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Interview

Ivan Louis zum Campus-Projekt: «Der Standort Wattwil wäre mit anderen Wahlkreisgrenzen kein Thema»

Der Präsident und der Kassier des gleichnamigen Vereins freuen sich, dass die Region geschlossen hinter der Vorlage für einen Campus Wattwil steht. Sie sagen, wie sie für die Vorlage werben wollen, die im November vors Volk kommt und weshalb aus ihrer Sicht die Argumente der Gegner nicht stichhaltig sind.
Martin Knoepfel
Die neue Kantonsschule Wattwil soll auf dem Rietstein-Areal entstehen, wo sich heute Sportanlagen befinden. Die Turnhalle, das weisse Gebäude im Hintergrund, bleibt erhalten und wird weiterhin für die Kantonsschule genutzt. (Bild: Martin Knoepfel)

Die neue Kantonsschule Wattwil soll auf dem Rietstein-Areal entstehen, wo sich heute Sportanlagen befinden. Die Turnhalle, das weisse Gebäude im Hintergrund, bleibt erhalten und wird weiterhin für die Kantonsschule genutzt. (Bild: Martin Knoepfel)

Die Regierung will für 108 Millionen Franken eine neue Kanti in Wattwil erstellen und das BWZT sanieren. Der Vorstand des Vereins Campus Wattwil will der Vorlage zum Sieg im Kantonsrat und an der Urne verhelfen. Er setzt unter anderem auf Social-Media-Auftritte, Plakate, Lobbying in Vereinen und Verbänden und, wenn das Geld reicht, einen Flyer-Versand im Kanton.

Was werden Sie tun, um Ihre nicht aus dem Toggenburg stammenden Kollegen in der vorberatenden Kommission vom Kredit für den Campus Wattwil zu überzeugen?

Ivan Louis: Fraktionskollegen ging ich bereits direkt an. Bei anderen Parteien wende ich mich an einzelne Ratsmitglieder. Ich habe den Eindruck, dass bei einigen Kantonsräten der Eindruck hängen geblieben ist, die zwei Standorte seien eine gute Idee. Ich will meinen Kollegen zeigen, dass das keine gute, sondern eine schlechte Idee ist. Die Botschaft des Regierungsrats hat die Informationen gut zusammengestellt.

Erwarten Sie, dass die vorberatende Kommission die Vorlage stark abändert oder gar zurückweist?

Louis: Eine Rückweisung erwarte ich nicht, da die Vorlage überzeugt. Das gestehen übrigens auch Gegner der Vorlage ein. Für konkrete Änderungen fehlt uns auch das Fachwissen.

Der Anteil Toggenburger Schüler in Wattwil sinkt. Was halten Sie dem Argument entgegen, dass das Toggenburg immer weniger an einer Kantonsschule interessiert ist?

Ruben Schuler: Das stimmt so nicht, das Toggenburg ist sehr am Erhalt der Kantonsschule in Wattwil interessiert. Für gewisse Schüler aus dem Toggenburg wäre der Weg nach Rapperswil-Jona extrem weit. Aus Wildhaus-Alt St. Johann würde sicher niemand ins Linthgebiet in die Kantonsschule fahren. Man steigert die Maturandenzahl einer Region nicht, wenn man ihr die Kantonsschule wegnimmt.

Der Kassier und der Präsident des Vereins Campus Wattwil, Ruben Schuler (links) und Ivan Louis, im Gespräch. (Bild: Martin Knoepfel)

Der Kassier und der Präsident des Vereins Campus Wattwil, Ruben Schuler (links) und Ivan Louis, im Gespräch. (Bild: Martin Knoepfel)

Louis: Die Gegner der Vorlage kommen immer mit alten Zahlen von 2013. Neuere Zahlen zeigen, dass der Anteil der Schüler aus Rapperswil-Jona gar leicht gesunken ist. Das Bevölkerungswachstum im Linthgebiet wird etwa wegen der verfügbaren Immobilien nicht in Rapperswil-Jona erfolgen, sondern in Richtung Wattwil.

Sie haben in Wattwil die Kanti absolviert. Welche Argumente liefert Ihnen das in der Diskussion um den Campus?

Louis: Ich kann aus eigener Erfahrung sagen, dass sich die Struktur bewährt hat. Es gibt keinen Grund, sie zu ändern. Vor kurzem habe ich im Militär abgegeben. Die Angehörigen der Armee aus Nesslau und Rapperswil-Jona waren am gleichen Tag dran. Da traf ich viele Leute wieder, die ich von der Kanti kenne.

Schuler: Der Austausch mit den Kameraden aus dem Linthgebiet war gut. Längst nicht alle sind gegen eine Kanti in Wattwil.

Louis: Das Linthgebiet ist nach Zürich orientiert, damit hatte ich nie ein Problem.

Schuler: Die Kanti in Wattwil stärkt die Verbindung des Linthgebiets mit dem Rest des Kantons. Ich finde es gut, wenn die Kantonsschüler aus dem Linthgebiet durch den Besuch der Kanti in Wattwil eine andere Region im Kanton kennen lernen. Und ich schätzte es, Kollegen aus dem Linthgebiet kennen zu lernen.

Louis: Die CVP fachte die Kontroverse einst wegen des Wahlkampfs für den Kantonsrat an. Ich bin sicher, dass der Standort der Kanti mit anderen Wahlkreisgrenzen kein Thema wäre.

Entscheiden werden die Volksabstimmung wahrscheinlich die Gebiete, die nicht direkt betroffen sind. Was plant der Verein, um dort für Wattwil zu werben?

Louis: Wir haben ein ganzes Massnahmenpaket entwickelt und einen Brief an potenzielle Sponsoren und Gönner gesandt. Wenn wir genug Geld auftreiben können, werden wir machen, was wir dort beschreiben.

Schuler: Wir werden Social-Media-Kanäle nutzen und, wenn wir das bezahlen können, einen Flyer in alle Haushalte im Kanton verteilen lassen. Auf den Brief an die Sponsoren erhielten wir ein gutes Echo.

Es ist erfreulich, wie geschlossen das Toggenburg hinter dem Campus Wattwil steht. Schade ist, dass man aus dem Linthgebiet immer nur das Argument hört, der Standort Wattwil sei schlecht fürs Linthgebiet.

Werden Sie vor allem auf lustige Werbung setzen wie in der jüngsten Neujahrsansprache?

Louis: Wir wollen eine positive Kampagne führen und die Eckpunkte sowie die Vorzüge der Vorlage erklären. Das Linthgebiet bringt keine Alternativen.

Es ist immer einfacher, eine Vorlage zu bekämpfen als sie zu verteidigen. Man muss nur einen Punkt herausgreifen, der einem nicht passt, und darauf herumreiten.

Schuler: Ein lustiger Clip ist Ausfluss der positiven Botschaft, die wir verbreiten wollen.

Louis: Im digitalen Bereich muss man etwas machen, das sich von allein verbreitet. Nur Fakten zu bringen, reicht nicht.

Wie viel Geld wird der Verein Campus Wattwil im Abstimmungskampf einsetzen?

Louis: Wir werden maximal 75'000 Franken ausgeben. Mehr ist nicht sinnvoll. Nur bezahlte Werbung zu forcieren, kommt nicht gut an.

Schuler: Ein Flyer in alle Haushalte im Kanton wäre schön. Das kostet rund 40'000 Franken. Wir müssen davon ausgehen, dass es im Linthgebiet finanzstarke Leute gibt, die die Taschen öffnen werden.

Ist die Volksabstimmung wenige Wochen nach den eidgenössischen Wahlen ein Vor- oder ein Nachteil?

Ivan Louis: Eine Abstimmung so kurz nach den eidgenössischen Wahlen ist aussergewöhnlich.

Schuler: Ich bin froh, dass es im Herbst um die Wahlen in den Nationalrat geht. Vielleicht sagt sich der eine oder andere Politiker aus dem Linthgebiet, dass er für die Wahl auch Stimmen aus dem Toggenburg benötigt und engagiert sich deshalb weniger gegen den Campus.

Was erwartet der Verein Campus Wattwil von Regierungsrat Marc Mächler?

Louis: Dass er sich weiterhin so authentisch für die Vorlage einsetzt. Die Regierungsräte Stefan Kölliker und Marc Mächler haben ein strenges Jahr vor sich mit den drei grossen Bildungsvorlagen Campus Platztor, Campus Wattwil und Gewerbliche Berufsschule St. Gallen.

Haben Sie keine Angst, dass die Ballung an Bildungsvorlagen die Chancen des Campus Wattwil vor dem Volk verringert?

Schuler: Nein, ich glaube im Gegenteil, dass das förderlich ist. Die Solidarität der Regionen sollte spielen. Die Infrastruktur für die Bildung im Kanton hat Nachholbedarf. Das ist unbestritten.

Der Architekturwettbewerb für den Neubau der Kanti Wattwil fand wegen des neuen Immobilienmanagements noch nicht statt. Ist es aus Ihrer Sicht ein Nachteil, dass die Stimmbürger quasi die «Katze im Sack» kaufen müssen?

Louis: Ich finde es demokratischer, dass das Volk zuerst entscheiden kann, ob es das Geld ausgeben will oder nicht. Früher lautete das Argument bei einem umstrittenen Bauvorhaben oft, man habe schon viel Geld in die Projektierung investiert. Jetzt könne man nicht mehr Nein sagen, da sonst diese Kosten verloren wären.

Schuler: Es ist sowieso nicht sinnvoll, dass eine vorberatende Kommission, der Kantonsrat und das Volk über die Bestuhlung oder Ähnliches diskutieren. Man verliert sonst leicht das Ganze aus den Augen.

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