Nach der Grossfusion im Neckertal soll ein neues Wappen Identität und Gemeinschaftsgefühl vermitteln

Grundsätzlich sind Gemeinden in der Gestaltung ihrer Wappen frei. Dennoch sollten sie die Regeln der Heraldik beachten.

Urs M. Hemm
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Das Wappen der Gemeinde Neckertal wurde im Jahr 2009 im Zuge der Fusion von Brunnadern, St.Peterzell und Mogelsberg neu gestaltet.

Das Wappen der Gemeinde Neckertal wurde im Jahr 2009 im Zuge der Fusion von Brunnadern, St.Peterzell und Mogelsberg neu gestaltet.

Illustration: PD

Vor einer Gemeindefusion gibt es buchstäblich Hunderte von Sachverhalten zu klären, Zahlen zusammenzuführen und Pläne anzugleichen und zu ergänzen. In den meisten Fällen handelt es sich dabei um nüchterne Fakten, an denen es nichts zu schrauben, zu interpretieren oder zu diskutieren gibt. Kommt es aber zu emotionsbeladenen Themen, wie beispielsweise die Gestaltung eines neuen Gemeindewappens, spielen plötzlich Dinge wie Identität, Stolz, Gemeinschaftsgefühl und Heimat eine wichtige Rolle. Hans Rüegg, von der Stiftung Schweizer Wappen und Fahnen, sagt dazu: «Gibt sich eine fusionierte Gemeinde ein neues Wappen, verlieren die Wappen der nicht mehr bestehenden Gemeinden zwar ihren Status als offizielles Hoheitszeichen. Sie behalten aber nach wie vor ihre Gültigkeit und bleiben geistiges Eigentum der Einwohner der betreffenden Dörfer.»

Das Wappen der Gemeinde Oberhelfenschwil stammt aus dem Jahr 1946. Zur Landesausstellung 1939 verfügte die Gemeinde noch über kein eigenes Wappen.

Das Wappen der Gemeinde Oberhelfenschwil stammt aus dem Jahr 1946. Zur Landesausstellung 1939 verfügte die Gemeinde noch über kein eigenes Wappen.

Illustration: PD
Hans Rüegg, Experte für Wappen und Fahnen.

Hans Rüegg, Experte für Wappen und Fahnen.

Bild: PD

Es gebe verschiedene Möglichkeiten die Wappenfrage bei Fusionen zu lösen. «Die einfachste Lösung wäre, das Wappen der grössten oder bedeutendsten der beteiligten Gemeinde zu übernehmen und weiterzuführen», sagt Hans Rüegg. Eine andere Möglichkeit wäre, wie es verschiedene Beispiele in der Schweiz zeigen, Teile oder Symbole der bisherigen Wappen in einem zu vereinigen. «Bei einigen Gemeindewappen ist das gut gelungen. Meistens jedoch sind diese Wappen zu überladen und entsprechen nicht den heraldischen Regeln», sagt Hans Rüegg (siehe Kasten). Zudem würden sich solche Wappen zu wenig von den bisherigen abheben, beispielsweise dann, wenn an Gemeindefestivitäten die Gemeindefahne, wie auch die Fahnen der Dörfer, beziehungsweise der einstigen Gemeinden, gehisst würden.

Zuletzt bleibt die Gestaltung eines völlig neuen Wappens. Dabei sind die Gemeinden aber nicht frei, denn die heraldischen Regeln sollten beachtet werden. Zusätzlich sollte auch die Symbolik der Motive berücksichtigt werden, sowie die in der Grafik üblichen Gestaltungsregeln, wie beispielsweise Ausgewogenheit oder der Goldene Schnitt.

Die schwarze Dogge auf goldenem Grund

Da der Name der neuen Gemeinde noch nicht bekannt sei, sei es schwierig, eine Empfehlung abzugeben, sagt Hans Rüegg. Von einer Kombination der bisherigen Wappen oder einzelner Motive daraus sei aber unbedingt abzuraten. Dafür würde er das Wappen der Toggenburger oder Varianten davon vorschlagen. «Zum einen liegt die Neutoggenburg, der damalige Sitz dieses Adelsgeschlechts, auf Oberhelfenschwiler Boden und somit nach dem Zusammenschluss auf dem Gebiet der fusionierten Gemeinde.» Zum anderen handle es sich um das bedeutendste Historische aus dem Toggenburg, begründet Hans Rüegg seinen Vorschlag.

Die schwarze Dogge mit Stachelhalsband auf goldenem Grund war ab dem Jahr 1436 das eigentliche Wappen der Grafschaft Toggenburg.

Die schwarze Dogge mit Stachelhalsband auf goldenem Grund war ab dem Jahr 1436 das eigentliche Wappen der Grafschaft Toggenburg.

Illustration: PD

Welches Wappen die neue Gemeinde auch wählen wird, Hans Rüegg wird als Mitglied der Stiftung Schweizer Wappen und Fahnen ein Auge darauf haben. Denn die Stiftung hat auf ihrer Website alle Wappen kommentiert, die aus Gemeindefusionen entstanden sind und auch entsprechend bewertet. Das Wappen der Gemeinde Neckertal kommt dabei nur mit einem «Befriedigend» weg. So heisst es: «Aus heraldischer Sicht sind die verschieden gross gezeichneten Tannen problematisch. Ausserdem stehen sie etwas verloren auf dem weissen Schild. Man könnte an eine Winterlandschaft denken. Eine wichtige heraldische Regel verlangt, dass die Figuren das Feld möglichst zur Hälfte ausfüllen müssen.»

Die drei Spitzen im Hemberger Wappen, welche die grüne hügelige Landschaft in Höhenlage symbolisieren, ergeben laut dem Heraldik-Experten Hans Rüegg ein ausgewogenes Bild.

Die drei Spitzen im Hemberger Wappen, welche die grüne hügelige Landschaft in Höhenlage symbolisieren, ergeben laut dem Heraldik-Experten Hans Rüegg ein ausgewogenes Bild.

Illustration: PD

Auf Nachfrage beurteilt Hans Rüegg das Hemberger Wappen als «sehr gut und ausgewogen». Auch das bestehende Wappen der Gemeinde Oberhelfenschwil bekommt grundsätzlich gute Noten. «Einziger Kritikpunkt ist, dass der Turm zu kompliziert gestaltet ist. Das könnte die Blasonierung des Wappens schwierig und schwerfällig machen», äussert sich Rüegg dazu (siehe Kasten). Während die Blasonierung des Hemberger Wappens äusserst knapp ausfällt (in Silber drei grüne Spitzen), lautet die Beschreibung des Oberhelfenschwiler Wappens gemäss dem Wappenbuch des Kantons St.Gallen: «Gespalten von Gold und dreistöckigem schwarzem Zinnenturm und von Silber und Schwarz fünfmal geteilt.»

Zwei Vorschläge zur Auswahl

Die Neckertaler Gemeindepräsidentin Vreni Wild ist mit ihrer Arbeitsgruppe in der Vorbereitungsphase zur Abstimmung zur Fusion der drei Gemeinden Neckertal, Hemberg und Oberhelfenschwil unter anderem für das Thema Wappen verantwortlich. «Wir sind in Kontakt mit der Stiftung Schweizer Wappen und Fahnen und haben von deren Vorschlag mit der Toggenburger Dogge Kenntnis genommen», sagt sie.

Sie hätten aber dennoch einen weiteren Heraldiker kontaktiert, der unter anderem bei der Gestaltung des Wappens der Gemeinde Bütschwil-Ganterschwil und weiterer St.Galler Fusionsgemeinden involviert war. «Er wird uns mehrere Vorschläge unterbreiten, die wir zuerst in der Kerngruppe diskutieren. Im Vernehmlassungsbericht werden wird dann, je nach Resultat, zwei Wappen zur Auswahl stellen», sagt Vreni Wild. Ihr sei wichtig, dass sich alle drei Gemeinden im neuen Wappen wiederfinden und dass sich die Bevölkerung damit identifizieren könne. «Schliesslich wird das Wappen die neue Gemeinde nach aussen repräsentieren», sagt Vreni Wild.

Blasonierung eines Wappens

Eine Blasonierung definiert ein Wappen mit Worten. Diese muss präzise sein, lässt Überflüssiges und Selbstverständliches weg, ist vollständig, verständlich und knapp verfasst. Der Blason sollte es dem Fachmann, beispielsweise einem Glasmaler, ermöglichen, dass Wappen gemäss dieser Beschreibung in korrekter Weise wiederzugeben, auch wenn er es noch nie gesehen hat. Künstlerische Freiheiten in der Detailgestaltung sind gegeben, vor allem um dem Zeitgeschmack gerecht zu werden. (uh/pd)

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