Inputs mit einem Blick von aussen: Angehende Tourismusfachleute erarbeiten Ideen für Angebot im Toggenburg

25 Studierende der Höheren Fachschule für Tourismus Graubünden in Samedan haben sechs Aufträge von Leistungsträgern im Toggenburg analysiert. Ob die Ideen, die daraus entstehen, umgesetzt werden, steht aber in den Sternen.

Sabine Camedda
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Die meisten der angehenden Tourismusfachpersonen sind zum ersten Mal im Toggenburg und setzen sich intensiv mit den Angeboten der Destination auseinander.

Die meisten der angehenden Tourismusfachpersonen sind zum ersten Mal im Toggenburg und setzen sich intensiv mit den Angeboten der Destination auseinander.

Bild: PD

Ausgefeilt und spruchreif ist noch keiner der Vorschläge, die am Freitagmorgen im Hotel Hirschen in Wildhaus auf den Tisch kamen. Das war auch nicht das Ziel der 25 Studierenden der Höheren Fachschule für Tourismus (HFT) in Graubünden.

In der vergangenen Woche untersuchten sie im Rahmen eines Intensivseminars sechs Projekte und Fragestellungen. Die Präsentation der ersten Ergebnisse war ein Zwischenschritt, die Arbeiten werden in den kommenden Wochen zu Ende geführt.

Chance für die Studierenden und für die Destination

Die Studienwoche kam in Zusammenarbeit mit Toggenburg Tourismus zustande. Deren Mitarbeiter Oliver Schmid hat selber an der HFT studiert und solche Seminare besucht.

Er sehe es als Chance für die Tourismusregion und die Leistungsträger, dass die Studierenden Angebote überprüfen und Vorschläge ausarbeiten. «Die Studierenden können so die Arbeit in einer Tourismusorganisation konkret erleben», erklärt Oliver Schmid.

Praxisorientiert arbeiten am reellen Produkt

Monika Waldvogel, Dozentin an der HFT in Samedan ist froh, dass das Toggenburg als eine von fünf Regionen in diesem Jahr ein solches Intensivseminar ermöglicht hat. «Hier lernen die Studierenden sehr praxisorientiert und an reellen Beispielen», sagt sie. Das gebe ihnen das Gefühl, dass die Erarbeitung für den Auftraggeber wichtig ist.

Die 25 Teilnehmer sind im dritten und im ersten Studienjahr. Einige hätten also erst vor sechs Wochen mit der Ausbildung angefangen. Die Studierenden haben die Themen, mit welche sie sich beschäftigen wollen, selber ausgesucht.

Toggenburg Tourismus hat zusammen mit den Leistungsträgern mehrere Themen vorgeschlagen. Eines war der HFT aber wichtig: Keiner der Teilnehmer darf aus der betreffenden Destination kommen, denn es gehe auch darum, dass die Studierenden etwas Neues kennen lernen.

Nach der Analyse erste Vorschläge machen

Die verschiedenen Gruppen haben in ihren Präsentationen betont, dass sie von den Leistungsträgern – quasi ihren Auftraggebern – mit vielen Informationen versorgt worden sind. In der Woche vor Ort sei es in erster Linie darum gegangen, einen Augenschein zu nehmen, sagt Monika Waldvogel.

Mit dem Hintergrundwissen aus dem Studium werden die Studierenden eine Analyse vornehmen. Daraus würden sie Ideen entwickeln. Diese präsentieren sie letztlich ihrem Auftraggeber. Was damit gemacht und ob etwas umgesetzt wird, ist dann alleine Sache des Auftraggebers.

Studierende haben mehr Zeit als Auftraggeber

Oliver Schmid, der als Geschäftsleiter von Berg & Bett selber als Auftraggeber involviert ist, fand die Zusammenarbeit mit den Studierenden sehr spannend. Als Mitglied im Team von Toggenburg Tourismus hätte er immer wieder die Fragen aufgeworfen, mit denen sich nun die Studierenden beschäftigen. Aber im Alltag habe er oftmals keine Zeit dafür.

Er glaubt, dass es anderen Auftraggebern ähnlich geht. Die Studierenden hingegen haben während der Seminarwoche genügend Zeit, um sich in ein Thema hineinzuarbeiten. Sie können sich das Angebot des Auftraggebers vertieft anschauen. Das sei für sie viel motivierender, als wenn sie alles vom Schreibtisch aus machen müssten, nennt Monika Waldvogel einen weiteren Vorteil.

«Wir bekommen oftmals ein positives Feedback von den Auftraggebern», sagt sie weiter. Es komme immer wieder vor, dass die Ideen der Studierenden aufgegriffen und umgesetzt werden. Oliver Schmid ist nun gespannt, welche Vorschläge aus der Arbeit hervorgehen werden und wie realistisch deren Umsetzung wird.

Die Studierenden arbeiten an den folgenden Projekten:

Temporärer Campingplatz

In der Laui oberhalb Unterwasser liesse sich ein Pop-up-Camping einrichten.

In der Laui oberhalb Unterwasser liesse sich ein Pop-up-Camping einrichten.

Bild: Sabine Camedda

Der Lockdown und der Coronasommer haben gezeigt, dass die Nachfrage an Stellplätzen für Wohnmobile und an Campingplätzen gross ist. Eine Gruppe Studierende hat darum untersucht, ob es im Toggenburg eine Möglichkeit für einen familienfreundlichen Pop-up-Camping gäbe.

Die Gruppe hat mit einer Standortanalyse die Gebiete Laui und Curlingzentrum verglichen. In einem weiteren Schritt sammeln die Studierenden weitere Idee für Schlafmöglichkeiten, um ein Angebot zu kreieren, das für Familien attraktiv ist, aber auch Camper auf der Durchreise anspricht.

Schliesslich soll ihre Arbeit zwei Fragen beantworten: Wo könnte ein Pop-up-Camping entstehen und was bräuchte es dafür.

Genussperlen sichtbarer machen

Philipp Metzger bietet in seiner Metzgerei in Nesslau eine Genussperle an.

Philipp Metzger bietet in seiner Metzgerei in Nesslau eine Genussperle an.

Bild: Sabine Camedda

Die Chääswelt Toggenburg hat sich auf die Fahne geschrieben, Spezialitäten aus der Region bekannter zu machen. Eine Möglichkeit dazu sind die Genussperlen. Dabei laden die Produzenten interessierte Gruppen zu einem Blick hinter die Kulissen, um den Betrieb und das Produkt kennen zu lernen.

Die Studierenden sollen aufzeigen, wie vermehrt Gruppen angesprochen und wie die Genussperlen einfacher gebucht werden können. In diesem Rahmen haben die Studierenden Zielgruppen definiert.

Einer der wichtigsten Punkte ist für die Studierenden aber, dass die Genussperlen auf den Internetseiten prominent platziert und so leicht gefunden werden, betonten sie an der Präsentation.

Ferienerlebnis des Gastes verbessern

Berg & Bett ist überzeugt, dass der Service noch besser werden kann.

Berg & Bett ist überzeugt, dass der Service noch besser werden kann.

Bild: Sabine Camedda

Die Firma Berg & Bett übernimmt für Zweitwohnungsbesitzer den Umtrieb für die Vermietung, von der Buchung über die Gästebetreuung bis zur Abrechnung und der Reinigung.

Wie aber kann die Serviceleistung gegenüber dem Gast noch verbessert werden? Diese Frage beschäftigte eine weitere Gruppe angehender Tourismusfachleute. Um mögliche Ideen aufzuzeigen, haben die Studierenden ähnliche Angebote in anderen Destinationen angeschaut.

Aus ihrer Sicht gäbe es einiges, was das Ferienerlebnis des Gastes noch verbessern würde. Die Ideen reichen vom Abholservice über einen gefüllten Kühlschrank und vorab buchbare Freizeitangebote bis zum digitalen Feedbackformular.

Gast individuell digital betreuen

In Zukunft sollen Hotelgäste Informationen digital auf einem Tablet erhalten.

In Zukunft sollen Hotelgäste Informationen digital auf einem Tablet erhalten.

Bild: PD

In über 1000 Hotels in 30 Ländern ist es mittlerweile Standard, dass die Gäste über ein so genanntes Suite Pad digital informiert und betreut werden. Ab dem 1. Dezember wird das Zeitalter der digitalen Gästemappe im Hotel Hirschen in Wildhaus eingeläutet.

Die Studierenden sehen zahlreiche Möglichkeiten, wie die Gastgeber dieses Suite Pad einsetzen können: Individuelle Begrüssungsworte, Ideen für ein Schlechtwetterprogramm, die Buchung für eine Massage oder den Menüvorschlag am Abend.

Wichtig sei, dass die Gastgeber die Zielgruppen und deren Wünsche kennen würden, sagten sie an der Präsentation. Es sei auch möglich, Partner ins Boot zu holen, beispielsweise für die Reservation von Sportgeräten.

Klangweg zum Klanghaus führen

Der Klangweg soll attraktiv bleiben und ab 2024 zum Klanghaus Toggenburg führen.

Der Klangweg soll attraktiv bleiben und ab 2024 zum Klanghaus Toggenburg führen.

Bild: PD

2024 soll das Klanghaus am Schwendisee seinen Betrieb aufnehmen. Im Hinblick darauf suchen Studierende nach Ideen, um den Klangweg weiter zu entwickeln. Dieser führt in drei Etappen von der Alp Sellamatt ins Wildhauser Oberdorf.

Dass das Klanghaus nicht an der Hauptachse gebaut werden soll, sehen die Studierenden als unvorteilhaft. In der Intensivstudienwoche erstellten sie einen so genannten Customer Journey.

Mit diesem soll es möglich sein, den Besucher des Klangwegs zu verstehen, seine Bedürfnisse zu erfahren und herauszufinden, wie er zum Wiederkehren bewegt werden kann. Dafür haben die Studierenden den Klangweg begangen und die verschiedenen Instrumente bewertet.

Angebot gemeinsam vermarkten

Der Raum Eggenwäldli in Wildhaus hat Potenzial, das genutzt werden kann.

Der Raum Eggenwäldli in Wildhaus hat Potenzial, das genutzt werden kann.

Bild: Sabine Camedda

Die Minigolfanlage, der Tennisplatz, der Pumptrack, dazu der Generationenspielplatz – rund ums Curlingzentrum und ums Eggenwäldli in Wildhaus gibt es eine ganze Angebotspalette.

Eine Gruppe Studierende war aufgefordert, das touristische Potenzial dessen zu erkennen und Entwicklungsmöglichkeiten zu prüfen. Ein Augenschein und eine Umfrage bei den Gästen hat gezeigt, dass die Angebote nicht als eine Einheit wahrgenommen werden.

Hier könne man mit einfachen Kommunikationsmitteln ansetzen, finden die Studierenden. Ein erster Erfolg könne mit wenig Aufwand und schnell erzielt werden. Daneben brauche es aber auch eine längerfristige Strategie.