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Bütschwiler Mittelstreckenläufer Diego Menzi: Im «dritten» Leben als Leichtathlet

Trotz fortgeschrittenem Alter für einen Mittelstreckenläufer hat Diego Menzi sportliche Ziele. Eines davon ist die Teilnahme an der Ü35-Weltmeisterschaft 2020 in Kanada.
Beat Lanzendorfer
Der 33-jährige Diego Menzi absolviert wöchentlich fünf bis sechs Trainingseinheiten. In den kommenden 18 Monaten möchte er sich noch diverse sportliche Wünsche erfüllen. (Bild: PD)

Der 33-jährige Diego Menzi absolviert wöchentlich fünf bis sechs Trainingseinheiten. In den kommenden 18 Monaten möchte er sich noch diverse sportliche Wünsche erfüllen. (Bild: PD)

Das sportliche Leben des in Krummenau aufgewachsenen und heute in Zürich lebenden Diego Menzi, Jahrgang 1985, ist ein stetiges Auf und Ab. Jetzt, im Alter von bald 34, ist in ihm der Gedanke gereift: Es ist noch einiges möglich. Weil Selbsterkenntnis bekanntlich der erste Schritt zur Besserung ist, traut er sich über die 800-Meter-Strecke weitere Höchstleistungen zu – das war nicht immer so.

Als er mit 13 Jahren zur Leichtathletik findet und sich zwei Jahre später dem KTV Bütschwil anschliesst, ist ihm nicht richtig bewusst, welches Potenzial in ihm steckt.

«Ich wusste halt ziemlich schnell, dass ich ziemlich gut rennen kann.»

Polysportiv veranlagt, gehörte er zu jener Zeit auch dem Skikader des Ostschweizer Skiverbandes an. Talent hat er auch als Freeskier und Basketballer.

Bei ihm geht (zu) vieles nach dem Prinzip Lust

«Bei mir ging vieles nach dem Lustprinzip, auch was den Ausgang mit den Kollegen betraf, dort war die Lust jeweils fast am grössten», sagt er lachend. Es wäre vermessen zu sagen, die Erfolge seien ihm zugeflogen. Trotzdem hat der Spezialist über 800 Meter im Vergleich zu anderen mit relativ wenig Aufwand schon in jungen Jahren sehr viel erreicht. Kaum 21 ist er bereits mehrfacher Staffel-Schweizer-Meister über 3x 1000 Meter und 4x 400 Meter.

Der Rückschlag stellt sich 2007 ein. Er erleidet einen Ermüdungsbruch. Ein Jahr später kommt ein Schlüsselbeinbruch hinzu. Beim Vorführen einiger Saltos am Strand war er eine Spur zu übermütig. Es wird Winter 2010, bis er sich zur Rückkehr auf die Bahn entschliesst. Wenige Monate später steht er an den Indoor-Schweizer-Meisterschaften im Athletikzentrum in St.Gallen bereits auf dem Podest und holt sich Bronze. «Ich bin ein Wettkampftyp, bei dem sich vieles im Kopf abspielt.» Im Jahr darauf kommt sogar die Silbermedaille bei den Indoor-Schweizer-Meisterschaften hinzu.

Nach dem Studium fehlt im die Motivation

Nach Abschluss seines Studiums fehlt ihm 2012 plötzlich aber auch die Motivation für weitere sportliche Grosstaten. Fast vier Jahre ziehen ins Land, bis Diego Menzi ein Zeichen erhält, dass es dies noch nicht gewesen sein kann. «Ich bin vor drei Jahren als Läufer bei einem Firmentriathlon an den Start gegangen und erzielte Kilometerzeiten um die 3.50 Minuten. Fix und fertig die Ziellinie überschritten, packte mich plötzlich wieder der Ehrgeiz. Ich wunderte mich selbst, wie schlecht ich körperlich in Form war.» Ein erster Versuch, im Januar 2017 die Limite (1.57.00) über 800 Meter zur Schweizer Meisterschaft zu knacken, scheitert an wenigen Hundertsteln. Ein paar Trainings später klappt es doch noch. Er qualifiziert sich dank einer Zeit von 1.54 für Magglingen.

«Im SM-Final im Februar hat mir aber die Substanz gefehlt, ich bin Achter geworden.»

Dieses Ergebnis motiviert ihn aber zum Weitermachen. Der Aufwand wird belohnt. Er darf im Juli 2017 im Vorprogramm der Athletissima in Lausanne starten und läuft in 1.51.88 über die Ziellinie. Im selben Monat sorgt er auch an den Schweizer Meisterschaften für Aufsehen. Bis vierzig Meter vor Schluss an der Spitze, vereitelt ein Rempler den Gewinn einer Medaille.

Diego Menzi, der mittlerweile fünf- bis sechsmal wöchentlich trainiert, hat es wieder gepackt. Nebst einem Training im St.Galler Athletikzentrum jeweils am Mittwochabend mit seinen Kollegen vom KTV Bütschwil, ist er häufig allein an seinem Wohnort Zürich unterwegs.

«Trainings auf der Mittelstrecke sind brutal hart. In erster Linie geht es darum, wer über die eigenen Grenzen gehen kann.»

Oder wie er es etwas anders ausdrückt: «Wer am besten sterben kann.» In dieser Hinsicht lobt er speziell Selina Büchel: «Sie ist eine wahnsinnige Kämpferin und ein Vorbild für uns alle.»

Rückschlag kann ihn nicht aufhalten

Diego Menzi ist in seinem «dritten» Leben als Leichtathlet allerdings nicht vor Rückschlägen gefeit. Davon unterkriegen lässt er sich nicht. So erleidet er im April 2018 im Training in Zürich im rechten Oberschenkel einen Muskelfaserriss, der ihn über längere Zeit zum Nichtstun zwingt. Mit Dauer- und Strassenläufen sowie einem gezielten Ausdauertraining bereitet er sich im vergangenen Herbst auf sein Comeback vor. Das mehrfache «Sterben» im Training hat sich bezahlt gemacht, er holt sich am 18. Februar die Silbermedaille an den Indoor-Schweizer-Meisterschaften in St.Gallen. Wie geht’s für ihn weiter? «In diesem Jahr möchte ich in jedem Fall bei den Freiluft-Schweizer-Meisterschaften im August in Basel an den Start gehen.» Die Qualifikation hat er bereits in der Tasche.

Ein Traum wäre zudem die Teilnahme an den Ü35-Weltmeisterschaften im August 2020 in Kanada. Apropos Traum: Die Verbesserung seiner persönlichen Bestzeit (1.51.88) hält er nicht für unrealistisch und sollte es irgendwann sogar zu einer tiefen 1.50er-Zeit reichen, ginge ein weiterer Traum in Erfüllung.

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