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Ist Lachen wirklich die beste Medizin? Der Appenzeller Kabarettist Daniel Ziegler war am 1. Mai Gast im Chössi Theater in Lichtensteig

Humor ist für die psychische Gesundheit essenziell wichtig. Er verbindet Menschen und jeder hat ihn. Aber man kann sich auch hinter einem Lachen verstecken.
Sascha Erni
Man kennt ihn eher mürrisch. Auf der Chössi-Bühne konnte Daniel Ziegler aber durchaus auch lachen. (Bild: Sascha Erni)

Man kennt ihn eher mürrisch. Auf der Chössi-Bühne konnte Daniel Ziegler aber durchaus auch lachen. (Bild: Sascha Erni)

«Der redet ja! Und kann lachen!», raunten nach Daniel Zieglers Auftritt am 1. Mai im Chössi-Theater einige der Zuschauer. Man kennt den Appenzeller Bassisten und Kabarettisten vorwiegend von seinen eher griesgrämigen Auftritten bei der ehemaligen Satire-Sendung «Giacobbo/Müller» oder, ebenso mit mürrischem Gesichtsausdruck, neben Kabarettist Simon Enzler auf der Kleinkunstbühne.

Er bricht mit seiner bekannten Bühnenpersönlichkeit

Mit seinem Soloprogramm «Bassimist» bricht Ziegler ein wenig mit seiner bekannten Bühnenpersönlichkeit; er gestikuliert, erklärt, singt, animiert und tanzt. Und genau das macht ihn zum perfekten Partner für das Ostschweizer Forum für Psychische Gesundheit und die Psychiatrie St. Gallen Nord.

In deren Veranstaltungsreihe «Psychische Gesundheit und …» vom Mittwoch im Chössi-Theater in Lichtensteig stand, wie an vergangenen derartigen Anlässen der letzten Monate, das Thema «Humor» auf dem Programm. Wie erfahren etwa Depressive Humor, und was macht das Lachen mit der Psyche?

Humor ist für die Psyche wichtig

Zum Abschluss der Reihe diskutierten nun im Chössi-Theater unter der Moderation von Jürg Engler die Psychologin Valérie Luterbacher, der Peer-Berater Mario Sonderegger und eben auch Daniel Ziegler solche und weitere Fragen. Die Diskutierenden waren sich schnell einig, dass Humor für die psychische Gesundheit essenziell wichtig ist. Lachen wirkt stimmungsaufhellend, reduziert Stresshormone und entspannt die Muskulatur, erklärte Valérie Luterbacher. «Wir lachen viel in der Psychiatrie», sagte sie.

Diskutierten über Humor und psychische Gesundheit, von links: Daniel Ziegler, Mario Sonderegger, Valérie Luterbacher und Jürg Engler.

Diskutierten über Humor und psychische Gesundheit, von links: Daniel Ziegler, Mario Sonderegger, Valérie Luterbacher und Jürg Engler.

So könne man zum Beispiel in einer Therapiesitzung eine andere Perspektive einbringen, während gleichzeitig das Tabu der psychischen Erkrankung reduziert werde. «Lachen ist etwas sehr Soziales. Humor hat jeder, und Humor verbindet», wie sie betonte.

Aber es käme auch immer aufs Timing und die Gründe dahinter an. Das Lachen dürfe nicht destruktiv werden. Was genau damit gemeint war, führte Mario Sonderegger aus. Als Mensch, der selbst Psychiatrie-Erfahrungen machte, begleitet er heute Patienten bei ihrer Genesung. «Ich nutzte Sarkasmus und Ironie als Mauer», erklärte er. Er habe sich während depressiver Phasen oft hinter dummen Sprüchen versteckt, Schutz hinter vorgetäuschtem Humor gesucht.

«Aber das ist kein Humor, das hat mir nicht gut getan.» Und auch Daniel Ziegler meinte, dass Lachen nicht immer mit Humor zu tun habe. Wenn er etwa nicht gut drauf sei, müsse er ja trotzdem auf die Bühne. «Die Tickets sind verkauft, dann muss ich halt.» Oft käme in solchen Situationen aber der «Bühneneffekt» zum tragen, und seine Laune würde sich automatisch verbessern.

Mit Sarkasmus durch die Musiktheorie

«Ich lache über ganz normale Sachen, wenn ich nicht auf der Bühne stehe», hatte Ziegler während des kurzen Podiumsgesprächs erklärt. Er unterstrich damit den Unterschied zwischen der Privatperson Daniel Ziegler und seiner Bühnenfigur.

Diese Figur zeigte sich im Chössi-Theater in zwei Sets gewohnt mürrisch, aber mit grosser Spielfreude. Ziegler führte die zahlreichen Zuschauer in die Grundlagen der Musiktheorie ein, nicht ohne sich den einen oder anderen Seitenhieb auf den Schweizer Musikgeschmack zu verkneifen. «Groove kannst Du in der Schweiz nicht erklären», sagte er etwa, und liess das Publikum im Chössi-Theater zur Abwechslung «korrekt» zu Songs mitklatschen.

Der virtuose Bassist überzeugte auch musikalisch, sowohl mit Eigenkompositionen als auch gekonnten Parodien auf Kinderlieder. Und humoristisch schaffte er die Gratwanderung zwischen plakativem Sarkasmus und echtem Witz mit Bravour. Der anschliessende, lange Applaus war wohlverdient – wie auch der Apéro, gemeinsam mit den Podiumsgästen und dem Publikum.

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