Im Namen des Topfes: In Wattwil mit der Heilsarmee unterwegs

Die Heilsarmee Wattwil sammelt im Advent für ihre sozialen Dienste. Die Akzeptanz in der Bevölkerung ist hoch.

Christian Gauer
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Weihnachtliche Klänge vor dem Coop in Wattwil beleben die Stimmung an der Topfkollekte.

Weihnachtliche Klänge vor dem Coop in Wattwil beleben die Stimmung an der Topfkollekte.

Christian Gauer

Der dritte Adventssamstag ist nasskalt. Die Hügel, die Wattwil einbetten, sind schneebedeckt. Es regnet. Eilig unterwegs zum nächsten Platz an der Wärme, wer draussen ist. Vor dem Eingang zum Manor an der Bahnhofstrasse besprechen die Verantwortlichen der Heilsarmee Wattwil mit dem Filialleiter, wo der Topf mit dem Dreibein hingestellt werden darf. Für drei Standorte hat die Heilsarmee die Bewilligung von der Gemeinde und den Ladenbesitzern eingeholt, Coop, Manor und Mode Weber.

Jetzt ist es neun Uhr. Der erste Topfwächter trifft beim Manor ein, die Weihnachtszeitschrift und ein Teebeutel griffbereit. Eine Frau in mittlerem Alter spendet 100 Franken. Ihr Grossvater habe immer gesagt, diese Leute täten etwas Gutes. Der Topfwächter blickt freundlich und wünscht: «Frohe Weihnachten!»

So manche Topfi schon als Kind miterlebt

In der Kaffeestube der Heilsarmee an der Unterdorfstrasse 21 beginnt, was in Wattwil dann zu erleben ist. Melody Walzer, eine der zwei verantwortlichen Leiterinnen, hat einen Tisch mit Kaffee, Tee, Gipfeli und Snacks gedeckt. Als Kind von Offizieren hat sie so manche Topfkollekte, kurz Topfi, miterlebt und sie sagt:

«Es ist eine wertvolle Aufgabe, in
der Weihnachtszeit an einem Topf
zu stehen und sich die Hände und
Füsse abzufrieren.»

Rund 20 Mitarbeiter benötigt die heutige Topfi. Davon sind einige Offiziere und Salutisten, wie sich die Heilssoldaten auch nennen, oder Angehörige des Freundeskreises der Heilsarmee, noch andere sind Freiwillige. Bevor es losgeht, erzählt Melody Walzer den bereits Anwesenden die Geschichte von der Kerze, die nicht brennen will. Als die Kerze aber sah, was sie mit der Flamme bewirken kann, liess sie sich umstimmen. Indem man Jesus ins Zentrum des Lebens stelle, würde man entzündet, erklärt die junge Leiterin. Licht und Wärme sollen an den Standorten der Töpfe verbreitet werden. Sie beendet ihre Andacht mit einem Gebet.

Warme Brassharmonien und Melodien

Über den Mittag hat sich die Wetterlage verändert. Hier und da bricht die Sonne durch die Wolkendecke. Korpssergeantmajor Thomas Heiniger leitet seine fünf Musikanten zum nächsten Topfstandort vor dem Mode Weber. Bald ertönen warme Brassharmonien und weihnachtliche Melodien verbreiten eine herzliche Stimmung. Thomas Heiniger und die anderen Musikanten werden von Passanten angesprochen. Kinder ziehen ihre Eltern dahin, um zuzuhören. Manch ein Batzen findet den Weg in den Topf, und die Topfwächterin verteilt die Weihnachtszeitung der Heilsarmee und Malbögen für die Kinder.

Mit seinen 24 Topfi-Einsätzen allein in Wattwil ist Thomas Heiniger der Dienstälteste. Er empfindet die Topfi als Auftrag.

«Es ist auch ein Vorrecht für
die Heilsarmee, auf der Strasse
sammeln zu dürfen.»

Akzeptanz und Goodwill seien hoch im Toggenburg, die Wattwiler freundlich, erklärt er weiter. Mit den Jahren kenne man viele Leute persönlich, und die Beziehungen zu den Menschen sei eine Herzenssache. Die Gemeinschaft der Salutisten versteht sich sowohl als Kirche als auch als Bewegung. Aus den Anfängen ist zu entnehmen, dass die militärische Form gewählt wurde, um Menschen in Not zu helfen.

Die Heilsarmee Wattwil bietet den MeGa21 an, das ist ein wöchentliches warmes Essen, Lebensmittelgutscheine, Nothilfe und hat auch eine Notschlafstelle zur Verfügung (siehe Box unten). Die Einnahmen der Topfkollekte fliessen vollumfänglich in diese Angebote.

Gemeinsames Essen

«MeGa21» bedeutet Messer und Gabel in der Heilsarmee Hausnummer 21. Jeden Donnerstagabend um 18.15 Uhr gibt es bei der Heilsarmee Wattwil ein Nachtessen gegen einen freiwilligen Unkostenbeitrag. So steht es auf der Website. Das Angebot richtet sich an Bedürftige, ältere und alleinstehende Personen, aber es sind alle willkommen, die am Donnerstag nicht alleine essen wollen. Ziel ist es, satt zu werden, den Austausch und die Gemeinschaft zu pflegen und Gedanken mitzunehmen. (pd/lis)

Die Helfer wertschätzen ist wichtig

Dass die heutige Topfi am dritten Adventssamstag organisatorisch klappt, dafür sorgt Esther Wittwer, die zweite Leiterin der Heilsarmee. Die Ablösungen funktionieren, in den Pausen gibt es Kaffee und Snacks, am Mittag ein warmes Essen. «Es war schon etwas ganz besonderes, plötzlich in der Verantwortung zu sein. Mir ist es sehr wichtig, dass sich die Helfer wertgeschätzt fühlen», äussert sich Esther Wittwer. Neben der Pflicht und zwischen den Einsätzen herrscht an den zwei Tischen in der Kaffeestube ein reger Austausch.

Hinweis

Die Heilsarmee sammelt am Samstag, 21. Dezember, nochmals an drei Standorten an der Bahnhofstrasse in Wattwil.

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