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In vier Jahren können alle Dörfer von Bazenheid bis Neu St. Johann umfahren werden

Bis 2022 soll die Lücke zwischen den Umfahrungen Wattwil und Ebnat-Kappel geschlossen werden. Heute Mittwochmorgen fand der feierliche Spatenstich statt. Fast ein Drittel der neuen Strasse sind Kunstbauten.
Martin Knoepfel
Der Spatenstich fand am Mittwochmorgen statt. (Bild: Martin Knoepfel)

Der Spatenstich fand am Mittwochmorgen statt. (Bild: Martin Knoepfel)

Für den Spatenstich für die zweite Etappe der Umfahrung Wattwil hatten sich die Organisatoren etwas Spezielles einfallen lassen. Mitglieder der Fallschirmgruppe Sittertal brachten kurz vor elf Uhr die metallenen Schaufeln für die Spaten auf dem Luftweg in die Stegrüti zwischen Wattwil und Ebnat-Kappel. Die Fallschirmspringer kennen das Gelände, weil vor kurzem die Schweizer Meisterschaften hier stattgefunden haben.

Trotzdem flogen zwei von ihnen etwas weiter als die vorgesehene Landestelle. Einer beendete seinen Flug in einem beweglichen Zaun, der für die Feier aufgestellt worden war. Der andere schaffte es nur knapp, den Aufprall auf ein Transformatorenhäuschen und einen Metallzaun zu vermeiden. Er landete auf einer Wiese dahinter. Beide blieben unversehrt.

Die Feier für den zeremoniellen Spatenstich fand vor zahlreichen Gästen aus Politik, Wirtschaft und Verwaltung statt. Innerhalb von vier Jahren soll nun die Lücke zwischen der ersten Etappe der Umfahrung von Wattwil und der Umfahrung Ebnat-Kappel geschlossen werden Wenn der Lückenschluss vollzogen sein wird, wird man alle Dörfer im Thurtal von Bazenheid bis Neu St. Johann umfahren können.

«Realisierung ist zeitlich kürzeste Phase»

Regierungsrat Marc Mächler verglich die neue Strasse mit dem Reissverschluss, der gestern vor 125 Jahren in den USA patentiert worden sei. Man bringe zusammen, was zusammengehöre. Der Kanton verbessere die Erreichbarkeit der ganzen Region, indem er eine wichtige Lücke im Toggenburger Strassennetz schliesse. Umfahrungen könnten die Menschen vor den Folgen des Verkehrs schützen, sagte der Vorsteher des Baudepartements. Es gebe aber auch Menschen, die von solchen Projekten negativ betroffen seien, räumte Marc Mächler ein. Was früher an Strassen gebaut worden sei, sei heute nicht mehr wegzudenken, sagte Kantonsingenieur Marcel John an die Adresse derer, die den Strassenbau in ländlichen Gebieten kritisieren.

Verkehrswege seien schon immer Lebensadern der Gesellschaft gewesen, sagte Gemeindepräsident Alois Gunzenreiner (Wattwil). Er erinnerte daran, dass es schon in den 50er-Jahren des letzten Jahrhunderts Überlegungen für eine Umfahrung von Wattwil gegeben hat. Die Realisierung sei nun die zeitlich kürzeste Phase des Projekts, sagt er. Neue Verkehrswege im Toggenburg seien wichtig, um die regionale Entwicklung aufrechtzuerhalten.

Entlastung der Ortskerne

Die Umfahrungen ermöglichten eine Entlastung der Ortskerne und mehr Qualität für Einwohner und für Personen, die in den Dörfern arbeiten. Wattwil werde voraussichtlich in den nächsten Jahren für verschiedene Projekte grob geschätzt rund 12 Millionen Franken in Strassenprojekte im Zentrum investieren. Zudem beabsichtigt der Gemeinderat von Wattwil laut Alois Gunzenreiner, den Kredit für die Umgestaltung der Bahnhof- und der Poststrasse im November vors Volk zu bringen.

Ebnat-Kappel habe vor 50 Jahren vorgemacht, welches der Nutzen einer Umfahrung sei. «Es ging etwas länger, bis andere das eingesehen haben», sagte Christian Spoerlé, Gemeindepräsident von Ebnat-Kappel. Die Menschen in der Gemeinde wüssten, was eine Umfahrung an Lebensqualität bringe. Einen Wermutstropfen sieht Christian Spoerlé allerdings: Die neue Brücke über die Bahnlinie und die Thur wird einen markanten Schnitt im Tal bringen. Der wunderbare Blick auf die Churfirsten und die Kirche werde deshalb nach dem Bau der Brücke nicht mehr möglich sein, sagte Christian Spoerlé und riet den Zuhörern, diesen Spaziergang noch einmal zu machen. Als Mitglied der Jury des damaligen Wettbewerbs für die Thurbrücke attestierte er der gewählten Konstruktion aber, dass sie sehr filigran sei.

Entlastung der Wiler- und der Ebnaterstrasse

Die neue Strasse bringt einerseits eine Zeitersparnis von mehreren Minuten gegenüber der heutigen Route durch Wattwil. Andererseits soll die neue Strasse die Wiler- und die Ebnaterstrasse in Wattwil entlasten.

Beide Strassen sind stark befahren. Auf der Wilerstrasse betrug der durchschnittliche Tagesverkehr (DTV) letztes Jahr 15'047 Fahrzeuge. Wenn man nur die Werktage berücksichtigt, waren es 16'178 Fahrzeuge. Am verkehrsreichsten Tag des vergangenen Jahres, dem 15. Juni, zählte man 23'016 Fahrzeuge. An der Ebnaterstrasse in Wattwil waren es im Jahresmittel 2017, 8'578 Fahrzeuge. Wenn man nur die Werktage ansieht, kommt man auf 9'162 Fahrzeuge. Am meisten Fahrzeuge verzeichnete man an dieser Stelle allerdings an einem Samstag. Am 11. November 2017 passierten 13'719 Fahrzeuge.

Halb so viel Verkehr

Die neue Strasse dürfte den Verkehr auf der Wiler- und der Ebnaterstrasse um die Hälfte reduzieren. Die Entlastung dürfte auf der Ebnaterstrasse stärker ausfallen als auf der Wilerstrasse. Davon gehen die Vertreter des kantonalen Tiefbauamtes aus. Ursprünglich war die gleichzeitige Inbetriebnahme der Umfahrungen Bütschwil und Wattwil 2. Etappe für 2020 geplant. Nun soll die neue Strasse 2021 im Rohbau fertig sein. Die Inbetriebnahme ist dann für 2022 vorgesehen.

Vorarbeiten für die neue Strasse haben schon vor einiger Zeit begonnen, zum Beispiel in der Stegrüti. Nach Auskunft von Marcel John und Ruedi Vögeli, Leiter Kunstbauten im kantonalen Tiefbauamt, werden nun zuerst die Brücke über die Bahnlinie und die Thur sowie eine Hilfsbrücke erstellt. Die neue Brücke wird bei der Überquerung der Bahn zehn Meter hoch sein. Sie soll in einem Jahr fertig sein, sodass die grossen Materialtransporte über die neue Brücke erfolgen statt durchs Dorf. Die Vertreter des Tiefbauamts sagen selber, dass dieser Zeitplan anspruchsvoll ist. Eine Herausforderung beim Bau der Umfahrung sei auch die Logistik.

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