Im Chinderhuus Haselmuus in Lichtensteig sind Kinder über die Gemeindegrenze hinaus willkommen

Sarah von Niederhäusern hat ihre berufliche Laufbahn ganz den Kindern und deren Eltern verschrieben.

Urs M. Hemm
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Sarah von Niederhäusern hat mit dem Chinderhuus Haselmuus und mit dem Verein Familienzentren Toggenburg in Zukunft noch viel vor.

Sarah von Niederhäusern hat mit dem Chinderhuus Haselmuus und mit dem Verein Familienzentren Toggenburg in Zukunft noch viel vor. 

Bild: Urs M. Hemm

Es ist mucksmäuschenstill im Chinderhuus Haselmuus. «Normalerweise geht es hier schon lauter zu und her», sagt Sarah von Niederhäusern leise. «Jetzt aber machen die Kinder gerade ihren Mittagsschlaf.» In einem verdunkelten Zimmer wiegt ein Baby sanft in einer Hängematte, beim Fenster steht ein kleiner Tisch und überall gibt es Spielzeug, vorwiegend aus Holz. «Das ist das Zimmer der Säuglingsgruppe, die wir im vergangenen Sommer eröffnen konnten», sagt Sarah von Niederhäusern. Sie ist die pädagogische Leiterin des Chinderhuus Haselmuus, das sie zusammen mit ihrem Partner Samuel Roth – er leitet die Administration – im August 2018 in Lichtensteig eröffnet hat.

Neben Sarah von Niederhäusern arbeiten vier weitere Fachfrauen sowie drei Lernende in der Betreuung der Kinder, in der Administration sind drei Personen in einem kleinen Pensum tätig. Was im Kleinen vor knapp zwei Jahren fast schon familiär begonnen hat, hat sich in der kurzen Zeit zu einer Institution entwickelt, die heute rund 30 Kinder betreut.

«Eine familiäre Atmosphäre haben
wir auch heute noch und das wollen
wir auch so bewahren.»

Das sagt von Niederhäusern, die diplomierte Fachfrau Betreuung Kinder ist und eine Ausbildung in Naturpäd­agogik abgeschlossen hat. Dass sie auf dem richtigen Weg sind, hat auch eine erst kürzlich durchgeführte Elternbefragung ergeben, die dem Chinderhuus ein sehr gutes Zeugnis – insbesondere für das naturpädagogische Konzept der Kindertagesstätte – ausstellt. Besonders bei Kinder beliebt seien die beiden Esel Malaika und Taio sowie die Ziegen Olga und Odette, die quasi zum Team des Chinderhuus gehörten.

Wattwil subventioniert neu Betreuungsplätze

Pro Tag können in der Babygruppe vier und in der Gruppe der Älteren 12 Kinder betreut werden. Zugelassen sind Kinder ab drei Monaten bis zur vierten Klasse. Da die Kinder jedoch an unterschiedlichen Tagen und teils nur morgens oder nachmittags kämen, würden sie im Durchschnitt zurzeit etwa acht Kinder pro Tag betreuen, sagt Sarah von Niederhäusern. «Es hat also noch freie Plätze bei uns.»

Auch sie gehören auf ihre Art zum Betreuungsteam des Chinderhuus Haselmuus: die beiden Esel   Malaika und Taio sowie die zwei Ziegendamen Olga und Odette.

Auch sie gehören auf ihre Art zum Betreuungsteam des Chinderhuus Haselmuus: die beiden Esel
Malaika und Taio sowie die zwei Ziegendamen Olga und Odette.

Bild: PD

Das könnte sich jedoch schnell ändern. Denn der Gemeinderat Wattwil hat entschieden, Betreuungsplätze für Familien im Grenzgebiet Wattwil/Lichtensteig zu subventionieren. «Gemäss diesem Entscheid sind alle Familien subventionsberechtigt, die im oberen Flooz, an der Schleusen-, der Freudenauerstrasse, der Alten Strasse oder an der Wilerstrasse bis Abzweiger Alte Strasse wohnen und in Wattwil gemeldet sind», erläutert Sarah von Niederhäusern.

Das Chinderhuus Haselmuus bietet auch flexible Betreuungsplätze an, welche sich in der Pilotphase im ersten Betriebsjahr sehr gut bewährt haben. «Dafür können Eltern ihre Kinder bis spätestens 7 Uhr des jeweiligen Tages auf einem Online-Kalender eintragen. In diesem Kalender ist ersichtlich, ob es noch freie Plätze hat», erklärt Sarah von Niederhäusern. Für flexible Kinder stehen in der Babygruppe ein Platz, in der Gruppe der Grösseren zwei Plätze pro Tag zur Verfügung.

«Wichtig ist, dass die Kinder in diesem flexiblen Angebot mindestens zweimal pro Monat bei uns sind, damit eine vertraute Beziehung zwischen Kindern und Betreuungspersonen entstehen kann.»

Neu hat das Chinderhuus – auch das einem Bedürfnis der Eltern entsprechend – bereits ab 6.40Uhr geöffnet. Zudem sind in diesem Sommer Ferienangebote auch für externe Schüler geplant. «Es wird also in Form von Naturwochen eine Tagesbetreuung während der Schulferienzeit geben», erläutert Sarah von Niederhäusern.

Familienzentrum bekommt einen neuen Namen

Neben ihrer Arbeit als Leiterin im Chinderhuus Haselmuus hat Sarah von Niederhäusern im vergangenen November das Präsidium des Vereins Familienzentren Toggenburg von Peter Bünzli übernommen. «Zeitlich ist das sicherlich eine Herausforderung. Die Mitarbeit im Familienzentrum liegt mir aber sehr am Herzen», sagt sie. Die Arbeit ergänze sich auch sehr schön und es gebe viele Synergien zu nutzen. So veranstaltete beispielsweise das Familienzentrum am Weihnachtsmarkt ein «Päcklifischen», wofür die Kinder im Chinderhuus das Geschenkpapier und die Angelruten gebastelt haben.

«Für mich ist es wertvoll, auch ausserhalb der Kita nahe bei den Kindern und
deren Eltern zu sein. So erfahre ich noch mehr über die Bedürfnisse, welche die Kinder wie auch die Eltern haben.»

Dieses Wissen könne dann sowohl im Familienzentrum als auch im Chinderhuus einfliessen. Zudem arbeite das Team sehr gut zusammen und sie könne auf stabile Strukturen aufbauen. «Das bisherige Angebot wurde sehr gut angenommen, auch wenn das Familienzentrum sich noch in der Findungsphase befand. Jetzt wird es darum gehen, diese Strukturen noch zu festigen und uns entsprechend besser zu organisieren», erläutert Sarah von Niederhäusern. Dazu gehöre auch ein neuer Auftritt gegen aussen.

Der Auftakt dafür werde die Taufe des neuen Maskottchens am 2. Mai sein. Die wichtigste Änderung betrifft sicherlich den Namen. «Der Name ‹Familienzentren Toggenburg› sorgte immer wieder für Verwirrung. Deshalb werden wir uns ab diesem Frühling neu ‹FazLi – das Familienzentrum in Lichtensteig fürs Toggenburg› nennen.» Es ändere sich also nichts daran, dass das Zentrum für alle offen stehe und eine weitere Vernetzung mit ähnlichen Angeboten im Toggenburg angestrebt werde. Aber es handle sich dabei um ein Zentrum und nicht um verschiedene Zentren. «Das Familienzentrum soll lokal fest verankert sein, aber dennoch für die ganze Region zu einem Treffpunkt werden», sagt Sarah von Niederhäusern.