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Jahresrückblick Oktober: «4plus5» – geht die Rechnung für das Spital Wattwil auf?

Lange wartete die Bevölkerung auf die Spitalstrategie der Regierung. Kaum war sie öffentlich, folgte Kritik.

Julia Engel
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Der Spital Wattwil konnte nicht gerettet werden. Nur der Notfall bleibt erhalten.

Der Spital Wattwil konnte nicht gerettet werden. Nur der Notfall bleibt erhalten.

Bild: Ruben Schönenberger

«4plus5» lautet die neue Spitalstrategie des Kantons. Am 23. Oktober legte die St.Galler Regierung die Karten auf den Tisch: Fünf der neun Spitäler sollen geschlossen werden.

Eines dieser Spitäler ist Wattwil. Ebenfalls geschlossen werden sollen die Spitäler Altstätten, Flawil, Rorschach und Walenstadt.

Notfallstationen als «Globuli» zur Beruhigung der Bevölkerung

«Es ist eine Farce, seit eineinhalb Jahren werden wir vorgeführt.» Der Wattwiler Gemeindepräsident Alois Gunzenreiner war sichtlich aufgebracht, als er auf dem Weg zum St.Galler Pfalzkeller war, wo die Regierung die Standortgemeinden vertieft über die Weiterentwicklung der Spitalstrategie informierte.

«Auf den ersten Blick entspricht das Ganze faktisch dem Konzept des Verwaltungsrates vom Mai 2018, ergänzt um die Notfallstationen als ‹Globuli› zur Beruhigung der Bevölkerung», kritisierte Gunzenreiner in einer Mitteilung des Fördervereins Regionalspital Toggenburg, dessen Präsident er ist.

Das erwähnte Konzept hatte der Verwaltungsrat der Spitalverbunde im Mai letzten Jahres veröffentlicht. Seither bangte das Toggenburg – und insbesondere die Standortgemeinde Wattwil – um sein Spital. In jenem Grobkonzept hatte der Verwaltungsrat dargelegt, dass er in Wattwil keine stationären Leistungen mehr erbringen will. In der Spitalregion Fürstenland-Toggenburg (SRFT) soll nur noch das Spital Wil solche anbieten.

Am 23. Oktober informierte die Regierung über die Weiterentwicklung ihrer Spitalstrategie. Diese baut tatsächlich auf dem vom Verwaltungsrat vorgeschlagenen Vier-Standorte-Konzept auf, ergänzt dieses aber um fünf sogenannte Gesundheits- und Notfallzentren (GNZ). «Strategie 4plus5» nannte es die Regierung. Ein GNZ soll auch in Wattwil entstehen. Weitere sind für die bisherigen Spitalstandorte Rorschach, Altstätten, Walenstadt und Flawil vorgesehen.

Alternativen hätten das Doppelte gekostet

Im Wesentlichen heisst das, dass die stationären Leistungen in Wattwil tatsächlich praktisch vollumfänglich wegfallen sollen. Weiterhin angeboten wird ein Notfallbetrieb, rund um die Uhr, sieben Tage die Woche. Das Fachpersonal unterstütze damit die niedergelassene Ärzteschaft und sichere die kompetente medizinische Betreuung und Triage in Wohnortnähe. Dieses Angebot wird mit einem kleinen Bettenangebot ergänzt, dass stationäre Kurzaufenthalte ermöglichen soll, beispielsweise, wenn eine Überwachung über Nacht nötig ist.

Die Regierung habe auch Alternativen geprüft, sagte Regierungsrat Benedikt Würth an der Medienkonferenz. Diese hätten aber alle schlechter abgeschnitten. Vielfältige Gründe wurden dafür aufgezählt. Die Versorgungsqualität leide zum Beispiel, wenn gewisse Leistungen nicht konzentriert und damit in grosser Fallzahl erbracht werden könnten.

Vor allem aber: Eine Reduktion des strukturellen Defizits werde nur mit dem Vier-Standort-Konzept erreicht, ist sich die Regierung sicher. Dazu präsentierte sie die prognostizierte finanzielle Entwicklung verschiedener Varianten. Dazu gehören auch die zusätzlichen Kosten. Während sich die Regierung die GNZ rund 6 Millionen Franken im Jahr kosten lässt, hätte eine Variante mit weniger Schliessungen sogenannter Mehrspartenspitäler gemäss der Regierung jährlich rund 12 Millionen Franken, also das Doppelte, gekostet.

Bereits ab November keine Operationen mehr

Geht es nach der Regierung, bedeutet das für das Toggenburg erst einmal Folgendes: Das GNZ in Wattwil soll 2024 in Betrieb gehen. Die Operationen werden bis dahin aber längst schon in Wil ausgeführt werden. Bereits ab November dieses Jahres wurde in Wattwil nicht mehr operiert.

Der Oktober in der Übersicht

  • Nesslau Seit dem 7. Oktober können in der Tierklinik Nesslau wieder Tiere von klein bis gross behandelt werden. Die beiden Grosstierärztinnen Sabine Sprenger und Myriam Klopfstein stiessen zum Team dazu.
  • Wildhaus Die Gebühren auf dem Parkplatz im Chuchitobel in Wildhaus wurden oft nicht beachtet, wie ein Jahr Erfahrung gezeigt hat. Deshalb wurde ein Reglement erlassen, damit Bussen verteilt werden können.
  • Mosnang Der Hobbygärtner Christian Oberhänsli gewann nicht nur eine Wette unter Arbeitskollegen. Er stellte mit seiner grossen Sonnenblume sogar den Schweizer Rekord auf.
  • Wattwil Der Bikerin Ramona Forchini machte die Gesundheit in ihrer zweiten Saison als Profibikerin einen Strich durch die Rechnung. Ein im Nachhinein festgestellter Virus deckte auf, weshalb ihr auf längeren Distanzen die Luft wegblieb.
  • Obertoggenburg Die neuen Postautos nahmen ihren Kurs zwischen Wattwil und Buchs auf. Ihre Vorgänger wiesen gegen Ende grosse Mängel auf.
  • Bazenheid Mit dem Abschluss der dritten Bauetappe der Bazenheider Fernwärme fanden die Grossprojekte ein vorläufiges Ende.
  • Neckertal Die Genossenschaft Baumwipfelpfad Neckertal reichte zwei Bauvorhaben bei der Gemeinde Neckertal ein. Ein Sommerhaus ist geplant und das Wipfelhaus soll erweitert werden.
  • Wattwil Raiffeisen Volley Toggenburg startete mit einem Sieg gegen Genf in die Saison. Danach ging es abwärts.
  • Toggenburg Die Stimmbeteiligung der Wahlen dieses Herbsts lag im Toggenburg höher als auf nationaler Ebene. Die Jungparteien halfen mit 5,3 Prozent Wähleranteil ihren Mutterparteien.
  • Obertoggenburg Bei einer Höhlenrettungsübung im Appenzeller Schacht im Obertoggenburg stieg eine Dreiergruppe der Toggenburger Gesellschaft für Höhlenforschung in die Tiefen des Gebirges.
  • Wattwil Die Eröffnung mindestens zweier Gewerbeflächen der Überbauung neben dem Bahnhof Wattwil hätte am 10. Oktober stattfinden sollen. Sie verzögerten sich jedoch um Wochen.
  • Krummenau Ende Oktober wurde das Bahnhofsgebäude in Krummenau im Rahmen des Clusters Obertoggenburg von einer Überdachung des Perrons an der Haltestelle abgelöst.
  • Toggenburg Mit dem Slogan «Ja zum Campus Wattwil» lancierte der Verein Campus Wattwil im Oktober den Abstimmungskampf.
  • Kirchberg Beim Herbstgespräch der Clientis Bank Toggenburg berichtete der Fernsehmoderator Nik Hartmann von seinen Wanderungen, mit denen er zum Wanderboom beigetragen hat.
  • Lichtensteig Die Proben für die diesjährige Chössi-Eigenproduktion «Die Heiratsvermittlerin» in Lichtensteig begannen Ende Oktober.
  • Wattwil Nächstes Jahr feiert die Kantonsschule ihr 50-jähriges Bestehen. Die Vorbereitungen für das Musical «Chance» laufen bereits.
Was sonst im Oktober noch geschah