Hohe Umsatzeinbussen trotz reduzierter Öffnungszeiten bei Wattwiler Gewerbetreibenden – Dennoch: «Für die Miete und die Löhne reicht es»

Obwohl Dieter Otts und Gregor Menzis Geschäfte während des Lockdowns geöffnet waren, stehen sie vor grossen Herausforderungen.

Urs M. Hemm
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Nach einem anfänglichen Umsatzeinbruch erholten sich die Zahlen bei Backwaren der Bäckerei und Konditorei Abderhalden von Gregor Menzi in Wattwil schnell wieder.

Nach einem anfänglichen Umsatzeinbruch erholten sich die Zahlen bei Backwaren der Bäckerei und Konditorei Abderhalden von Gregor Menzi in Wattwil schnell wieder.

Bild: Urs M. Hemm

Da sie ihre Läden im Wattwiler Zentrum trotz des Lockdowns teilweise geöffnet haben konnten, haben sie die vergangenen Wochen verhältnismässig gut überstanden. Spurlos ging aber diese Zeit an Dieter Ott von Augenoptik Ott und an Gregor Menzi, Bäckerei und Konditorei Abderhalden, dennoch nicht vorbei.

So muss Dieter Ott voraussichtlich einen Umsatzeinbruch von rund 80Prozent hinnehmen. «Dass wir einen Notfalldienst für unsere Kundschaft aufrechterhalten durften, hat uns zwar einen Basisumsatz generiert. Ohne Kurzarbeit und ein gewisses finanzielles Polster wäre die aktuelle Situation jedoch schwierig», sagt er.

Schmerzhafte Umsatzeinbussen

Auch Gregor Menzi muss eine beträchtliche Umsatzeinbusse verkraften, weil er an allen seinen drei Standorten – zwei in Wattwil und einen in Ebnat-Kappel – die Cafés geschlossen halten musste. Lediglich der Verkauf von Brot und anderen Back- und Konditoreiwaren war erlaubt. «Die Einbussen in der Restauration, insbesondere aber auch im Bereich Catering, sind schmerzhaft.

Dennoch reicht der Umsatz aus, um zumindest die Miete und die Löhne der Angestellten zu bezahlen», sagt Gregor Menzi. Beide hoffen nun auf eine baldige Normalisierung der Situation. Sie sind sich aber bewusst, dass es nur dann funktioniert, wenn sich die Menschen weiterhin an die vorgegebenen Regeln halten.

«Situation hat existenzielle Ängste ausgelöst»

Am Anfang des Lockdowns, dem 16.März, sei das Geschäft zunächst komplett zusammengebrochen, sagt Gregor Menzi. Er gesteht:

«Das hat bei mir anfangs schon beinahe existenzielle Ängste ausgelöst, weil ich nicht einschätzen konnte, wie es so weiter gehen sollte.»

Danach erlebte er Tage der Extreme: Einmal war alles komplett ausverkauft, am nächsten Tag sei er wieder auf fast der ganzen Ware sitzen geblieben.

In der Folge habe sich aber die Nachfrage mehr oder weniger eingependelt. Er habe jedoch bald feststellen müssen, dass vor allem grosse Brote und Trockengebäck aus dem Ofen, beispielsweise Nussgipfel, gefragt waren. Die Nachfrage nach Torten und Ähnlichem war gleich null.

«Ähnlich verlief es auch in den Läden, die ich beliefere. Man merkte, dass die Menschen jetzt mehr in ihrem lokalen Supermarkt und nicht auswärts irgendwo eingekauft haben.»

Dementsprechend habe er das Sortiment angepasst. Mittlerweile sei es sogar so, dass der Umsatz in der Bäckerei trotz fehlender Gäste im Café und trotz fehlender Tagestouristen im Vergleich zum Vorjahr höher sei.

Brot selber backen im Trend

Was auch dazu beigetragen hat, war die Zusammenarbeit mit der Post, die mit der sogenannten «Brot-Post» Vorbestellungen direkt zu den Kunden nach Hause bringt. Die Umsatzeinbussen in den Cafés könne das zwar nicht kompensieren. Es freue ihn aber zu sehen, dass die Menschen in schwierigen Zeiten offenbar die lokalen Geschäfte mit ihrem Einkauf unterstützten. «Dafür bin ich sehr dankbar, denn das ist für unsere Existenz entscheidend.»

Die Kunden kaufen aber nicht nur Brot, sie fragen auch nach Tipps zum Brot selber backen. «Ich habe natürlich mitbekommen, dass Mehl und Backhefe in den Supermärkten sehr gefragt sind», sagt Gregor Menzi. Deswegen Sorgen habe er sich aber keine gemacht.

«Es war spannend, zu sehen, wie sich
die Menschen plötzlich für das Thema Brot interessierten und wie darüber gesprochen wurde und ein reger Austausch untereinander stattgefunden hat.»

Sie hätten den Kunden gerne Ratschläge gegeben und – als sie in den Supermärkten knapp wurde – ihnen auch von der hauseigenen Hefe verkauft.

Hygiene wird ohnehin grossgeschrieben

Von den Vorgaben des Bundes betreffend Hygiene sei das Geschäft kaum betroffen gewesen, denn Hygiene werde in allen Bereichen, sprich in der Backstube, im Verkaufsladen und in den Cafés ohnehin seit jeher grossgeschrieben. Das beinhalte insbesondere das regelmässige Desinfizieren von Flächen wie beispielsweise der Kasse.

«Wir versuchen natürlich auch, die Distanzregel einzuhalten, und arbeiten in der Backstube immer in gleichen Teams.»

Im Laden habe er jedoch keine spezielle Plexiglasscheibe zur Abschirmung installiert, da die Distanz durch Kühltheke gegeben war. Die Anzahl Kunden, die sich gleichzeitig im Laden aufhalten dürfen, hat er aber beschränkt.

In Vorbereitung auf die Öffnung der Cafés am 11.Mai sei er sich noch nicht sicher, ob er Tische entferne, um den gebotenen Abstand einzuhalten, oder ober er Zwischenwände installiere. Hierfür müsse er zuerst klären, was technisch machbar sei. «Wichtig ist aber, dass wir jetzt mit unseren Anstrengungen nicht nachlassen. Ansonsten waren die Bemühungen und Entbehrungen der letzten Wochen umsonst», sagt Gregor Menzi.

Schnelle, unkomplizierte Reaktion in der Notlage

Für Notfälle hatte Dieter Ott sein Geschäft an der Bahnhofstrasse täglich für drei Stunden geöffnet. «Zu zweit konnten wir so den Arbeitstag gut ausfüllen», sagt er. Jetzt merke er, wie es langsam anziehe, so dass sie wieder bis zu dritt im Laden und im Labor arbeiten.

Dieter Ott, von Augenoptik Ott in Wattwil, konnte sein Geschäft während des Lockdowns an drei Stunden pro Tag für einen Notfallservice geöffnet haben.

Dieter Ott, von Augenoptik Ott in Wattwil, konnte sein Geschäft während des Lockdowns an drei Stunden pro Tag für einen Notfallservice geöffnet haben.

Bild: Urs M. Hemm

«Wenn diese Krise etwas Gutes gebracht hat, ist es sicherlich die Flexibilität, die wir uns aneignen mussten, um uns den neuen Umständen anzupassen», zieht Dieter Ott ein positives Fazit aus den vergangenen Wochen.

«Die Kunden waren dankbar, dass wir schnell und unkompliziert auf eine Notlage reagieren konnten. Und die Mitarbeitenden haben Wertschätzung erfahren, indem sie spürten, dass sie und ihre Arbeit gebraucht werden.»

Die Notfälle während der letzten Wochen waren ganz unterschiedlicher Natur. So ist beispielsweise einem Kind beim Spielen an der Thur die Brille ins Wasser gefallen und tauchte nicht mehr auf. Oder ein Kanalarbeiter hat seine Brille in der Kanalisation verloren, die dann weggespült wurde.

Mit gutem Service Vertrauen aufbauen

«Handwerker waren ja während der ganzen Zeit unterwegs, so dass wir dort des Öfteren bei Notfällen einspringen konnten, die ansonsten vielleicht an Brillendiscounter gegangen wären, die ihre Läden geschlossen haben. Ich hoffe schon, dass wir mit unserem Service bei solchen Kunden Vertrauen aufbauen konnten, damit sie in Zukunft vermehrt wieder an uns denken, wenn es um ihre Brillen geht.»

Speziell aufgefallen sei Dieter Ott, wie viele Menschen sich auf ihre Brillen gesetzt hätten. «Entweder ist mir das vorher nie aufgefallen oder es hat damit zu tun, dass die Menschen jetzt vermehrt von zu Hause aus arbeiten, was die Wahrscheinlichkeit, sich auf die Brille zu setzen, ganz offensichtlich erhöht.»

Hygienekonzept schriftlich fest gehalten

Im Ladenlokal habe er auf Grund der Vorgaben des Bundesamtes für Gesundheit praktisch keine Massnahmen treffen müssen. Er erklärt:

«Unsere Tische haben aus Gründen der Diskretion bereits genügend Abstand und die Kunden sind durch Vitrinen voneinander getrennt.»

Neu sei jedoch, dass das Personal im Kundenkontakt immer eine Hygienemaske trage und dass alle Kunden am Eingang ihre Hände desinfizieren müssen. Er könne sich gut vorstellen, eine Konsole mit Desinfektionsmittel auch nach der Aufhebung aller Massnahmen am Eingang für die Kunden aufzustellen.

«Da wir oft mit hygienisch heiklem Material zu tun haben, insbesondere mit Kontaktlinsen, die in direktem Kontakt mit dem Auge sind, desinfiziert sich das Personal die Hände ohnehin regelmässig.»

Auch Brillengestelle, die zur Anprobe in direktem Kundenkontakt sind, wurden bereits vor der Coronakrise schon immer in einem Laugenbad gereinigt.

«Dementsprechend werden auch die Arbeitsflächen täglich mehrfach desinfiziert, so dass wir in diesen Bereichen keine Anpassungen haben machen müssen», sagt Dieter Ott. Auf Grund der speziellen Situation habe er nun aber das ganze Hygienekonzept schriftlich festgehalten, damit die Mitarbeitenden zur Absicherung eine Checkliste haben.

Verhalten der Billigkonkurrenz ist entscheidend

Nach der Öffnung der Läden am 11.Mai sei für ihn einerseits entscheidend, ob sich die Kundschaft weiterhin an die vorgegebenen Regeln hält und so hoffentlich eine zweite Pandemiewelle verhindert werden kann. Andererseits hänge es vom Verhalten der Billigkonkurrenz ab.

«Wenn diese eine Rabattschlacht lostreten, wird es für Fachgeschäfte wie das meine schwierig, die nötige Wertschöpfung für ihre Produkte und Dienstleistungen zu generieren», sagt Dieter Ott.