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Interview

«In Wildhaus-Alt St. Johann hat man in den vergangenen Jahren zu sehr auf Tagestourismus gesetzt»

Die Zweitwohnungsbesitzer von Wildhaus-Alt St. Johann sind im Verein ProToggenburg.ch zusammengeschlossen. Der Präsident Richard Brander analysiert seine Ferienregion und sagt, was ihn bei der Situation der Bergbahnen beschäftigt.
Interview: Sabine Schmid
Dem Seveler Richard Brander, der ein Ferienhaus in Wildhaus und eines in Krummenau besitzt, ist das Toggenburg ans Herz gewachsen. (Bild: Sabine Schmid)

Dem Seveler Richard Brander, der ein Ferienhaus in Wildhaus und eines in Krummenau besitzt, ist das Toggenburg ans Herz gewachsen. (Bild: Sabine Schmid)

Von seinem Wohnort Sevelen ist es nur ein Katzensprung in die Ferienwohnung in Wildhaus. Deshalb sind Richard Brander und seine Familie oft im Obertoggenburg anzutreffen. Momentan verbringt er seine Sommerferien in Wildhaus, wo es ihm niemals langweilig wird.

Richard Brander, was haben Sie gestern unternommen?

Meine Familie und ich sind auf Gamplüt gewandert. Von dort sind wir hinuntergelaufen und unterwegs im Hagbeizli eingekehrt. Wir verlassen unser Ferienhaus jeden Tag, machen einen Ausflug oder besuchen eine Badi.

Was gefällt Ihnen an der Ferienregion Wildhaus-Alt St. Johann?

Der Gast hat viele Möglichkeiten, kann baden, in die Höhe fahren, einen leichten Spaziergang, eine längere Wanderung oder sogar eine Bergtour machen. Man unterschätzt die Region, gerade im Sommer.

Reicht Ihnen das bestehende touristische Angebot?

Da schlagen zwei Herzen in meiner Brust. Weil ich das Toggenburg gern habe, reicht mir das. Aber mit dem bestehenden Angebot kann man heute die Leute nicht mehr hierher in die Ferien locken. Dafür müsste es mehr geben, sowohl bei den Attraktionen als auch beim Hotelangebot.

Wenn man alle Bedenken ausklammert, welche touristische Attraktion würden Sie im Obertoggenburg realisieren?

Im Gegensatz zu anderen, ähnlich grossen Destinationen, hat es kein Bad mit Wellnessbereich, das jeder nutzen kann.

Eine neue touristische Attraktion ist zweifelsohne der Baumwipfelpfad in Mogelsberg. Nimmt man den als Feriengast in Wildhaus-Alt St. Johann wahr?

Auf jeden Fall. Der liegt aber weit weg für die Gäste hier in Wildhaus-Alt St. Johann.

Glauben Sie nicht, dass die Gäste im Obertoggenburg den Baumwipfelpfad trotzdem besuchen?

Doch. Ich habe bereits von einigen Zweitwohnungsbesitzern gehört, dass sie den Baumwipfelpfad besucht haben. Ich denke aber, dass man ihn wahrnimmt, weil er gesamtschweizerisch in den Medien war. Die Hotels im Obertoggenburg können dieses Angebot nicht vermarkten und davon profitieren.

An schönen Morgen im Sommer und im Winter herrscht reger Verkehr ins Obertoggenburg und am Abend wieder hinaus. Die Übernachtungszahlen hingegen bleiben tief. Wie könnte man Gegensteuer geben?

Ich denke, in Wildhaus-Alt St. Johann hat man in den vergangenen Jahren zu sehr auf den Tagestourismus gesetzt. Gerade die Bahnen sind eher an den Tagestouristen als an Übernachtungsgästen interessiert. Um mehr Feriengäste anzulocken, müsste man die Hotels attraktiver machen und die Werbung intensivieren, vereinzelte Hoteliers haben die Zeichen der Zeit erkannt und investieren für die Zukunft. Ich habe schon mehrere Geschäftsanlässe und Militärtreffen hier oben organisiert. Viele waren deshalb zum ersten Mal da und sie waren von der schönen Landschaft überwältigt.

Kommen solche Personen wieder oder reicht es denen, wenn sie es einmal gesehen haben?

Sie kommen wieder. Ich habe letzthin ein Neumitglied unseres Vereins gefragt, warum er hier eine Ferienwohnung gekauft hat. Seine Antwort war, weil er hier Skifahren gelernt hat. Auch das Wildhauser Open-Air zieht Menschen an, die später für einige Tage ins Toggenburg zurückkehren. Ich finde auch die Klangwelt positiv und gut. Aber mit dem Klangweg zieht auch sie eher Tagesgäste an und die Kursteilnehmer bleiben oftmals unter sich.

Wie erleben Sie die Belegung der Zweitwohnungen?

Die ist sehr unterschiedlich. Ich schätze, dass etwa 50 Prozent der Zweitwohnungen in Wildhaus-Alt St. Johann sehr gut und regelmässig belegt sind. Die anderen sind selten belegt, so zwei bis dreimal im Jahr. Diese Schätzungen sind aber nicht fundiert.

Wer sind diese Zweitwohnungsbesitzer?

Es sind mehrheitlich ältere Personen. Vielfach kommen die Jungen nicht ins Toggenburg. Das hat damit zu tun, dass viele die Möglichkeiten für Teenager zu wenig kennen. Vielleicht kommen sie dann später wieder, wenn sie selber Kinder haben. Unsere Familie ist eine Ausnahme, unsere Tochter, die immer gerne nach Wildhaus mitkommt, ist die vierte Generation im Ferienhaus.

Was gefällt ihr besonders?

Sie geht gerne in die Badi oder an den Schönenbodensee, kommt mit zum Wandern und besucht gerne mit uns die örtlichen Restaurants. Das ist genau das, was man fördern sollte.

Hat der Feriengast Kontakt mit Einheimischen?

Ja, selbstverständlich. Es ist eine Mär, dass der Obertoggenburger verschlossen ist. Ich persönlich erlebe ihn als offen, aber zugegeben, er hat es lieber, wenn man auf ihn zugeht. Wir haben gute Kontakte zu den Einheimischen, sogar fast mehr als mit anderen Zweitwohnungsbesitzern.

Die Bergbahnen werfen derzeit ein schlechtes Licht auf das Obertoggenburg. Verfolgen Sie das mit Sorge?

Das ist eine grosse Sorge hier oben. Unser Verein hat deswegen an den Regierungsrat geschrieben und ihn gebeten, die Bundesgelder für den Ausbau der Achse Wildhaus freizugeben. Wir finden es nicht richtig, dass die Regierung die Gelder nur zahlen will, wenn das gemeinsame Ticket fortgeführt wird oder die Bahnen sogar fusionieren. Gerade auch, weil das Seco kürzlich festgestellt hat, dass die beide Bahnen weit auseinander sind. Leider blockiert der Verwaltungsrat der Toggenburg Bergbahnen AG jedes Gespräch über Tickets oder Fusion, obwohl die Bergbahnen Wildhaus AG darauf eintreten möchten und verhindert damit einseitig jede Entwicklung. Wir fänden es besser, wenn die Bergbahnen Wildhaus zuerst ausbauen könnten und dann über eine Fusion gesprochen wird.

Was würde es für die Feriengäste bedeuten, wenn es das gemeinsame Ticket nicht mehr gäbe?

Es wäre für die Feriendestination sicher schlecht, auch wenn viele Gäste erwiesenermassen nur auf einer Achse fahren. Viel schlimmer finde ich, dass die eine Bahn durch die Blockierung von Fördergeldern die andere am Ausbau hindert.

Die Stimmbürger von Wildhaus- Alt St. Johann haben im Frühling dem Erlebnishotel den Todesstoss gegeben. Wie haben Sie als Zweitwohnungsbesitzer das erlebt?

Ich finde es schade, dass die Bürger den Kredit abgelehnt haben. Das Hotel wäre sicher ein neuer Leuchtturm gewesen in Wildhaus. Ich kann mir vorstellen, dass es für die Bevölkerung zu wenig klar war, was sie für den Gemeindebeitrag von 7 Millionen Franken als Gegenleistung bekommen hätten. Dazu kommt, dass die Konstellation mit dem österreichischen Betreiber und dem liechtensteinischen Investor einigen Einheimischen sauer aufgestossen ist. Der Entscheid ist so gefallen und den müssen wir akzeptieren, auch wenn ich die Idee nach wie vor hervorragend finde.

Die Zweiwohnungsbesitzer zahlen rund einen Viertel der Steuereinnahmen der Gemeinde Wildhaus-Alt St. Johann. Ist es nicht frustrierend, wenn Sie nicht mitreden können, wie dieses Geld verwendet wird?

Das muss man differenzieren. Wir haben unseren Hauptwohnsitz ja bewusst nicht in Wildhaus-Alt St. Johann und darum würde ein Mitspracherecht in Gemeindeangelegenheiten zu weit führen. Über den Verein pflegen wir ein sehr gutes Verhältnis zum Gemeindepräsidenten, er hört uns zu und nimmt unsere Anliegen ernst.

Haben Sie über den Verein Einfluss auf die Gemeinde, dass Sie Wünsche einbringen können?

Das ist der Zweck unseres Vereins. Nebst dem regelmässigen Austausch mit dem Gemeindepräsidenten führen wir gemeinsam die Jahresversammlung der Zweitwohnungsbesitzer durch, wo jeder mit dem Gemeindepräsidenten diskutieren kann. Diese Zusammenarbeit ist sehr gut, da gibt es nichts zu verbessern.

Sie sind erst seit wenigen Monaten Präsident von Pro Toggenburg. Welche Ziele haben Sie sich gesetzt?

Mein Hauptziel ist, dass der Zweitwohnungsbesitzer mit den Einheimischen Kontakt pflegt. Wir möchten, dass die Gäste das Angebot von hier oben nutzen, dass sie einheimische Handwerker unterstützen, wenn sie Bauvorhaben haben. Dass sie in den Dörfern einkaufen und in die Restaurants essen gehen, denn viele Zweitwohnungsbesitzer sind auch in der Zwischensaison im Dorf.

Arbeitet der Verein auch mit Toggenburg Tourismus zusammen?

Pro Toggenburg ist Mitglied im Verein und mit einer Person im Vorstand vertreten. Dort pflegen wir einen regen Austausch, ähnlich wie mit der Gemeinde.

Als langjähriger Zweiwohnungsbesitzer kennen Sie das Obertoggenburg sehr gut. Was empfehlen Sie den Gästen und den Einheimischen, was man im Toggenburg gesehen und erlebt haben muss?

Im Sommer muss man sicher den Klangweg begehen, es lohnt sich auch ein Ausflug auf Gamplüt und ins Älpli-Laui Dazu kommen der Chäserrugg und das Oberdorf, und zwar im Sommer und im Winter.

Zweitwohnungsbesitzer näher zu Einheimischen bringen

Vor knapp vier Jahren haben sich Besitzer von Zweitwohnungen in Wildhaus-Alt St. Johann zum Verein ProToggenburg.ch zusammen geschlossen. Der Anteil an Zweitwohnungen ist nicht zu unterschätzen, in Wildhaus-Alt St. Johann sind fast 63 Prozent der Wohnungen als Zweitwohnungen genutzt. Inzwischen gehören rund 200 Mitglieder dem Verein an. Sein wichtigstes Ziel ist es, durch eine konstruktive Zusammenarbeit mit den lokalen Gremien und der einheimischen Bevölkerung zu einer gesunden Entwicklung des oberen Toggenburgs beizutragen. Der Verein sieht sich auch als Bindeglied von Feriengästen und Einheimischen und sorgt für den Informationsaustausch. Jährlich führt der Verein mehrere Veranstaltungen durch, von gemütlichen Treffen über Betriebsbesichtigungen bis zur Jahresversammlung der Zweitwohnungsbesitzer in Wildhaus-Alt St. Johann. (sas)

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