In Lichtensteig ging es am Samtagabend um Filicudi und um das Klebeband

Mit Adriano Regazzin und Jan Geiger waren zwei einheimische Künstler am Samstag im Chössi-Theater in Lichtensteig zu Gast. Für den einen war es eine Premiere, für den anderen fast.

Michael Hug
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Adriano Regazzin alias Montefalcone erzählt zu allen seinen Stücken eine Anekdote.

Adriano Regazzin alias Montefalcone erzählt zu allen seinen Stücken eine Anekdote.

Bild: Michael Hug

Sie haben miteinander nicht viel gemeinsam, ausser dass sie beide Toggenburger sind: Jan Geiger alias Klebeband und Adriano Regazzin alias Montefalcone. Und dass beide Musiker sind. Beide sind auch Musiklehrer, in Wattwil der erstere, in Trogen der zweite. Beide haben den Jazz studiert, auf dem Klavier der zweite, auf dem Schlagzeug der erste. Also doch einiges gemeinsam.

Doch ihr Output, also die Performance, die Geiger und Regazzin von sich geben, könnte unterschiedlicher nicht sein. Der eine, Regazzin, widmet sich dem soliden, selbstkomponierten Klavierspiel. Der andere, Geiger, frönt dem tiefschürfenden Nonsens in Text und Percussion.

Melancholische Kompositionen

Montefalcone zeigte seine Show am Samstagabend im Chössi-Theater als Erster. Seine etwas melancholischen Kompositionen stammen fast alle von einer kreativen Retraite, die er 2017, elf Jahre, nachdem er sein Studium in Jazz an der Hochschule Luzern abgeschlossen hatte, in Rom und auf Filicudi, einer der sieben Liparischen Inseln, verbracht hat.

In Rom, so erinnerte sich Regazzin in seinen Erläuterungen zwischen den Songs, habe er als Erstes ein Stück geschrieben, das sonderbarerweise «Partenza» heisst, also Abfahrt. Dabei habe ihm die Stadt so viel gegeben und nie zur Abreise getrieben. Im Gegensatz zur Insel Filicudi, von der er am liebsten schon am zweiten Tag wieder abgereist wäre.

In der Folge spielte Regazzin eine ganze Reihe kurzer, impressiver Stücke, die er nach jenem Aufenthalt in der Ewigen Stadt auf zwei EP veröffentlicht hat. Interessant dabei: Die Rom-Stücke waren die melancholischen, träumerischen, die Songs von der Insel die lebhaften, lebendigeren.

Live hat Adriano Regazzin seine Kreationen noch nie gespielt. Bis anhin und wohl auch weiterhin hat der Wattwiler vorab in verschiedenen Bands den Klavierpart übernommen. Dieser Auftritt im Chössi war sein erster als Solist.

Seltsame, aber doch harmonische Töne

Jan Geiger alias Klebeband gibt im Chössi-Theater den «Berufsverrater».

Jan Geiger alias Klebeband gibt im Chössi-Theater den «Berufsverrater».

Bild: Michael Hug

Jan Geigers Auftritte in der Öffentlichkeit lassen sich ebenso an einer Hand aufzählen. Kleinkunstaffine Obertoggenburger im Chössi-Publikum dürften den als «Klebeband» bekannten Künstler im vergangenen September am Open Stage im Zeltainer erlebt haben. Zu seinem Namen sagt der Musiklehrer an der Kanti Wattwil:

«Ich habe als Bub einiges mit Klebeband zusammengeklebt, auch Konservendosen, die ich dann als Schlagzeug behämmert habe. Darum Klebeband.»

Ausserdem «klebt» Geiger sich mittels Klettbändern einen Minisynthesizer auf die Oberschenkel, dem er gar seltsame, dennoch harmonische Töne entlockt, die seine mehr oder weniger geistreichen, oft an den Haaren herbeigezogenen Texte begleiten.

Zum Beispiel wenn er sich als «Berufsverräter» outet und den Beruf des «Stromers» (Elektromonteur) vorstellt: «Vilicht wird dir emol es Liecht ufgoo, vilicht au nu es L-e-dee, vilicht lauft den gad au noo ei-sii-di-sii im Radio oder am Fernsee – mach mit Gliich und Wechselschrom kai Puff, well du merksch, s’hätt äbe gliich Schtroom do druff.»