In Bütschwil-Ganterschwil besteht seit zwei Jahrzehnten ein Kinderparadies im Wald

Die Spielgruppe Windrad wird 20 Jahre alt. Spielgruppenleiterin Eveline Bleiker spricht über die Veränderungen der Kinder und über die Spielgruppe im Wald.

Corinne Bischof
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Die Kinder der Spielgruppe Windrad toben sich auf der selbst gebauten Schaukel aus. (Bild: PD)

Die Kinder der Spielgruppe Windrad toben sich auf der selbst gebauten Schaukel aus. (Bild: PD)

Schon von weitem hört man fröhliches Kindergeschrei, wenn man in Ganterschwil die Kirchgasse und später auf dem Kiesweg bergauf in Richtung Waldrand läuft. Bei Wind und Wetter treffen sich hier jeden Dienstag rund 16 kleine Buben und Mädchen, um gemeinsam einen Morgen im Wald zu verbringen. Es wird getobt, gerannt, gebastelt und gespielt.

Dieses Jahr feiert die Spielgruppe Windrad ihr 20-Jahr-Jubiläum. Eveline Bleiker ist seit sechs Jahren Spielgruppenleiterin für die Kinder aus Bütschwil, Ganterschwil und Dietfurt. Die Waldspielgruppe, die zurzeit am Dienstagmorgen stattfindet, hat sie vor vier Jahren ins Leben gerufen.

Immer mehr Kinder in der Spielgruppe

Dass im Vergleich zu der Spielgruppe vor zwanzig Jahren einiges anders ist, kann man vermuten. Doch nur schon in den letzten fünf Jahren, in denen Eveline Bleiker für die Spielgruppe verantwortlich war, hat sich viel verändert. Die Spielgruppe ist gewachsen. «Wir haben immer mehr Kinder in der Spielgruppe», erzählt Eveline Bleiker. «Und das unabhängig von der Grösse der Jahrgänge.» In Ganterschwil beispielsweise werden dieses Jahr rund 90 Prozent der Kinder im Vorschulalter in die Spielgruppe Windrad geschickt. In Bütschwil und Dietfurt sieht es ähnlich aus. «Die Gemeinde steht voll und ganz hinter uns», sagt Eveline Bleiker. Nebst der Waldspielgruppe gibt es eine Innenspielgruppe und die Zwergligruppe für die kleinsten Kinder. Das Angebot der Spielgruppe ist deutlich umfassender, als es früher war und das nicht nur, weil sie vor einigen Jahren in grössere Räumlichkeiten umgezogen ist.

Eveline Bleiker und ihr Team sind jeden Morgen mit den Kindern beschäftigt – und nicht selten auch nachmittags. Doch die Veränderungen, die in den letzten Jahren geschehen sind, waren nicht nur positiv. «Die meisten Kinder haben heute so viel Programm, dass viele erst lernen müssen, sich selber zu beschäftigen und ihre Fantasie zu nutzen», meint Eveline Bleiker. Vor allem in der Waldspielgruppe merkt man das. «Es braucht einiges mehr, bis die Kinder die Konsumhaltung aufgeben und wieder kreativer werden», meint sie nachdenklich. Aber auch in der Innenspielgruppe passiert Kurioses. Nicht selten sieht Eveline Bleiker Kinder, die versuchen, das kabellose Spieltelefon per Touchscreen zu bedienen. «Leider erfolglos», sagt sie und lacht.

Die Natur ist das einzige Spielzeug

Verändert hat sich auch die Zusammensetzung des Teams. «Heute arbeiten hier nur ausgebildete Pädagoginnen», erzählt Eveline Bleiker. Ihr ist es wichtig, dass die Spielgruppenleiterinnen wissen, was sie machen. «Das gibt nicht nur den Eltern Sicherheit, sondern auch uns selbst», meint sie. Geschätzt wird das von allen Seiten. So hat die Spielgruppe bereits zum zweiten Mal das Qualitätslabel des SSLV erhalten.

Eveline Bleiker ist selbst diplomierte Spielgruppenleiterin und Naturpädagogin. «Ich bin ein Naturmensch», sagt Eveline Bleiker. Deshalb hat sie vor vier Jahren auch die Waldspielgruppe gegründet. Hier wird alles aus der Natur gemacht. Die Kinder sammeln Birkennüsse, aus denen später Ketten und Anhänger gebastelt werden. Zum Znüni gibt’s heute Würste, die über dem Feuer gekocht werden. Gespielt wird auf selbst gemachten Holzschaukeln, in Sandkästen aus Hobelspähen und in voller Montur. «Matschhosen und Regenjacke dürfen nicht fehlen», meint Eveline Bleiker.

Nebst guter Kleidung lässt sich hier aber vor allem eines nicht wegdenken: Die kindliche Kreativität, die in jedem Stein oder Stock ein Feuerwehrschlauch, eine Räuberpistole oder einen magischen Besen zu erkennen mag.