Ein Profi gibt Tipps in Sachen Homeoffice –Sascha Erni: «Wer arbeitet, trägt eine auffällige Mütze»

Für viele ist es das erste Mal, dass sie in den eigenen vier Wänden quasi ins Büro gehen sollen. Das hat Vorteile, birgt aber auch Gefahren.

Sascha Erni
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Im Homeoffice lauern für Ungewohnte ab und an versteckte Fallstricke. Auch wenn die Technik perfekt funktioniert.

Im Homeoffice lauern für Ungewohnte ab und an versteckte Fallstricke. Auch wenn die Technik perfekt funktioniert.

Bild: Sascha Erni

Unternehmen bieten auf Grund der Coronapandemie ihren Mitarbeitenden vermehrt an, im Heimbüro zu arbeiten. Für viele ist es das erste Mal, dass sie in den eigenen vier Wänden quasi ins Büro gehen sollen. Bei technischen Themen wie VoIP/SIP-Telefonie oder Remote-Zugriff auf Firmenrechner unterstützen Arbeitgeber oft gerne und kompetent. Aber wie sieht es mit den versteckteren Fallstricken im Homeoffice aus?

Das Brechen von Gewohnheiten

Eine der grössten Umstellungen, mit der Sie als Homeoffice-Neuling zu kämpfen haben werden, ist das Brechen mit Gewohnheiten. Im Arbeitsleben haben wir unheimlich viele kleine und grössere Rituale verinnerlicht, die dem Tag Struktur geben: Auf dem Weg zur Bushaltestelle etwa ein Gipfeli kaufen, oder in der Kaffeepause über den Spitalstreit diskutieren.

Viele dieser Gewohnheiten können Sie nicht eins zu eins aufs Homeoffice übertragen. Aber Sie können sie durch andere Rituale ersetzen und so ihrem Arbeitstag eine Struktur geben, die Ihnen hilft, die Grenze zwischen Arbeit und Privatleben nicht zu sehr verwischen zu lassen.

Der Arbeitsweg als psychologischer Trick

Ein Beispiel: Spazieren Sie vor und nach der Arbeit zehn Minuten durch den nahe gelegenen Wald oder der Thur entlang. Mit einem solchen künstlichen Kurz-Arbeitsweg trennen Sie im Kopf Ihren privaten Aufenthalt im Haus von der beruflichen Arbeit im Heimbüro.

Wir leben im Toggenburg in einer wunderschönen Landschaft, nutzen Sie deren Möglichkeiten – zumindest, so lange keine Ausgangssperren verfügt werden. Gegenwärtig sollten Sie alleine unterwegs sein, wie es auch Daniel Koch vom BAG am 16. März gegenüber SRF zusammenfasste: «Man kann trotzdem nach draussen, das soll man aber allein tun oder mit dem Angehörigen, mit dem man sowieso zusammen ist.» Aber mit dem arbeitet man eher selten in derselben Firma, also: allein.

Auch wenn die meisten Unternehmen heute keine Stechuhren mehr verwenden, haben sie oft Präsenzzeiten und ein täglich zu erfüllendes Stunden-Soll. Besonders dann, wenn Sie nur in Ausnahmesituationen im Homeoffice arbeiten, ist es empfehlenswert, sich an diese Zeitvorgaben zu halten. Vergessen Sie dabei aber bitte die Pausen nicht!

Entgegen der landläufigen Meinung tendieren Menschen im Homeoffice nicht dazu, weniger zu arbeiten als am Arbeitsplatz. Sie arbeiten meist länger. Auf Dauer ist es unabdingbar, dass Sie sich Pausenzeiten und den Feierabend fix einplanen. Sonst wird Ihnen zumindest am Anfang das Abschalten nach getaner Arbeit schwerer als üblich fallen.

Halten Sie sich an Arbeits- und Pausenzeiten

Ein Problem, dem sich frischgebackene Homeoffice-Arbeitende früh stellen müssen, ist die Trennung von Arbeit und Haushalt. Man sollte an einem Konzept sitzen, aber der Wäscheberg lädt zum Aufräumen ein. Das Katzenklo müsste auch gemacht werden, und wenn Sie jetzt in den Volg gehen, ersparen Sie sich am Wochenende einen Einkaufsweg.

Eine räumliche Trennung vom Beruflichen und dem Alltagsrest kann helfen. Schotten Sie sich zum Beispiel in Ihrem Heimbüro ab, in einem eigenen Zimmer also, statt sich mit dem Laptop an den Esstisch oder aufs Sofa zu setzen. Das man eigentlich auch mal wieder saugen könnte. Insbesondere Kinder (und Katzen) sehen es anfangs oft nicht ein, dass die Erwachsenen zwar hier, aber gerade «im Büro» sind. Auch Lebenspartner können damit ihre liebe Mühe haben.

Hier bietet sich ein Tipp aus Frank Berzbachs empfehlenswertem Buch «Kreativität aushalten: Psychologie für Designer» an: Er schlägt vor, dass man ein gut sichtbares Zeichen setzt, etwa, indem man während der Arbeit eine auffällige Mütze oder einen Schal trägt. Je auffälliger das Zeichen, desto eher werden Mitbewohner sich daran gewöhnen, dass Sie zwar gerade aus dem Badezimmer kommen, aber trotzdem nicht wirklich «daheim» sind. Wenn Ihnen das übertrieben erscheint, schlüpfen Sie in Ihre übliche Arbeitskleidung und lassen die Jogginghose im Schrank.

Coworking als Bindeglied.

Vielleicht finden Sie nach einer Weile Gefallen an der Arbeit ausserhalb des Büros, und auch Ihre Firma zeigt sich offen gegenüber Fernarbeit. Aber wünschen Sie sich trotzdem ein wenig mehr sozialen Kontakt? Dann wäre es eine gute Idee, sich einen sogenannten Coworking-Space genauer anzusehen.

Mit dem «Macherzentrum Toggenburg» wirkt ein etabliertes Coworking in Lichtensteig, in Kirchberg geht ab Mitte Jahr das Projekt der Genossenschaft «BüroMitenand» an den Start. Ein Besuch könnte sich lohnen – nach dem Abebben der Corona-Epidemie, selbstverständlich.

Fotoreporter und Sachbuchautor

Sascha Erni ist freier Fotoreporter und Sachbuchautor. Er hat 2005 das letzte Mal in einem Büro, das nicht sein eigenes Homeoffice ist, gearbeitet.