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Im Weiler Buomberg war es nicht immer so friedlich wie heute

Im Mittelalter soll es unweit des Weilers Buomberg zu einem Gefecht zwischen Zürchern und Schwyzern gekommen sein. 70 Winterthurer sollen dabei zu Tode gekommen sein.

Beat Lanzendorfer
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14 Einwohnerinnen und Einwohner leben zurzeit in Buomberg. Der Weiler befindet sich an der Strasse Kirchberg-Schalkhusen-Oetwil-Fischingen und soll früher Eigentum des Klosters Fischingen gewesen sein. Die Gebäude dienten als Kornspeicher. (Bild: Beat Lanzendorfer)

14 Einwohnerinnen und Einwohner leben zurzeit in Buomberg. Der Weiler befindet sich an der Strasse Kirchberg-Schalkhusen-Oetwil-Fischingen und soll früher Eigentum des Klosters Fischingen gewesen sein. Die Gebäude dienten als Kornspeicher. (Bild: Beat Lanzendorfer)

Die hügelige Landschaft des unteren Toggenburgs, zu dem die Gemeinde Kirchberg und mit Buomberg einer ihrer Weiler gehört, war im Mittelalter wegen ihrer strategischen Lage mehrmals Ziel fremder Mächte.

So soll es auf einem Feld zwischen Oetwil und dem Weiler Buomberg im Mittelalter kriegerisch zugegangen sein. Gemäss Überlieferung sollen sich im Jahre 1440 Zürcher Krieger mit den mit den Toggenburgern durch ein Landrecht verbündeten Schwyzern bekämpft haben. Es ist erwiesen, dass zwischen den verfeindeten Nachbarn vereinzelt Scharmützel stattfanden.

Vorboten des 
«alten Zürichkrieg»

Diese Fehde führte im Jahre 1444 zum «alten Zürichkrieg». Bei einem weiteren Raubzug im Jahre 1445 brandschatzten die mit den Österreichern verbündeten Winterthurer die Gegend und brannten die beiden Ortschaften Oetwil und Schalkhusen nieder.

Die eiligst zusammengerufenen Toggenburger verfolgten ihrerseits die Eindringlinge bis nach Fischingen. 70 Winterthurer sollen erschlagen worden sein. Anfang des letzten Jahrhunderts, beim Bau der Strasse von Oetwil nach Buomberg, stiess man bei den Grabarbeiten auf menschliche Skelette. Vermutlich stammen diese von den gefallenen Feinden, die man damals hier verscharrte.

Dietrich-Buch gibt weitere Aufschlüsse

Weitere Angaben finden sich im von der politischen Gemeinde Kirchberg im Jahre 1952 herausgegebenen Buch «Geschichte der Gemeinde Kirchberg». Verfasst hat es der damalige Lehrer Johann Heinrich Dietrich. Darin ist nachzulesen, dass auf dem bewaldeten Hügelzug zwischen der Fischingerstrasse bei Oetwil und dem Weiler Buomberg im Mittelalter die Burg Oetwil stand.

Mauerreste sind allerdings keine vorhanden. Ebenfalls fehlt der Halsgraben, der die ungeschützte Stelle der Burg abgeriegelt hätte. Die Burg gehörte wie alle ihre Schwesterburgen zum Herrschaftsbereich der Toggenburger Grafen. Im Dietrich-Buch lässt sich auch der Eintrag finden, dass der Weiler Buomberg im Mittelalter im Besitz des Klosters Fischingen war. Die Gebäude hätten als Kornspeicher gedient.

Vier Familien leben heute dort

In Buomberg ist längst Friede eingekehrt. Der Weiler liegt auf 767 Meter über Meer und hat 14 Einwohner. Heute leben dort die Familien Glaus, Müller, Trost und Früh. Die Vorfahren von Walo Früh sind im Jahre 1891 von Mogelsberg hierhergezogen.

Ruth und Walo Früh leben mit drei anderen Familien in Buomberg. (Bild: Beat Lanzendorfer)

Ruth und Walo Früh leben mit drei anderen Familien in Buomberg. (Bild: Beat Lanzendorfer)

Ehefrau Ruth weiss zudem von vielen Apfelbäumen, die früher hier gestanden seien. Politisch gehört der Weiler zu Kirchberg. Die Nähe zu Fischingen hat allerdings dazu geführt, dass für die Schule und den Kirchgang die Grenze überschritten wird. Sogar die Post wird aus dem Kanton Thurgau angeliefert.

Der 63-jährige Walo Früh mag sich noch gut an seine Jugendzeit erinnern. «Ich habe die Lehre bei Maler Länzlinger in Kirchberg absolviert. Vor meinem Schritt in die Selbstständigkeit arbeitete ich bei Maler Breitenmoser.» Nebst dem eigenen Malergeschäft betreiben Frühs einen landwirtschaftlichen Betrieb, den sie am 1. Januar 2020 Sohn Robin übergeben. Dieser hat bereits einen neuen Geschäftszweig für sich entdeckt.

Die neueste Brauerei
 steht in Buomberg

Zusammen mit Freund Mattias Meili braut er das «Sohnemann». Begonnen haben sie vor drei Jahren in der Aumühle in Oberwangen. Vor kurzem haben sie die Produktion in den Weiler Buomberg verlegt. Weshalb der Name «Sohnemann»? Wir kennen uns schon aus der Schulzeit und benutzen den Sohnemann als gemeinsamen Spitznamen, deshalb war bei der Suche nach dem Biernamen schnell klar, wie unser Gerstensaft heissen soll».

Robin Früh führt zusammen mit seinem Freund Mattias Meili die Brauerei «Sohnemann». Den benötigten Hopfen pflanzen sie selber an. (Bild: Beat Lanzendorfer)

Robin Früh führt zusammen mit seinem Freund Mattias Meili die Brauerei «Sohnemann». Den benötigten Hopfen pflanzen sie selber an. (Bild: Beat Lanzendorfer)

Die Fakten über den Buomberg stehen auf der Flasche einer Biersorte, die aus 100 Prozent Buomberger Hopfen gemacht ist. Die Vision der beiden Brauer wäre, auch das Getreide selber anzubauen. Weitere Informationen findet man auf allen einschlägigen Social-Media-Kanälen unter Brauerei Sohnemann. «Wir brauen ungefähr 6000 Liter im Jahr», sagt Braumeister Robin Früh.

Im Winter führt die Langlaufloipe am Weiler vorbei

Obwohl im Kanton St. Gallen beheimatet, haben die hier lebenden Menschen durch die Nähe zu Fischingen einen engen Bezug zum Kanton Thurgau. Durch etwas hingegen bleiben sie mit Kirchberg in Verbindung: mit der Kirchberger Langlaufloipe.

Im Winter – und bei genügend Schnee – führt die längste der drei Kirchberger Langlaufloipen am Weiler Buomberg vorbei. (Bild: Beat Lanzendorfer)

Im Winter – und bei genügend Schnee – führt die längste der drei Kirchberger Langlaufloipen am Weiler Buomberg vorbei. (Bild: Beat Lanzendorfer)

Die klassische Loipe ist mit zwölf Kilometern Länge die längste der drei Kirchberger Loipen. Der hintere Teil ab dem Sackgrütli (Holderschür) bis zum Wendepunkt «Wind» gilt als schönstes Teilstück. Er führt auch am Weiler Buomberg vorbei.

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Ruben Schönenberger