«Ich konnte gerade noch meinen Spind räumen»: Wie der Volg in Kirchberg eine 60-jährige Mitarbeiterin auf die Strasse stellte

Im Kirchberger Dorfladen sowie in der Landi in Bazenheid scheint nicht alles rund zu laufen. Mindestens eine Mitarbeitende erhielt die Kündigung.

Beat Lanzendorfer
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Im Kirchberger Dorf-Laden ist die Unsicherheit bei den Mitarbeitenden zurzeit gross. (Bild: Beat Lanzendorfer)

Im Kirchberger Dorf-Laden ist die Unsicherheit bei den Mitarbeitenden zurzeit gross. (Bild: Beat Lanzendorfer) 

18 Jahre im Dorfladen gearbeitet und dann mit 60 Jahren vor die Tür gesetzt. Passiert ist das einer Mitarbeiterin im Volg Kirchberg (Name der Redaktion bekannt).

Im Gespräch ist deutlich spürbar, wie sie sich fühlt. Mehrmals stockt ihre Stimme, weil ihr Tränen über die Wangen kullern.

«Ich fühle mich beschissen, weil ich mir nichts vorzuwerfen habe.»

Sie sei von ihrem ehemaligen Arbeitgeber enttäuscht, weil nichts auf die Entlassung hingedeutet habe.

Vor vollendete Tatsachen gestellt worden

«Ich war im Oktober während vier Wochen krankgeschrieben, weil Schmerzen im Arm keine Arbeit zuliessen.» Nach ihrer Rückkehr sei sie vor vollendete Tatsachen gestellt worden. «Ich konnte gerade noch meinen Spind räumen, dann durfte ich gehen.»

Mit der Situation hat sie Mühe. «Ein Trost ist, dass viele ehemalige Kunden bei mir anrufen und fragen, was los sei. Wenn ich ihnen erkläre, ich sei auf die Strasse gestellt worden, ist ihre Empörung gross.» Sie regt sich auch darüber auf, dass ihr die Kündigung von der Ladenleiterin übergeben worden sei. «Geschäftsführer Daniel Dörflinger hat es nicht für nötig erachtet, mir diese persönlich auszuhändigen – nicht unbedingt die feine Art. Für mich ist dieser Akt sehr beschämend.»

Mit den Vorwürfen konfrontiert, kommt von den Verantwortlichen eine schriftliche Antwort: Es treffe zu, dass aufgrund des Umzugs des Volg-Ladens in das Provisorium der alten Post in Kirchberg und der damit verbundenen deutlich kleineren Ladenfläche nicht alle Mitarbeitenden weiterbeschäftigt werden könnten. Die betroffenen Mitarbeitenden seien frühzeitig über diese Massnahmen orientiert worden und würden bei der Suche nach neuen Stellen unterstützt.

Betroffene kann Aussage nicht bestätigen

Diese Aussage kann die Betroffene nicht bestätigen. «Irgendwann hat es geheissen, es zeichne sich ab, dass einige Mitarbeitende den Volg verlassen müssten, bei der Suche nach einer neuen Stelle bin ich bisher aber nicht unterstützt worden.» Und sie gehe auch nicht davon aus, dass dies in Zukunft noch der Fall sei.

Nicht nur im Dorfladen in Kirchberg kommt es indes zu Personalabgängen. Auch in der neu erstellten Landi in Bazenheid, die unter der gleichen Führung wie der Volg steht, soll Personal abgebaut worden sein. Dazu die Geschäftsleitung: «Per Ende Oktober 2019 lief das befristete Arbeitsverhältnis mit einer Mitarbeiterin aus, die zuvor sporadisch im Landi-Laden in Kirchberg und später wieder im neu eröffneten Landi-Laden in Bazenheid gearbeitet hatte. Leider konnte der besagten Mitarbeiterin auf Dauer keine geeignete Stelle angeboten werden, weshalb die Zusammenarbeit beendet wurde.»

Neben der erwähnten Mitarbeitenden verlasse eine weitere Mitarbeiterin auf eigenen Wunsch die Landi, um eine Weiterbildung anzutreten.

Es soll an beiden Standorten wieder Ruhe einkehren

Bei der Frage, ob die getroffenen Massnahmen eventuell darauf zurückzuführen seien, dass die Umsatzentwicklung fünf Monate nach der Neueröffnung in Bazenheid hinter den Erwartungen geblieben sei, halten sich die Verantwortlichen bedeckt. Über die Umsatzentwicklung werde grundsätzlich keine Auskunft gegeben. Die neu eröffnete Landi sei aber gut gestartet. Sie seien überzeugt, dass der Entscheid, den Standort der Landi von Kirchberg ins Bazenheider Industriegebiet zu verlegen, richtig war.

Die Landi an der neuen Industriestrasse in Bazenheid ist im letzten Juni eröffnet worden. (Bild: Beat Lanzendorfer)

Die Landi an der neuen Industriestrasse in Bazenheid ist im letzten Juni eröffnet worden. (Bild: Beat Lanzendorfer)

Der neue Standort ermögliche auf Dauer ein grösseres Angebot mit längeren Öffnungszeiten und einen sieben Tage die Woche geöffneten Tankstellenshop, zu betreiben. Nach den aktuellen Abgängen soll Ruhe an den beiden Standorten einkehren. «Zum gegenwärtigen Zeitpunkt stehen keine weiteren personellen Veränderungen an. Entlassungen aus betriebsbedingten Gründen stellen eine Ausnahme dar», erklären Geschäftsführer Daniel Dörflinger und Präsident Sepp Brändle in der schriftlichen Antwort.

Die ehemalige Mitarbeiterin des Volg-Dorfladens hofft derweil, wieder eine Stelle zu finden:

«Ich bin froh, dass ich liebe Menschen habe, die mich unterstützen. Mit 60 ist mir aber bewusst, dass es für mich auf dem Arbeitsmarkt nicht einfach wird, eine neue Stelle zu finden. Die Hoffnung habe ich trotzdem nicht aufgegeben, denn das Arbeitszeugnis, das ich erhalten habe, bestätigt mir, dass ich meine Arbeit gut erledigt habe.»