Serie
Wattwiler auf Weltreise (Folge 1): In einer Woche so viel erlebt wie sonst in einem Jahr

Maurice Grob aus Wattwil ist im September 2018 zu einer Weltreise aufgebrochen, die fünf Jahre dauern soll. Unterwegs wird er zudem ein Fernstudium in Mathematik absolvieren. In loser Folge berichtet der Toggenburger von seinen Erlebnissen.

Maurice Grob
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Kochen und essen unter freiem Himmel – der 25-jährige Maurice Grob hat sich für seine Reise gut ausgerüstet. (Bild: PD)

Kochen und essen unter freiem Himmel – der 25-jährige Maurice Grob hat sich für seine Reise gut ausgerüstet. (Bild: PD)

Der Start meiner Weltreise, die fünf Jahre dauern soll, ist mir auf jeden Fall geglückt. Nach einer verrückten Nacht inmitten des Kreisels in meinem Heimatort Wattwil wurde ich um 7 Uhr von der Polizei geweckt. Gestärkt mit Kaffee und Gipfeli ging es anschliessend zu Fuss los in Richtung Schaffhausen. Auf verschiedenen Wegabschnitten begleiteten mich einige Freunde, mit denen ich am Abend in Eschlikon auf einem Bauernhof den Abschied feierte. Am Morgen kam die erste Überraschung, als uns der Bauer zum Frühstück einlud.

Ein ungewöhnlicher erster Schlafplatz: Mitten im Kreisel in Wattwil legte sich Maurice Grob aufs Ohr (Bild: PD)

Ein ungewöhnlicher erster Schlafplatz: Mitten im Kreisel in Wattwil legte sich Maurice Grob aufs Ohr (Bild: PD)

Von Aadorf aus ging es dann alleine weiter. Nach einer kalten Nacht in Frauenfeld kam ich am Montagabend am Rheinfall an. Von dort aus reiste ich weiter mit Autostopp und dem Ziel, nach Dortmund zu kommen. Nach anfänglichen Bedenken über die Machbarkeit meiner Reise war ich sehr schnell über der Grenze und mit drei Autos kam ich bis nach Stuttgart, wo ich die Nacht auf einer Autobahnraststätte verbrachte.

Mit nicht viel mehr als Zeit und Spontanität im Gepäck ging meine Tour weiter nach Luxemburg, inklusive polnischem Mittagessen aus einer LKW-Bordküche. Ohne wirkliche Orientierung an der belgischen Grenze ging es über Bastogne nach Liège, wo ich zum Abendessen eingeladen wurde. Mein spontaner Gastgeber offerierte mir eine Dusche und einen Schlafplatz in seinem Wohnwagen, und mir wurden sogar die Kleider gewaschen.

Über Holland nach Deutschland

Mit Begleitung bis an die niederländische Grenze hörte das Märchen auch dort nicht auf. Ich traf auf der ersten Raststätte einen Luxemburger mit Hund, der mich für zwei Tage an eine Erinnerungsfeier zum Zweiten Weltkrieg mitnahm und mir so die Geschichte des Alliierten-Einmarsches in Holland näher brachte.

Schlafen unter freiem Himmel. Maurice Grob nächtigt, wo er gerade ist. (Bild: PD)

Schlafen unter freiem Himmel. Maurice Grob nächtigt, wo er gerade ist. (Bild: PD)

Schliesslich zog es mich dann doch noch in Richtung Deutschland. Zuerst mit zwei motivierten Schalke-Fans nach Gelsenkirchen, an ein Fussballspiel Schalke 04 gegen Bayern München, mit Zwischenhalt beim griechischen Imbiss, und nach dem Spiel mit einem traurigen Schalke-Fan direkt an mein Ziel in Witten.

Mit offenem Herzen auf andere Leute zu gehen.

Dass ich bis zu diesem Tag schon seit einer Woche ohne Handy-Akku war, fiel mir gar nicht auf. Und die Gastfreundschaft der Menschen, die ich unterwegs antraf, war unglaublich umwerfend.

Wenn man in einer Woche so viel erlebt wie sonst in einem Jahr, ist man dann auf dem richtigen Weg? Es hat sich wieder einmal mehr gezeigt, was wir so viel auf Facebook posten und doch selten wirklich leben. Trotz einer gesunden Vorsicht, lohnt es sich meistens, wenn wir Vorurteile über den Haufen werfen und mit offenem Herzen auf andere Leute zu gehen. Denn was wir zurück bekommen ist unbezahlbar und die neuen Erkenntnisse über eine Kultur oder ein Land sind eine Lehre für das Leben.

Blog als Tagebuch

In seinem Blog berichtet Maurice Grob in englischer Sprache über seine Erlebnisse.

Hier finden Sie alle Einträge des Weltenbummlers