Kolumne
«Im Toggeburg? Händ denn diä scho Internet?»

Endlich kehrt wieder etwas Normalität ein: Das Toggenburg wird wieder als rückständig beschrieben.

Ruben Schönenberger
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Ruben Schönenberger, Redaktionsleiter «Toggenburger Tagblatt» und «Wiler Zeitung».

Ruben Schönenberger, Redaktionsleiter «Toggenburger Tagblatt» und «Wiler Zeitung».

Bild: Ralph Ribi

Die Toggenburger Bauernfamilie Hagmann ermöglicht es Interessierten, dem Leben ihrer Säue per Livestream unter kamerasau.ch zu folgen. Das soll die Rückverfolgbarkeit öffentlich garantieren. Gekauft werden kann online, Pakete ab sechs Kilogramm kommen so per Post tiefgekühlt direkt nach Hause.

Das Angebot hat auch SRF-Satiriker Dominic Deville entdeckt und in seiner letzten Sendung erwähnt. Man könne unter kamerasau.ch den Alltag der Säue beobachten. Oder wie man es im Toggenburg nenne: «Bauer, ledig, sucht». Gefolgt von:

«Was? Im Toggeburg? Händ denn diä scho Internet?»

Ob sich Deville einen kleinen Aufschrei im Toggenburg erhofft hat, ist nicht bekannt. Aber sowieso sagen wir Toggenburger ganz einfach:

«Merci.»

In den Zeiten geschlossener Läden und Restaurants, in Zeiten von Homeoffice und Fernunterricht, in Zeiten von verwaisten Zügen und einem leeren Gotthardtunnel bringt Deville etwas Alltag zurück. Endlich werden wir wieder als rückständig bezeichnet, es hat uns schon ein bisschen gefehlt.

Aber in Richtung Zürich sei doch noch gesagt: Im Toggenburg sind wir sogar schon so weit, dass wir von der Bauernfamilie Hagmann sprechen, nicht nur vom Bauern Köbi Hagmann. Die Frauen dürfen bei uns nämlich schon mitmachen.