Im August geht es los mit den Bauarbeiten am Bahnhof Wattwil

Die Südostbahn ersetzt die Gleise in der Südausfahrt. Im August und September sind häufig Nachtarbeiten nötig. Die Arbeiten dauern bis Oktober 2021.

Martin Knoepfel
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Der Umbau des Südkopfes des Bahnhofs Wattwil beginnt in wenigen Wochen. Am Dienstagabend orientierte die Südostbahn (SOB) deshalb die Anwohner über die geplanten Bauarbeiten. Rund 30 Personen sind dazu in den Wattwiler Thurpark gekommen.

Tempo 90 statt Tempo 40 oder 60

Wie Gesamtprojektleiter Armin Zöggeler und Angèle Vial, Projektleiterin Fahrbahn, sagten, werden die Züge künftig mit bis zu 90 statt mit 40 oder 60 Kilometern pro Stunde in den Bahnhof Wattwil ein- oder aus diesem ausfahren. Fahrzeitverkürzungen sind nicht geplant. Die raschere Fahrt soll dazu dienen, allfällige Verspätungen aufzuholen.

Armin Zöggeler.

Armin Zöggeler.

(Bild: PD)

Die Weichen und die Fahrleitungen müssten deshalb erneuert werden. Die neuen Weichen sollen zugleich länger halten und tiefere Unterhaltskosten als die bisherigen Modelle haben, sagten sie. Zudem schafft das laut Armin Zöggeler die Voraussetzung für den Halbstundentakt auf der Schiene ins Obertoggenburg.

«Die Arbeiten erfolgen meist
bei laufendem Betrieb, damit
die Züge von und
nach Rapperswil nicht ausfallen.»

Die Passerelle hätte bei einem Pfeiler laut Armin Zöggeler einen Aufprallschutz erfordert. Sie ist laut Denkmalpflege eine Rarität, aber nicht geschützt. Sie wird deshalb demontiert und beim Dampfbahnverein Zürcher Oberland wieder aufgestellt.

Neue Bachdurchlässe für 2021 geplant

Die Fahrbahn habe das Ende der Lebensdauer erreicht, sagte Angèle Vial. Zudem brauche es ein neues Entwässerungssystem, da Wasser der Hauptfeind der Fahrbahn sei.

Angèle Vial.

Angèle Vial.

(Bild: PD)

Die Durchlässe des Hagtobel- und des Bleikenbachs unter der Bahn würden ersetzt, weil ihre Kapazität zu klein und ihr Zustand schlecht sei. Die neuen Durchlässe bewältigten im Gegensatz zu den heutigen ein 100-Jahre-Hochwasser, sagte Angèle Vial.

«Der Durchlass des
Hagtobelbachs ist
nur einen Meter hoch. Er ist sogar
für mich zu klein.»

Ein Bewohner der Überbauung Bahnhof-Süd wollte in der Fragerunde wissen, wie viele Nächte am Bahnhof Wattwil gearbeitet wird. Armin Zöggeler sagte, dass zwischen August und November viel Nachtarbeit zu erwarten sei. Bis zu fünf Nächte pro Woche könnten lärmig werden.

Strenge Umweltschutzmassnahmen für Arbeiten an den Bächen

Vor allem im August und im September würden Arbeiten in der Nähe des Bahnhofs durchgeführt. Ab November werde mehrheitlich tagsüber gearbeitet. Gewisse Arbeiten seien nur vertretbar, wenn keine Züge fahren. Man versuche aber, lärmige Arbeiten so weit als möglich auf den Tag zu verlegen, versprach Armin Zöggeler.

Beatrice Rüegg informierte über die Umweltmassnahmen. Abfälle müssten getrennt entsorgt werden und bei Arbeiten an Bächen müsse man besonders vorsichtig vorgehen, sagte sie. So müssten beispielsweise Flüssigkeiten in doppelwandigen Tanks gelagert werden.

Fragen zu Baulärm, Perron und Strassen

Der Umschlagplatz für das Material wird auf der Westseite des Bahnhofareals liegen. Ein Votant warnte in der Fragerunde, dass Lastwagen, die die Transporte besorgen, die Bleikenstrasse beschädigen könnten und dass die Anwohner sich wegen des Perimeters an den Kosten für die Reparatur beteiligen müssten.

Armin Zöggeler entgegnete, dass heute schon Lastwagen via Bleikenstrasse fahren. Abgesehen vom Halbstundentakt ins Obertoggenburg werde es in den nächsten 15 Jahren keine Fahrplanverdichtungen geben, antworte er einem anderen Votanten.

Kritik an Treppen bei Unterführung Süd

Ein Besucher erkundigte sich nach den Arbeiten, die kürzlich im Bahnhof vorgenommen wurden. Er moniert auch, dass bei der Unterführung Süd statt Rampen Treppen zu den Perrons führen.

Armin Zöggeler erläuterte, dass man alle sechs bis sieben Jahre die Gleise stopfen müsse. Das sei geschehen. Heute dürfe man die Mittelperrons in Wattwil, so wie sie jetzt sind, nicht mehr bauen, sagte er.

Angèle Vial ergänzte, dass die Mittelperrons zu schmal seien für Rampen, wenn man den Sicherheitsabstand einhalten wolle. Der Bahnhof Wattwil erfüllt allerdings die Vorschriften des Behindertengleichstellungsgesetzes, weil die Unterführung Nord rollstuhlgängig ist.

Kritik am Zustand des Wegs bei der Firma Högg

Ein anderer Votant kritisierte den unfertigen Zustand des Bahnübergangs bei der Firma Högg. Armin Zöggeler und ein Vertreter der politischen Gemeinde bestätigen, dass die Gemeinde sich mit dem Problem befassen werde. Der Weg ist jetzt als Gemeindeweg 3. Klasse eingestuft. Das heisst, dass die Gemeinde jetzt für den Unterhalt verantwortlich ist. Der Bahnübergang ist definitiv.

Kosten von rund 27 Millionen Franken

Der Baubereich erstreckt sich vom südlichen Perronende in Wattwil bis zum Nordportal des Rickentunnels beziehungsweise bis zum Hummelwaldbach. Auf 2,3 Kilometern Länge wird die Fahrbahn erneuert. Die Südostbahn verlegt rund 3,6 Kilometer neue Schienen, neun neue Weichen und rund 11'000 Tonnen Schotter.

52 neue Fahrleitungsmasten werden aufgestellt und zwei Bachdurchlässe erneuert. Die gesamten Kosten für das Projekt erreichen 27 Millionen Franken. Gesamtprojektleiter Armin Zöggeler ist zuversichtlich, dass das Kostendach hält.

Am teuersten ist die Fahrbahn

Mit 12,5 Millionen Franken ist die Fahrbahn der grösste Einzelposten im gesamten Projekt. Für die Sicherungsanlagen sind 4,2 Millionen Franken budgetiert. Mit 3,1 Millionen Franken schlagen die neuen Fahrleitungen zu Buche.

Für Bachdurchlässe sind 5,3 Millionen Franken vorgesehen, wobei dies die Gesamtkosten sind. Die Südostbahn zahlt etwa 2,3 Millionen. Den Rest übernehmen verschiedene Kostenträger. Auf den Durchlass des Bleikenbachs entfallen zwei und auf den des Hagtobelbachs 3,3 Millionen Franken. Übergeordnete Kosten verschlingen 1,9 Millionen Franken.