Holzwirtschaft
«Meinungsvielfalt ist sichergestellt»: Esther und Walter Ferrari ziehen sich aus der Leitung der Necker Holz AG in Brunnadern zurück

Nach 30 Jahren am Ruder der Necker Holz AG haben sich Esther und Walter Ferrari entschieden, ihre Anteile zu verkaufen und die Leitung in neue Hände zu übergeben. Mit den beiden neuen Verwaltungsräten Michael Freitag und Pirmin Fischbacher konnte eine regionale Nachfolge gefunden werden.

Urs M. Hemm
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Walter und Esther Ferrari ziehen sich aus der operativen Leitung der Necker Holz AG zurück.

Walter und Esther Ferrari ziehen sich aus der operativen Leitung der Necker Holz AG zurück.

Bild: Paul Preisig

«Da wir selbst keine Kinder haben, war uns immer klar, dass die Firma nicht in den Händen der Familie bleibt», sagt Esther Ferrari-Fäh. So habe es nur zwei Lösungen gegeben, die Nachfolge zu regeln. «Entweder wir verkaufen unsere Firmenanteile an einen Auswärtigen, in welchem Fall die Zukunft des Standorts hier in der Furt ungewiss gewesen wäre. Oder wir finden eine regionale Lösung, bei welcher wir uns sicher sein können, dass der Betrieb in unserem Sinne hier weitergeführt wird und die Arbeitsplätze gesichert sind.»

Sie hätten sich vor knapp einem Jahr entschieden, die Nachfolgeregelung aktiv anzugehen, und im Verwaltungsrat die Aufgaben verteilt. Als dann bei Walter Ferrari im Sommer noch gesundheitliche Probleme dazu gekommen sind, seien die Würfel schnell gefallen.

«Irgendwie hat dann alles zusammengepasst. Als nach Michael Freitag noch Pirmin Fischbacher ins Boot geholt werden konnte, waren wir uns sicher, dass es hier weitergeht. So konnten wir uns guten Gewissens zurückziehen und es ist – um ehrlich zu sein – eine riesige Erleichterung», sagen Esther und Walter Ferrari.

Ein kleines Paradies geschaffen

Dass sich Pirmin Fischbacher an der Necker Holz AG beteiligt, sei ein Glücksfall. «Wir arbeiten schon seit längerem mit ihm als Lieferanten zusammen. Gerade während der Pandemie haben wir gemerkt, wie wichtig es ist, verlässliche Lieferketten zu haben. Denn ohne Holz aus den Schweizer Sägewerken kann die Necker Holz AG kein hundertprozentiges Schweizer Leimholz produzieren», sagt Walter Ferrari.

Zudem sei Pirmin Fischbacher ein sehr besonnener Unternehmer, der zusammen mit Michael Freitag die Meinungsvielfalt im Viererteam der Firmeneigentümer sicherstellt. Walter Ferrari ist sich sicher:

«Für ein gesundes Wachstum ist die Balance zwischen gewünschter Vorwärtsstrategie und realistischer Finanzierbarkeit unerlässlich. Sie führt bestimmt auch in Zukunft zu Diskussionen und ausgewogenen Entscheidungen im Verwaltungsrat.»

Ein erster Schritt in ihre Unabhängigkeit war vor drei Jahren der Verkauf der Immobilie an die Necker Holz AG. «Ursprünglich haben wir die Liegenschaft vor 20 Jahren von meinem Schwiegervater Dölf Fäh gekauft, um eigenständig zu sein. Und wir haben uns hier ein kleines Paradies geschaffen», sagt Walter Ferrari.

Sie hätten jetzt aber festgestellt, dass die Nähe zum Betrieb ein Problem würde. «Wenn man während Jahrzehnten für einen Betrieb gelebt hat, kann man nicht von einem Tag auf den anderen die nötige Distanz gewinnen. So wollen wir wegziehen und uns an einem ruhigen Plätzli ein Haus kaufen oder selbst eines bauen.»

Zudem müsse man sich bewusst sein, dass die Furtsäge mittlerweile ein Industriestandort ist, sagt Esther Ferrari. Sie sagt:

«Wir selbst haben in diese Entwicklung investiert und sollte jetzt noch ein weiteres Produktionsgebäude gebaut werden, hat es für Wohnraum mit Lebensqualität keinen Platz mehr.»

Wegziehen werde zwar wehtun und ist sehr emotional. Aber es sei der einzige richtige Schritt, um zur Ruhe zu kommen.

Ein Rückschlag im Jahr 2015

Geschäftlich sei es im Jahr 2021 so gut wie noch nie gelaufen. Walter Ferrari sagt:

«Wir können unsere 50 Prozent Necker-Holz-Anteile also in einem sehr gesunden Zustand weitergeben. Einerseits stimmt das finanzielle Polster. Andererseits ist die Firma technisch gesehen auf dem neuesten Stand.»

Ein Grund dafür sei, dass der Wechsel vom reinen Sägereibetrieb zur Leimholzproduktion langsam und mit Bedacht angegangen wurde.

«Die Necker Holz AG hat 1997 mit der Leimholzproduktion klein angefangen und die Situation über mehrere Jahre nüchtern analysiert, bevor wir im Jahr 2003 die erste Leimholz-Produktionshalle auf der Furtsäge-Liegenschaft bauten. 2016 stellten wir den Sägereibetrieb dann ein und setzten alles auf die Karte Leimholz», sagt Walter Ferrari. Und Res Näf habe es auf kleinstem Raum geschafft, einzelne Anlagen zu einem sehr effizienten und flexiblen Maschinenpark zusammenzuführen.

Einen Rückschlag habe es im Jahr 2015, dem Jahr der Eurokrise, gegeben. Walter Ferrari sagt:

«Damals haben wir von einer Minute auf die andere gut 100’000 Franken verloren.»

Zudem sei Anfang 2016 der Senior-Chef Dölf Fäh unerwartet verstorben. «Es war aber auch ein Jahr der Zäsur. Ich und Rolf Meier sind ins Geschäft eingestiegen und zusammen mit Res Näf und meiner Frau Esther haben wir das Aktienkapital erhöht, was zur nötigen Sanierung der Firma beitrug», sagt Walter Ferrari. Am Ende konnte die Necker Holz AG das Geschäftsjahr 2016 sehr erfolgreich abschliessen.

Den Ruhestand einfach geniessen

Falls alle Beteiligten ihren finanziellen Verpflichtungen nachkommen, kann sich das Ehepaar Ferrari Ende 2022 komplett aus dem Geschäft zurückziehen. «Wenn wir die Leitung des Unternehmens weitergeben, möchten wir auch alle finanziellen Verantwortlichkeiten abgeben können. Ein klarer Schnitt ist uns wichtig», sagt Esther Ferrari.

Als Nächstes wollen die beiden einfach nur ihre Freizeit zusammen geniessen. Esther Ferrari sagt:

«Wenn dann die ganze Übergabe endgültig erfolgt ist, möchte ich endlich Italienisch lernen und einen Back-Kurs machen.»

Ansonsten wollen beide lernen, achtsam zu leben. «Wir beide haben unser Leben der Arbeit gewidmet. Die Krankheit hat mich gelehrt, dass es noch vieles zu erleben gibt. Das wollen wir jetzt gemeinsam geniessen», sagt Walter Ferrari.

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