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Ideen-Workshop in Wildhaus: Kein Vorschlag geht verloren

Die Gemeinde Wildhaus-Alt St.Johann ist in ihrem Prozess des Bürgerforums einen Schritt gegangen. Rund 70 Personen trafen sich an einem Workshop, diskutierten über die Frage, wo Handlungsbedarf besteht und brachten Ideen auf den Tisch.
Sabine Camedda
An mehreren Tischen diskutierten die Teilnehmer des Bürgerforums Ideen und begannen, daraus mögliche Projekte zu formulieren. (Bild: PD)

An mehreren Tischen diskutierten die Teilnehmer des Bürgerforums Ideen und begannen, daraus mögliche Projekte zu formulieren. (Bild: PD)

Die Bürger – und damit sind auch Zweitwohnungsbesitzer gemeint – haben das Wort. So lautet das Prinzip des Bürgerforums, das die Gemeinde Wildhaus-Alt St.Johann gestartet hat. Im November 2018 hat eine ausgewählte Gruppe beschlossen, wie der Prozess des Bürgerforums ablaufen soll. Dafür wurde als Erstes ein Stimmungsbarometer erstellt.

Ein zweiter Schritt war ein öffentlicher Austausch. Dieser wurde am vergangenen Samstag im Hotel Hirschen in Wildhaus vorgenommen. Rund 70 Personen folgten der Einladung der Gemeinde und von Toggenburg Tourismus. Diese Grösse sei ideal gewesen, sagt Gemeindepräsident Rolf Züllig. Christian Gressbach, Geschäftsleiter von Toggenburg Tourismus, freute sich vor allem, dass die Gruppe gut durchmischt war. Einwohner von allen Dörfern, Gewerbetreibende, Hoteliers, Landwirte und Ferienhausbesitzer – viele Bereiche seien vertreten gewesen. Sogar die beiden in der Gemeinde wohnhaften Kantonsräte, Martin Sailer (SP) und Mirco Gerig (SVP) hätten teilgenommen, sagt Richard Brander, Präsident des Vereins Pro Toggenburg, in dem die Zweitwohnungsbesitzer zusammengeschlossen sind. Einzig, dass keine jüngeren Personen anwesend waren, enttäuschte Christian Gressbach.

Vom Ideenspeicher zu konkreten Projektskizzen

In einer ersten Runde waren die Teilnehmer aufgefordert zu sagen, wo der grösste Handlungsbedarf besteht und wo jeder Einzelne das grösste Potenzial sieht. Das Ziel ist, die Lebensqualität zu halten oder sogar noch verbessern. «Dabei sind ganz viele Ideen auf den Tisch gekommen», fasst Rolf Züllig zusammen. Jede Gruppe hat dann für sich die drei Punkte bestimmt, wo der grösste Handlungsbedarf besteht.

In einem zweiten Schritt wurden die Ergebnisse aller Gruppen zusammengetragen. Diese wurden dann in die vier Themenbereiche Kommunikation, Infrastruktur, Gemeinde und Produktangebote gegliedert, in deren Rahmen weiter Ideen aufgeworfen und diskutiert wurden. Rolf Züllig betont, dass die übrigen Ideen, die nicht in diese vier Themenbereiche gepasst haben, keinesfalls weggeworfen sind. «Wir haben sie in einen Ideenspeicher abgelegt, von wo sie jederzeit wieder aufgenommen werden können.» In diesen Ideenspeicher sind auch Vorschläge, die vor dem Workshop gemacht wurden. Zudem ist es möglich, jederzeit auf der Website weitere Ideen dort abzulegen.

In einem weiteren Schritt gingen die Teilnehmer dazu über, Ideen herauszufiltern, die konkret umgesetzt werden können. Diese sollen in einer Projektskizze formiert werden. Christian Gressbach freut sich, dass sich auch Einheimische mit Angeboten für die Feriengäste beschäftigen:

«Wenn etwas Neues an uns herangetragen wird, ist dies positiv und wir werden diese Ideen prüfen»

Richard Brander erstaunte es, dass teilweise einfache Ideen aufkamen, die mit wenig Aufwand eine Verbesserung bringen könnten. Er nannte als Beispiel die verschiedenen Hinweis- und Orientierungsschilder, die vereinheitlicht werden könnten. Auch Ideen zur Verbesserung des Angebots des öffentlichen Verkehrs sind aufgekommen oder Vorschläge für Schlechtwetterangebote für Gäste sind genannt worden.

Rolf Züllig warnt davor, jetzt schon die eine oder andere Idee abzuschmettern. Es werden nun Arbeitsgruppen gebildet, die das eine oder andere Projekt durchdenken und ausformulieren sollen. Dabei sollen aus Zuständigkeiten für die Umsetzung formuliert und die Finanzierung geklärt werden. Es sei klar, dass nicht alles in die Zuständigkeit der Gemeinde falle und auf ihre Kosten gehe, sagt Rolf Züllig. Es gebe aber im öffentlichen Haushalt Möglichkeiten für finanzielle Unterstützung.

Bevölkerung kommt jetzt zum Zug

Die Ideen und die Projektskizzen aus diesem ersten Workshop werden im Internet aufgeschaltet. Rolf Züllig sagt:

«Wir hoffen, dass im Blog diskutiert wird.»

Daneben werden die Arbeitsgruppen, die möglichst interdisziplinär zusammengesetzt sind, die Projektskizzen detaillieren und verfeinern, denn die Zeit am ersten Tag reichte nicht, um die Projekte zu konkretisieren. Im Frühsommer will die Gemeinde einen zweiten öffentlichen Anlass durchführen, bei welchem über den aktuellen Stand informiert wird. «Ich rufe alle Vereins-Mitglieder auf, sich aktiv bei im Blog von bewegen und gestalten zu beteiligen», sagt Richard Brander. Er findet es eine hervorragende Idee, vor allem, weil die Gemeinde alle ins Boot holt. «So entsteht ein Wir-Gefühl zwischen den Dörfern und zwischen den Einheimischen und den Zweitwohnungsbesitzern.»

Die Gäste königlicher behandeln

Im Vorfeld des Workshops war die Bevölkerung aufgerufen, ihre Einschätzung zu 13 verschiedenen Thesen abzugeben. Etwa 100 Personen haben dabei mitgemacht und daraus wurde ein Stimmungsbarometer für Wildhaus-Alt St.Johann erstellt.

Unbestritten ist, dass der Tourismus in der Gemeinde substanziell ist und dass nicht darauf verzichtet werden kann. Ebenfalls ist klar, dass man auf die Naturwerte und die Tradition setzt und diese bewahren will. Weniger gut, aber immer noch positiv bewertet werden das Miteinander von Landwirtschaft und Tourismus. Die Teilnehmer der Befragung beurteilen das Engagement der Gemeinde für den Tourismus als im richtigen Mass. Ebenfalls geschätzt wird, wie sich die Gemeinde für die wirtschaftliche Entwicklung einsetzt. Ein weiterer positiver Punkt ist die Angebotsvielfalt von Frühling bis Herbst. Aus dem Stimmungsbarometer geht aber hervor, dass das Toggenburg für Tagestourismus und für Kurzaufenthalte prädestiniert ist.

Weniger gute Noten bekommt die Willkommenskultur für die Gäste. Die Aussage, der Gast sei König, trifft für viele «eher nicht zu». Verbesserungswürdig sehen viele das Beherbergungsangebot und die Destination, im Vergleich zu anderen Destinationen der Ostschweiz und im grenznahen Ausland. Es wurde auch festgestellt, dass die Aussenwahrnehmung des Toggenburg eher schlecht ist. Die negative Beurteilung der These, dass eine intensive Inszenierung, Sport und Spass bevorzugt werden, stimmt mit der positiven Bewertung der Naturwerte überein. Als schlecht wird das Schlechtwetterangebot beurteilt.
Rolf Züllig zeigt sich wenig überrascht von diesem Stimmungsbild in seiner Gemeinde. Auch Christian Gressbach und Richard Brander haben das Resultat der Umfrage in der Bevölkerung und bei den Gästen so erwartet. (sas)

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