Schweizer Meisterschaft gab Impulse für die olympische Sportart Taekwondo

Die 39. Taekwondo-Schweizer-Meisterschaft in der Wattwiler Markthalle hat die Erwartungen organisatorisch und sportlich übertroffen. OK-Präsident Peer Steinkellner zeigt sich auch mit der Medaillenbilanz seiner Schüler zufrieden.

Urs Huwyler
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Radu Hunziker (blau) aus Mosnang gehört zu den vielen Xing Wu Guan-Talenten. (Bild: Urs Huwyler)

Radu Hunziker (blau) aus Mosnang gehört zu den vielen Xing Wu Guan-Talenten. (Bild: Urs Huwyler)

Daniel Liederer, Chef Breitensport/Medien bei Swiss Taekwondo, schaute sich in der Wattwiler Markthalle um und fasste seine Eindrücke zusammen: «Was die Organisatoren auf die Beine gestellt haben, ist überdurchschnittlich. Wir haben schon andere Meisterschaften erlebt. Die originell konstruierte Halle ist perfekt. Sie bietet genügend Platz, die einzelnen Sektoren sind abgetrennt und die Zuschauer sind trotzdem nahe dran.» Worüber das Vorstandsmitglied zusätzlich staunte: Am Freitag wehte noch ein Duft von Landwirtschaft durch seine Nase, an den Wettkampftagen roch es nicht nach muhenden Vierbeinern, sondern kampfschreiende Zweibeiner bestimmten die Szene.

Post geht während des Direktduells ab

Wobei die Stimmung im gut besetzten «Stadion» mit Tribüne besonders durch die olympischen Vollkontakt-Disziplinen angeheizt wurde. Die Formen-Läufe am ersten Tag vermitteln zwar Einblicke, was Mann und Fachfrau unter Teakwondo versteht, aber die Post ging – auch beim lautstarken Publikum – während der Direktduelle ab. «Neutrale» Interessierte werden schon mal überfordert, weil ihre Augen kaum zu erfassen vermögen, weshalb gejubelt wird, ob der Rote oder Blaue den Treffer gesetzt hat und weshalb die elektronische Anzeige einen neuen Punktestand vermeldet.

Tanja Kappler bei ihrer Kür im Formen-Bewerb. (Bild: Urs Huwyler)

Tanja Kappler bei ihrer Kür im Formen-Bewerb. (Bild: Urs Huwyler)

Im eidgenössischen Schwingen ist alles etwas einfacher als beim koreanischen Taekwondo: Wer dem andern das Sägemehl vom Rücken wischt, hat gewonnen. Andererseits sind die Kampfsportler auch den Fussballern weit voraus. Bei ihnen gibt es den «Video»-Beweis schon lange und er funktioniert sogar (diskussionslos).

Wattwiler vermögen durchaus mitzuhalten

Aber auch nicht kampferprobte Beobachter erkannten von der Intensität, dem Tempo sowie der Taktik und technischen Fähigkeiten relativ schnell, auf welchem Court sich die Spitze bekämpfte. Da wurden zwischen zwei Kaderleuten eine Sekunde vor Schluss mit letzter Energie noch entscheidende Punkte gesetzt. Und das Resultat vom unterlegenen Gegner akzeptiert. Auch von dessen Umfeld und allenfalls den mitfigthenden Eltern und Trainern, deren Adrenalinschübe jene der Schützlinge teilweise zu übertreffen schienen.

Der Wattwil-Eritrer Dagemawi Gatchew (blau) wusste zu überzeugen. (Bild: Urs Huwyler)

Der Wattwil-Eritrer Dagemawi Gatchew (blau) wusste zu überzeugen. (Bild: Urs Huwyler)

Die Wattwiler Kampfkunstschule Xing Wu Guan, die mit ihrem Löwentanz auch eine Showeinlage bot, vermochte in den einzelnen Kategorien national mitzuhalten. Sei es der in Arbon wohnhafte, durch die Schule unterstützte Dagemawi Gatchew (Flüchtling aus Eritrea), Schüler Hamza Ramicilovic oder Radu Hunziker, der Sohn des Mosliger Kaminfegers. «Die Bilanz wird für uns Ende der Schweizer Meisterschaft positiv ausfallen. Es sind auch einzelne Titel darunter. Wir sind auf dem richtigen Weg, haben unsere Position gefestigt», freute sich der von allen Seiten mit Fragen und Wünschen bombardierte Schulleiter und OK-Präsident Peer Steinkellner.

Der auch an den beiden Tagen geforderte Chef gehörte mit seinem Team zu den Gewinnern der SM. «Der riesige Aufwand hat sich gelohnt. Es gibt Rückmeldungen, die uns bescheinigen, wir könnten organisatorisch noch grössere, allenfalls internationale Anlässe durchführen», ergänzte Junioren-Nationaltrainer Peer Steinkellner, der zwischendurch (im Anzug) einzelne seiner Schüler coachte. Aber jetzt sei er müde, fügte er (vor dem grossen Aufräumen) an. Die Kämpfer waren es im übrigen auch. Sie würden staunen, was am Montag in der Markthalle abgeht.