Holzschnitzel sorgen im obersten Toggenburg für Wärme und eine starke regionale Wertschöpfung

Die neue Heizzentrale im Weier und das Fernwärmenetz Alt St. Johann-Unterwasser sind seit Anfang Oktober in Betrieb. In den beiden Dörfern werden 61 Bezüger versorgt. Ein Tag der offenen Tür kann jedoch nicht stattfinden.

Adi Lippuner
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Projektleiter Urs Zwingli (links) und Walter Looser, Präsident der Ortsgemeinde Alt St. Johann vor der neu erstellten Heizzentrale.

Projektleiter Urs Zwingli (links) und Walter Looser, Präsident der Ortsgemeinde Alt St. Johann vor der neu erstellten Heizzentrale.

Bild: Adi Lippuner

Beim Dorfeingang von Alt St. Johann, hinter dem ehemaligen Feuerwehrdepot, macht die Beschriftung «Holz-Fernwärme – Ortsgemeinde Alt St. Johann» auf die Besonderheit eines neu erstellten Gebäudes aufmerksam. Die Heizzentrale zur Versorgung von – inzwischen 61 Fernwärme-Bezüger – in Alt St. Johann und Unterwasser ist seit Anfang Oktober in Betrieb. Wie Walter Looser, Präsident der Ortsgemeinde Alt St. Johann auf Anfrage betont, funktioniert alles wie geplant.

Ein Lager für Holzschnitzel und eines für Rundholz

Doch was versteckt sich hinter den mit Holz verschalten Wänden? Da ist einmal das Holzschnitzellager, wobei sowohl angeliefertes und bereits zerkleinertes Holz aus der Region, als auch Rundholz ­– mit Hilfe einer mobilen Anlage vor Ort – verarbeitet werden kann.

Die Holzschnitzel gelangen mittels manueller Beschickung mit einem Teleskoplader in die Holzschnitzelfeuerung. Das Herzstück der Heizzentrale hat eine Leistung von 900 Kilowatt (kW) und kann somit jährlich bis zu 3500 Megawatt (MWh) Heizenergie produzieren. Für den Spitzen- und Notbetrieb wurde zudem ein Ölheizkessel installiert, wobei dieser auf das ganze Jahr gesehen, lediglich null bis fünf Prozent der gesamten Heizarbeit übernehmen wird.

Nicht zu vergessen der auf dem Dach produzierte Solarstrom, der den Energiebedarf der Heizzentrale zu rund der Hälfte deckt.

Starke regionale Wertschöpfung

Der Holzschnitzelbedarf liegt jährlich bei rund 5000 Kubikmeter. Wie Projektleiter Urs Zwingli betonte, stammen diese aus der Waldregion 5 und wo immer möglich, aus der direkten Umgebung der Heizzentrale. «Aktuell kann sehr viel Sturmholz vor Ort verwertet werden und die jährliche Wertschöpfung für die Region liegt bei rund 150'000 Franken», so Walter Looser.

Walter Looser, Präsident der Ortsgemeinde Alt St. Johann und Projektleiter Urs Zwingli (von links) beim Heizkessel.

Walter Looser, Präsident der Ortsgemeinde Alt St. Johann und Projektleiter Urs Zwingli (von links) beim Heizkessel.

Bild: Adi Lippuner

An Stelle eines Verbrauchs von rund 350'000 Liter Heizöl werde einheimischer, nachwachsender Rohstoff genutzt und dabei zudem rund 1000 Tonnen CO2 eingespart, wurde betont. Die ersten Erfahrungen seit der Inbetriebnahme sind positiv, wie bei einem Besuch in der Heizzentrale zu erfahren war.

«Sowohl die Bezüger in Alt St. Johann als auch in Unterwasser sind mit der Wärmelieferung zufrieden und wir haben noch Kapazität, um weitere Interessenten zu berücksichtigen,» betonte Walter Looser.

Sportliches Vorhaben verwirklicht

Ein Blick auf die Entstehungsgeschichte des Neubaus zeigt, dass vom Spatenstich bis zur Inbetriebnahme der Heizzentrale nur gerade zehn Monate vergingen. Bereits im Jahr 2018 stimmten die Ortsbürger dem Vorhaben, die beiden alten Anlagen in Alt St. Johann und Unterwasser durch einen Neubau und Fernwärmeverbund zu ersetzten, zu. Der nötige Kredit von 4,6 Millionen Franken wurde gesprochen und konnte auch eingehalten werden, so die Aussage der Verantwortlichen.

Verteilt wird die Energie über das Fernwärmenetz und dies mit einer Vorlauftemperatur von 85 Grad. Die Wärme gelangt auf einer Trassenlänge von insgesamt 4000 Metern zu den Bezügern und ist ganzjährig in Betrieb. Dank des modernen Kommunikationsnetzes der SAK (St. Gallisch-Appenzellischer Kraftwerke) können die Verbrauchswerte aller Wärmebezüger in der Fernwärmezentrale ausgelesen werden.

Tag der offenen Tür verschoben

Es war geplant, dass die Bevölkerung am Sonntag, 8. November, bei einem Tag der offenen Türe, die Heizzentrale besichtigen kann. Coronabedingt muss dieser Anlass, wie auch die offizielle Einweihung, welche für Freitag, 6. November geplant war, verschoben werden. «Wir hoffen, dass wir die Anlässe zu einem späteren Zeitpunkt durchführen können», so der Präsident der Ortsgemeine Alt St. Johann, Walter Looser. (adi)