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Aus dem Hungertisch wird der Bräkertisch

René Stäheli führt in Lichtensteig durchs Toggenburger Museum. Dabei zeigt er mit dem «Bräkertisch» das neuste Stück der Dauerausstellung erstmals der Öffentlichkeit.
Sascha Erni
Das neuste Stück der Dauerausstellung will Wissen interaktiv vermitteln. (Bild: Sascha Erni)

Das neuste Stück der Dauerausstellung will Wissen interaktiv vermitteln. (Bild: Sascha Erni)

Gut 25 Menschen haben sich am Sonntag in Lichtensteig eingefunden, um mit Städtli-Führer René Stäheli dem «armen Mann im Toggenburg» Ueli Bräker näherzukommen. «Wir haben kein Bräker-Museum, aber das ist das nächst Beste», schmunzelt Stäheli zu Beginn seiner gut einstündigen Führung. Beim letzten Jubiläum 1998 mussten sich Interessenten in Lichtensteig noch mit einer kleinen Ausstellung im Rathaus begnügen. Nun also wird Bräker im Toggenburger Museum geehrt.

In vielen Stationen erzählt Stäheli von Ueli Bräker, aber auch aus dem Leben der gewöhnlichen Stadt- und Landbevölkerung. Immer wieder lockert er seine informative und gewitzte Führung mit Leseproben auf – Ueli Bräkers Gesamtwerk zählt heute zur Weltliteratur, wie Stäheli sagt. «Dass einer vom unteren Stand alles aufschreibt, was in seinem Leben und in seinem Umfeld geschieht, gibt es so sonst nirgends», erzählt er. Bräker hatte bis zu seinem Tod Tagebuch geführt, die gut 3000 Seiten bilden eine einmalige Chronik des Toggenburger Lebens im 18. Jahrhundert.

Ueli Bräker ist überall

René Stäheli kann in fast jedem Raum des Toggenburger Museums etwas zu Ueli Bräker erzählen. Das Schlafzimmer im Museum kontrastiert er etwa mit der Beschreibung der «Betten» auf dem Dreyschlatt, wo Bräker als Kind einige Jahre gelebt hatte. Dort schlief man in Nischen statt in den kurzen Himmelbetten der städtischen Familien.

Wenn man also während des Jubiläumsjahrs den Eindruck erhält, dass Ueli Bräker überall in der Region und in allen Lebenslagen eine Rolle spielt, so zeigte die Führung durchs Toggenburger Museum eindrücklich: Ja, dem ist wirklich so.

Neues Stück für die Dauerausstellung

René Stäheli kennt sich im Museum bestens aus. (Bild: Sascha Erni)

René Stäheli kennt sich im Museum bestens aus. (Bild: Sascha Erni)

Stäheli führt nicht nur durch die bestehende Ausstellung sondern zeigt auch erstmalig deren neustes Stück, den Bräkertisch. Dieser funktioniert wie ein Frage-Antwort-Spiel. Auf runden Holzbrettern stehen Anekdoten und Hinweise zum Leben Ueli Bräkers. Die Klappen verbergen Vertiefungen, darin enthalten sind passende Beispiele. Bei dieser Idee orientierte sich das Toggenburger Museum an der letzten Sonderschau «Z’Esse gits nur gsottes Gräs», erklärte Kuratorin Christelle Wick. Der «Hunger-Tisch» war gemäss Wick als interaktives Element besonders bei Schulklassen sehr gut angekommen, nun ist er, auf Ueli Bräker getrimmt, Teil der Dauerausstellung.

Der Bräkertisch ist nicht nur aus didaktischen Grünen mit seinen Vertiefungen versehen. Die Konstruktion orientiert sich an den Esstischen armer Toggenburger im 16. bis 19. Jahrhundert. Da man sich zu jener Zeit oft kein Geschirr leisten konnte, schabten die Familien Kuhlen aus den Tischplatten. Auch der «arme Mann im Toggenburg» musste oft auf Geschirr verzichten. So oft, dass sich selbst Roman Signer 2005 für sein Kunstwerk «Tisch» auf dem Wattwiler Bräker-Platz von diesen Ess-Kuhlen inspirieren liess, erklärt René Stäheli.

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