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Im Buch «Die Zukunft beginnt» werden Erinnerungen an Wattwil und Lichtensteig wach

Der Wattwiler Historiker Hans Büchler hat ein Buch mit Fotografien aus dem mittleren Toggenburg aus den Jahren 1868 bis 1939 heraus gegeben. Die Bilder sind Zeugen einer Zeit, in der das Toggenburg in Aufbruchstimmung war.
Sabine Schmid
Am 15. Mai 1905 besuchte eine ständerätliche Kommission die Baustelle des Rickentunnels. Die Politiker wurden in Übergewänder gepackt, bevor sie die Arbeit anschauten. (Bild: PD)

Am 15. Mai 1905 besuchte eine ständerätliche Kommission die Baustelle des Rickentunnels. Die Politiker wurden in Übergewänder gepackt, bevor sie die Arbeit anschauten. (Bild: PD)

Für die heutigen Generationen ist ein Foto schnell gemacht: Smartphone gezückt und abgedrückt. «Fotografieren war früher aufwendiger», erklärt der Wattwiler Historiker Hans Büchler. Ein Fotograf musste bestellt werden, der seine Apparaturen aufbauen musste. Dann wurde einmal, vielleicht noch ein zweites Mal abgedrückt. Im Labor wurde der Film entwickelt und das Bild abgezogen.

Hans Büchler, Historiker, Wattwil. (Bild: Sabine Schmid)

Hans Büchler, Historiker, Wattwil. (Bild: Sabine Schmid)

Bei diesem Aufwand, der hinter einem Foto steckt, mag es erstaunen, dass Hans Büchler für sein neues Buch «Die Zukunft beginnt» in einem reichen Fundus stöbern konnte. Im Toggenburger Museum in Lichtensteig sind viele Fotosammlungen – auch Sammlungen von Privaten – eingelagert. Die Wattwiler Ortschronik ist ebenfalls mit Fotos bebildert. Solche Bilder wollte Hans Büchler unter die Leute bringen.

«Sie sind Zeugen aus einer Zeit, in der in den heutigen Gemeinden Wattwil und Lichtensteig viel gelaufen ist.»

Der Rickentunnel und die Bahnlinie durchs Toggenburg wurden gebaut, die Industrialisierung schritt voran. Hans Büchler fand aber auch zahlreiche Bilder, die den Alltag, Festtage und besondere Ereignisse dokumentieren. «Ich musste die Auswahl auf 450 Bilder beschränken, was mir teilweise sehr schwer fiel», sagt er.

Erinnerungen an das, was einmal war

Bei seiner Recherche entdeckte der Historiker einiges, was ihm bisher fremd war. Dank des Privatarchivs der Familie Pozzi stiess er auf den Nationalrat Jean Pozzi, der von 1947 bis 1959 in Bern politisierte. Im Buch wollte Hans Büchler auch an die Firma Schwegler erinnern, die 1927 Konkurs gemacht hat. Nicht wegen des Neubaus des Firmengebäudes, wie damals viele dachten. Sondern, wegen betrügerischer Handlungen Alfred Schweglers. Heberlein und Schiess sind weitere Familien, die stark mit der Industriegeschichte von Wattwil und Lichtensteig verbunden sind. Ihnen wird im Buch auch Platz zugesprochen.

Gefragt, welches Bild er unbedingt im Buch haben wollte, nennt Hans Büchler eine Fotografie aus dem Jahr 1878. Sie zeigt eine Strassen-Dampfmaschine des Wattwiler Kupferschmieds Paul Huber und des Ingenieurs Schmid aus Zürich. Huber fuhr damit 1878 zur Weltausstellung in Paris, wo er die Maschine verkaufte. Zu Paul Huber fällt Hans Büchler eine weitere Anekdote ein: Er habe dem Gemeinderat einen Vorschlag für eine Hydrantenleitung in Wattwil gemacht. Der Gemeinderat habe dieses abgelehnt, Huber hat die Leitung trotzdem so gebaut. Und sein System habe noch heute Bestand.

Im Jahr 1911 herrschte auf dem Jahrmarkt in Lichtensteig viel Trubel. Das Städtli war zu diese Zeit weit herum bekannt als Marktort, am wöchentlichen Viehmarkt wurden jeweils Hunderte Tiere veräussert. (Bild: PD)

Im Jahr 1911 herrschte auf dem Jahrmarkt in Lichtensteig viel Trubel. Das Städtli war zu diese Zeit weit herum bekannt als Marktort, am wöchentlichen Viehmarkt wurden jeweils Hunderte Tiere veräussert. (Bild: PD)

In den Texten zu den einzelnen Kapiteln streicht Hans Büchler auch die Bedeutung von Lichtensteig als Marktort heraus. Der Wochenmarkt am Montag habe floriert. Die Händler brachten die Waren mit 300 Rössern. Die Wagen wurden auf dem Goldenen Boden abgestellt, aus Platzgründen aufeinander gestapelt. Und ein Viehmarkt mit über 200 Tieren war keine Seltenheit.

Augenblicke zum Schmunzeln und zum Nachdenken

Zur Dokumentation gehören aber nicht nur freudige Begebenheiten, die den Betrachter aus heutiger Zeit zum Schmunzeln bringen oder Erinnerungen an die eigene Kindheit wecken wie ein Bild von der Schaukel auf dem Köbelisberg, die noch immer Kinder in ihren Bann zieht. Auch Überschwemmungen – aus der Zeit vor der ersten Thurkorrektur – Verkehrsunfälle oder der Brand des Wattwiler Armenhauses vor fast 100 Jahren sind Zeugnisse aus der damaligen Zeit, die für einige Wattwiler auch mit Not verbunden war. Ob Fotos aus der heutigen Zeit in Hundert Jahren ebenfalls solche Beachtung finden, bleibt dahin gestellt.

«Die Zukunft beginnt»

Im Buch «Die Zukunft beginnt» hat Hans Büchler Fotografien aus dem mittleren Toggenburg – sprich den Ortschaften Wattwil, Krinau und Lichtensteig – aus den Jahren 1868 biss 1939 zusammengetragen. Gegliedert sind die rund 450 Bilder in sieben Kapitel. Drei davon, Lebensalter, Arbeit und Freie Zeit, entsprechen den Kapiteln des 2012 erschienenen Buchs «Alltag und Festtag im oberen Toggenburg» mit Fotografien aus den Jahren 1880 bis 1930.

In «Die Zukunft beginnt» sind zudem Fotos zu den Themen Industrie, Bahnfieber, Infrastruktur und Augenblicke zu finden. Die Bilder sind nicht nur mit einer Legende versehen. Hans Büchler gibt in kurzen Texten zu den einzelnen Kapiteln einen Einblick ins Leben in dieser Zeit. «Die Bilder sind Zeugen einer Aufbruchstimmung ins Industriezeitalter», sagt Hans Büchler. Damit erklärt er den Titel «Die Zukunft beginnt». Das Buch ist 2018 im Toggenburger Verlag erschienen. Es ist beim Verlag in Schwellbrunn, beim Toggenburger Tagblatt in Wattwil und im Buchhandel erhältlich. (sas)

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