«Indirekt haben wir weltweit Kunden»: An der Firma Primcut AG zeigt sich auch die Globalisierung

Von Neu St.Johann in die Welt: Die Primcut AG produziert Verpackungsbänder. Und verlegte sogar den Firmensitz, um wachsen zu können.

David Grob
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Google Maps zeigt noch eine grüne Wiese an, wo heute die Primcut AG ihren Sitz hat. Seit einem halben Jahr bedruckt, schneidet und versendet das Familienunternehmen hier seine Verpackungsbänder. Hier am Rande Neu St.Johanns neben der Landi und anderen Kleinunternehmen entsteht ein Produkt, das weltweit Verwendung findet. Egal ob ukrainischer Kuchen, deutsches Brot, spanisches Dynamit oder Pasta aus der Migros – eines vereint die Produkte: Sie werden durch die Banderolen der Primcut AG zusammengehalten. Ein Band der Globalisierung, hergestellt in Neu St.Johann.

Das Sitzungszimmer der Verpackungsfirma. Tobias Maienfisch, 39, Produktionsleiter, sagt:

«Indirekt haben wir weltweit Kunden.»

Indirekt? Das Unternehmen beliefert verschiedene Maschinenhersteller mit seinen massgeschneiderten Verpackungsbändern. Diese wiederum produzieren Verpackungsmaschinen für diverse Unternehmen weltweit. Etwa den Dynamithersteller in Spanien, den Grosskonditor in der Ukraine oder die Grossbäckerei in Deutschland. «Die Maschinenproduzenten erreichen über das Material Kontinuität mit ihren Kunden», sagt Jürg Maienfisch, 70, Geschäftsführer der Primcut AG. «Und wir damit auch.»

Tiefgefroren, ausgeliefert, aufgebacken

Das Familienunternehmen ist auf Banderolen für Lebensmittel spezialisiert. Dies stellt Vater und Sohn vor Herausforderungen. Jürg Maienfisch nennt das Beispiel der deutschen Grossbäckerei. Das Problem: Die Brote werden direkt nach dem Backen mit der Banderole umwickelt, dann tiefgefroren, ausgeliefert, aufgebacken. Tobias Maienfisch sagt:

«Die Verpackungsbänder müssen also extreme Temperaturen aushalten können.»

Ausserdem müssten das Material und die Druckfarbe verträglich sein, da die Banderole direkt auf dem Brotlaib sei, ergänzt Jürg Maienfisch.

Die Herstellung von Banderolen ist ein Nischengeschäft, wie Vater und Sohn sagen. Aber ein wachsendes. Nur, die Anforderungen an die Produzenten von Banderolen steigen. Will man expandieren und auf dem Markt bestehen, so braucht man gewisse Zertifikate. Etwa das Britische BRCGS, Britisch Retail Consortium Global Standard – Goldstandard für Hygiene in der Lebensmittelkette. Um dieses zu erlangen, verlegte die Firma den Firmensitz talaufwärts nach Neu St.Johann. Die Umbauarbeiten am alten Ort in Krummenau wären zu aufwendig gewesen. «Ausserdem waren wir dort nur eingemietet», sagt Tobias Maienfisch. Der Neubau erfüllt alle hygienischen Voraussetzungen, bietet mehr Fläche und könnte in Zukunft weiter ausgebaut werden.

Mit Mantel, Haube und desinfizierten Händen

Tobias und Jürg Maienfisch führen mit Mantel, Haube und desinfizierten Händen durch die Produktionshalle. Der Boden glänzt, die Maschinen surren. Hygienevorschriften wie im Spital. Eine Mitarbeiterin schiebt ein Holzpalett mit einer Papierrolle auf eine Plattform. Diese kippt die Rolle um 90 Grad auf ein Plastikpalett. Der Grund: Holz ist als möglicher Schmutzträger in der Produktion nicht erlaubt. Die Papierrollen werden in einer geschlossenen Einfahrt angeliefert. Ist das Material schmutzig, wird es gar nicht erst angenommen.

Die Verpackungsbänder sind Teil des globalen Wirtschaftssystems. Jürg Maienfisch deutet auf eine geschnittene Banderole für Zucchetti. Nach Italien geschickt, umschlingt diese dort abgepacktes Gemüse und wird anschliessend in deutschen Supermärkten der Rewe-Kette verkauft. Toggenburg – Italien – Deutschland.