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Im Juhee und doch sehr zentral: Die Geschichte des FC Wiesen ist etwas für die Fussball-Romantiker

Der FC Wiesen belebt den gleichnamigen Weiler in Mosnang, indem er etwa die einzige öffentliche 1.-August-Feier in der Gemeinde organisiert. Auch sein Grümpelturnier in der Mosnanger Idylle hat speziellen Charakter.

Timon Kobelt
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Das Grümpelturnier des FC Wiesen im Mosnanger Birg: Rund um den Platz geht es teils steil bergab, weshalb ausserhalb der Gitter Balljungen platziert sind, um die ins Kraut geflogenen Bälle zurückzubringen. Ans Grümpeli des FC Wiesen (in den gelben Trikots) werden nur Plauschmannschaften eingeladen. Anmelden kann man sich nicht. (Bild: Peter Jenni)

Das Grümpelturnier des FC Wiesen im Mosnanger Birg: Rund um den Platz geht es teils steil bergab, weshalb ausserhalb der Gitter Balljungen platziert sind, um die ins Kraut geflogenen Bälle zurückzubringen. Ans Grümpeli des FC Wiesen (in den gelben Trikots) werden nur Plauschmannschaften eingeladen. Anmelden kann man sich nicht. (Bild: Peter Jenni)

Es braucht nicht mehr als ein Stück Wiese, um Fussball zu spielen. Eine Handvoll Freunde aus dem Weiler Wiesen in Mosnang entschied sich 1984, dass ein bescheidenes Feld hinter dem ehemaligen Schulhaus Wiesen Basis genug ist, um einen Plausch-Fussballclub zu gründen.

Der FC Wiesen im Jahr 1989: Hanspeter Loser kniet in der unteren Reihe als dritter von links. Die Trikots haben die Mitglieder häufig selber bezahlt. (Bild: PD)

Der FC Wiesen im Jahr 1989: Hanspeter Loser kniet in der unteren Reihe als dritter von links. Die Trikots haben die Mitglieder häufig selber bezahlt. (Bild: PD)

«Mehr als fünf gegen fünf liegt auf diesem Platz nicht drin», sagt Hanspeter Loser. Der 54-Jährige führt heute das Restaurant Schäfli in Wiesen und war bei der Gründung des FC dabei. Wenn man sich mal mit einer anderen Plauschmannschaft auf elf gegen elf geeinigt habe, hätten sie auswärts antreten müssen.

Die Idee zum Grümpeli kam
nach dem ersten Bier

Im Mosnanger Birg, so sagen die Einheimischen, gibt es nur dieses eine Fussballfeld. Von einem tiefen Gitter eingezäunt, liegt es sehr idyllisch, denn es ist von Hügeln und Wald umgeben. Eine Schande, wenn an diesem Ort kein Grümpeli stattfinden würde. «Wir hatten hier einst einen Plauschmatch gegen den SC Weier aus Wil. In der Pause haben wir zusammen ein Bier getrunken, dann ging es weiter. So ist die Idee des Grümpelis entstanden», berichtet Hanspeter Loser. Für das Grümpeli des FC Wiesen (FCW)kann sich niemand anmelden, man wird eingeladen. Man wolle nur echte Plauschmannschaften im Birg begrüssen. Manchmal sei es aber selbst unter Pläuschlern um die Idylle geschehen, wie der «Schäfli»-Wirt berichtet:

«Spiele gegen den SC Hulftegg sind wie ein Derby. Da mussten einmal zwei Spieler genäht werden.»

Das sei aber eine Ausnahme gewesen. Der Plauschgedanke und die Kollegialität seien noch immer oberstes Gebot.

Hanspeter Loser kickt auch mit 54 kickt noch immer beim FC Wiesen. Zudem bekleidet er die Funktion des Sportchefs. (Bilder: Timon Kobelt)

Hanspeter Loser kickt auch mit 54 kickt noch immer beim FC Wiesen. Zudem bekleidet er die Funktion des Sportchefs. (Bilder: Timon Kobelt)

Wiesen zählt gemäss Hanspeter Loser zwischen 25 bis 30 Einwohner. Wie kam die Idee des Fussballclubs überhaupt zu Stande?

«Die Menschen verlassen Wiesen immer relativ schnell. Der FC ist eine Gelegenheit, dass man sich weiterhin einmal pro Woche im Training wiedersieht», erklärt der Familienvater. Seine Söhne Sandro und Marco spielen gerne Fussball.

«Allgemein sind wir bei den Jungen in der Umgebung beliebt als erste Station. Natürlich gehen dann viele von ihnen nach Kirchberg oder Bütschwil.»

Einige würden dem Verein auch als Passivmitglieder erhalten bleiben. Deren Stamm ist gemäss Hanspeter Loser gar grösser als derjenige der Aktiven. Seit der Gründung hätten sich die Mitgliederzahlen recht konstant bei 30 gehalten.

Die Passivmitglieder sind für den FCW deshalb wichtig, weil er für mehr steht als Fussball. «Ich glaube, für den Weiler und die Familien sind die vielen Veranstaltungen, bei denen wir mithelfen, wichtiger, als die Möglichkeit zu kicken», sagt Gründungsmitglied Loser. Zu diesen Events gehört etwa eine grosse 1.-August-Feier, für welche nun seit einigen Jahren viele Bewohner der Gemeinde Mosnang nach Wiesen pilgern. Dazu gekommen ist es eher zufällig. «Vor rund 30 Jahren gingen wir vom FCW am 1.August jeweils auf eine Alp und zündeten ein Feuerwerk. Mit der Zeit sind immer mehr Leute auf die Alp gekommen, sodass wir den Standort nach Wiesen verlegen mussten», erzählt der Wirt. Heute wohnten der Feier jeweils rund 300 Menschen bei.

Meistens waren die Passiven schneller als die Aktiven

Wiesen ist der geografische Mittelpunkt der Gemeinde Mosnang. (Bild: Timon Kobelt)

Wiesen ist der geografische Mittelpunkt der Gemeinde Mosnang. (Bild: Timon Kobelt)

Wiesen eignet sich nicht nur aufgrund seiner Idylle für das Fest: Im Weiler liegt nämlich der geografische Mittelpunkt des Mosnanger Gemeindegebiets, etwa 200 Meter oberhalb des Fussballfeldes. Weitere Events des FCW sind die Herbst- und Pfingstwanderung. Das Highlight für Hanspeter Loser war der Sommerausflug an ein Fussballturnier im Südtirol, der durch das Hornschlittenteam Wiesen organisiert wurde. Meistens hätten sich die Passivmitglieder noch vor den Aktiven angemeldet. «Sie haben dann jeweils eine Schweizer Meisterschaft im Minigolf ausgetragen und wir haben Fussball gespielt», erzählt Hanspeter Loser. Angereist seien nur die Männer. Nicht etwa, dass der FC W konservativ wäre. Als der Verein früher noch zweimal pro Woche trainierte, waren die Frauen häufig mit von der Partie.

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