Beinahe schon traditionsgemäss fand am letzten Juli-Wochenende das Open Air Bütschwil bei Regen statt. Dennoch zog es einige hundert Musikfans auf den Festivalplatz, um Acts wie das Berner Hip-Hop-Kollektiv Chlyklass zu sehen und zu hören.

Widerlager mussten zweimal gegossen werden

Um den Streckenunterbruch so kurz wie möglich halten zu können, wurde die neue Brücke auf einem über die Thur reichenden Leergerüst ein wenig flussabwärts betoniert. Da die Spannweite mit etwa 46 Metern um rund zehn Meter grösser ist als diejenige der Stahlbrücke, konnten die bestehenden Widerlager nicht wiederverwendet werden.

So mussten diese zweimal gegossen werden – einmal auf dem Bauplatz und ein zweites Mal am künftigen Standort der Brücke. Wegen des lehmigen Untergrunds habe man 20 Meter lange Pfähle in den Boden rammen müssen, die das Gewicht der Widerlager tragen können, sagte Manfred Guntlin. Die Widerlager auf dem Bauplatz wurden wieder abgebrochen, die Holzpfähle indes wurden im Boden belassen.

Mit einer Geschwindigkeit von drei Metern pro Stunde

Um die fertige Brücke an ihren Bestimmungsort zu bringen, sei die Verschiebung die einzige Möglichkeit gewesen. Denn mit einem Gewicht von 1200 Tonnen war die Betonbrücke viel zu schwer für einen Kran.

Für die Verschiebung ruhte die Brücke auf Gleitlagern und wurde durch Stahlseile auf beiden Flussufern an ihren definitiven Standort gezogen. Mit einer Kraft von 50 Tonnen bewegten schliesslich Hydraulikzylinder die Brücke mit einer Geschwindigkeit von drei bis sechs Metern pro Stunde rund 15 Meter seitwärts.

Da die Brücke horizontal wie auch vertikal millimetergenau platziert werden musste, habe man eine Spezialfirma aus dem Kanton Zürich beigezogen, sagte Manfred Guntlin. Die Beschäftigung eines eingespielten Teams stellte sicher, dass der Zeitplan möglichst eingehalten werden konnte und die Gleisarbeiter möglichst bald an ihre Arbeit gehen konnten. Auf der Baustelle wurde deshalb im Zwei-Schicht-Betrieb gearbeitet, im Vorfeld der Brückenverschiebung gar rund um die Uhr.

Die neue Thurbrücke in Ulisbach hat den vorgesehenen Standort erreicht.

Die neue Thurbrücke in Ulisbach hat den vorgesehenen Standort erreicht.

Bild: Martin Knoepfel

Höhere Geschwindigkeit – kürzere Fahrzeit

Die Kosten für die neue Brücke belaufen sich auf rund 3,5 Millionen Franken, was gemäss Manfred Guntlin dem Kostenvoranschlag entsprach. Begünstigt wurde dies dadurch, dass man bei den Aushubarbeiten auf keine Altlasten gestossen sei.

Dank der neuen Brücke können nun Züge mit einer Höchstgeschwindigkeit von 140 Kilometer pro Stunde die Strecke befahren. Dadurch verringert sich die Fahrzeit zwischen Wattwil und Nesslau-Neu St.Johann auf unter eine Viertelstunde

Was im Juli sonst noch geschah