In der Ruhe liegt die Kraft

Das «Toggenburger Tagblatt» war zu Besuch beim Tageskurs für private Fischereiaufseher in Wattwil. Angesprochen wurde auch das Bachforellensterben in der Thur.

Fränzi Göggel
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Die kantonalen Fachspezialisten präsentierten einen kurzweiligen, lehrreichen Kurs. Von links nach rechts: Daniel Landis, Präsident des kantonalen Fischereiverbandes St. Gallen, Christoph Birrer, Leiter Fischerei, Christoph Mehr und Marcel Zottele, kantonale Fischereiaufseher, Michael Kugler, Fachspezialist. (Bild: Fränzi Göggel)

Die kantonalen Fachspezialisten präsentierten einen kurzweiligen, lehrreichen Kurs. Von links nach rechts: Daniel Landis, Präsident des kantonalen Fischereiverbandes St. Gallen, Christoph Birrer, Leiter Fischerei, Christoph Mehr und Marcel Zottele, kantonale Fischereiaufseher, Michael Kugler, Fachspezialist. (Bild: Fränzi Göggel)

An den meisten Gewässern in der Schweiz ist eine Fischereiberechtigung erforderlich. Sei dies eine Tageskarte oder das Fischereipatent.

War früher ein Fischereiaufseher eher ein am Gewässer tätiger Billet-Kontrolleur, erfüllen heutzutage die Fachleute ihre vielfältigen Aufgaben nach der eidgenössischen und kantonalen Fischereigesetzgebung. Die rund 200 privaten Fischereiaufseher im Kanton St. Gallen arbeiten meist ehrenamtlich für einen Fischereiverein und unterstützen die kantonale Fischereiaufsicht.

Mit hoher Fachkenntnis und Witz durch den Kurs geführt

30 Männer quer durch alle Altersklassen besuchten den Kurs zum privaten Fischereiaufseher, der von vier kantonalen Fachspezialisten erteilt wurde. Sämtliche Absolventen sind Mitglied in einem der 21 Fischereiverein im Kanton St. Gallen.

Die Themen des Kurses sind vielschichtig und betreffen nebst der Kontrolle der Fischerei die Bewirtschaftungsmassnahmen, Beobachtung und Schutz des Lebensraums und die Bestände der Wassertiere.

Daneben misst der kantonale Fischereichef Christoph Birrer der Beratung von Fischerinnen und Fischern eine grosse Bedeutung zu. Er ermuntert die Kursteilnehmer nebst der Kontrolle, auch ungeübten Anglern die richtige Fangtechnik zu erklären und sie auf Fehler hinzuweisen.

Heiteres Gelächter ertönte im Kurs

Christoph Birrer lehrte trockene Theorie auf humorvolle Weise. Die witzige Art, den Lehrstoff zu vermitteln, bewirkte eine hohe Aufmerksamkeit und eine gesunde Lockerheit bei den Kursteilnehmern. Auf seine Frage wie man feststellen könne, ob Schaum in einem Bach natürlich oder eine Gewässerverschmutzung sei, kommentierte einer: «Muesch halt en Schluck näh».

Am Nachmittag wurde anhand von gestellten Fallbeispielen das Gelernte vertieft. Das Ansprechen während einer Kontrolle, die Berichterstattung und die Gratwanderung einer allfälligen Kompetenzüberschreitung wurden in Rollenspielen ausführlich behandelt.

«Bachforellensterben ist brutal tragisch»

Der kantonale Fischereiaufseher Christoph Mehr plädierte für menschliches Verständnis: «Ein schöner Tag für mich ist, wenn ich nur auf korrekte Fischer treffe. Sollte dies ein seltenes Mal nicht der Fall sein, sage ich mir, in der Ruhe liegt die Kraft, und gehe die Situation überlegt an. Ihr habt euch entschieden, diesen Job für den Verein zu übernehmen. Da gehört Zivilcourage dazu.»

Schaut hin, und nicht weg. Meldet, wenn etwas nicht stimmt, denn auf Fischer, die betrügen, sind wir nicht angewiesen.

Das Bachforellensterben an der Thur ging den kantonalen Fischereispezialisten richtig nah. «Die privaten Fischereiaufseher sind stets lokal vor Ort, oft mehrmals täglich. Egal ob am Fischen, am Spazieren oder am Kontrollieren; stets sind sie aufmerksam und können Veränderungen in der aquatischen Fauna feststellen. Das Bachforellensterben wurde so entdeckt. So etwas ist brutal tragisch.»

Die Thur war der beste kantonale Bachforellenfluss, da sie nicht so stark verbaut ist wie ein Binnenkanal oder die Linth.

«Seit zirka drei Jahren dezimieren sich die Bestände, man kann förmlich zuschauen. Das tut weh und macht uns sehr betroffen. Eine vermutete Ursache sind chemische Stoffe, auch in Bezug auf den Menschen. Bewiesen ist das aber nicht», äusserte sich Christoph Mehr über die aktuelle Situation im Toggenburg.»