Einblick ins Berufsleben einer Toggenburger Lederschneiderin: «Ich musste etwas mit meinen Händen machen»

Pia Meneguz schildet in der Rubrik Goldener Boden, wie sie eigentlich Automechanikerin werden wollte, die Schuhmacherei erlernte und schliesslich Lederschneiderin wurde.

Aufgezeichnet von Sascha Erni
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Pia Meneguz bei der Arbeit mit der Nähmaschine. (Bild: Sascha Erni)

Pia Meneguz bei der Arbeit mit der Nähmaschine. (Bild: Sascha Erni)

Schon als Kind mochte ich Leder. Immer, wenn ich in Lichtensteig im Schuhgeschäft der Familie Baillods Besorgungen erledigte, führte mein Weg durch die Werkstatt. Der Geruch von Leder hat mich schon früh geprägt.

Aus Zufall zum eigenen Geschäft

Im neunten Schuljahr war dann Berufsfindung Thema. Der Lehrer wollte der Reihe nach wissen, was wir werden wollten. Ich konnte zuerst keine Antwort geben, weil ich noch ein Welschlandjahr vor mir hatte. Eigentlich wollte ich Automechanikerin werden, aber das war damals undenkbar. Mir war klar, ich musste etwas mit meinen Händen herstellen. Der Lehrer fragte also erst die anderen, und als ich dran kam, sagte ich: Schuhmacherin. Er lachte mich aus. Später jedoch sollte er es sein, der mir eine Schnupperwoche in der Schuhmacherei des Sportgeschäfts Reich in Wattwil vermittelte.

Frau in Männerdomäne

Pia Meneguz ist 1961 in Herisau geboren und wuchs in Lichtensteig auf. Während ihrer Ausbildung besuchte sie die Berufsschule in Aarau und arbeitete eineinhalb Jahre lang in der Orthopädie-Schuhmacherei H. Lüchinger in Montlingen. Später führte sie eine Schuhmacherei in Flawil. Sie hat drei erwachsene Kinder und ist stolze Nonna. Im März 2018 eröffnete sie mit Eveline Rüegg das Handwerk- und Duftatelier «Kreatissimo».

Mein erstes Geld verdiente ich …
… als Fünf- oder Sechsjährige. Ich erledigte für ältere Leute Einkäufe, das gab dann Bazeli. Die gingen natürlich sofort in die Sparkasse.

Und wie steht es um das Motorradfahren?
Ich bin immer noch Mitglied im Töffclub. 2018 kamen aber die Ausfahrten viel zu kurz, denn seit der Geschäftseröffnung im März gibt es viel zu tun. Stattdessen geniesse ich die Zeit mit unserem ersten Enkelkind. (rb)

Nach der Ausbildung war es schwierig, eine Anstellung zu finden, weil ich nicht aus einer Schuhmacherfamilie stammte. Per Zufall stiess ich auf ein Inserat, in Flawil war ein Schuhmacher verstorben. Eigentlich war ich nur an seinem Werkzeug interessiert, aber mein damaliger Freund – heute Ehemann – und mein Vater überredeten mich, das Geschäft weiterzuführen. Das machte ich dann viele Jahre lang, gleichzeitig zog ich meine drei Kinder gross.

Über den Töffclub zur Lederschneiderei

In den 80er-Jahren kam ich schliesslich über den Töffclub Lichtensteig zur Lederschneiderei. Es fing mit dem Aufnähen von Stickern an, später kamen Lederkombi-Reparaturen hinzu. Dann machte ich ganze Massanfertigungen. Heute führe ich zusammen mit Eveline Rüegg den «Kreatissimo» in Lichtensteig. Ich ändere und repariere Ledersachen, aber für mich ist klar: Ich möchte hier auch wieder selbst Taschen und Gürtel herstellen. Vielleicht findet sich im 2019 die Zeit dafür.